Mike Hanke «Ich habe nur noch drei Punkte in Flensburg»

Mike Hanke (Foto)
Mike Hanke fährt gern Auto und er fährt gern schnell. Hier war er 2007 beim DFB-Fahrertraining mit Mario Gomez (links) unterwegs. Bild: imago

Von den news.de-Redakteuren Philip Seiler und Michael Heinrich
Mönchengladbach statt Hannover: Im Winter wechselte Mike Hanke vom Champions-League-Anwärter zum Tabellenletzten. Im Interview spricht er über die Gründe, das Rheinderby gegen Köln, seine Rasenallergie und sein Punktekonto in Flensburg.

Herr Hanke, wie hoch ist Ihr Punktekonto in Flensburg?

Hanke: Mein Punktekonto in Flensburg? (lacht) Ich glaube, ich habe nur noch drei Punkte. Wie kommen Sie darauf?

Sie sind Autofan und hatten vor Jahren einmal einen richtig ordentlichen Kontostand. Das heißt also, Sie haben sich in der Hinsicht gebessert?

Hanke: Deutlich sogar. Ich habe zwei Kinder und fahre darum nicht mehr so rasant wie früher mit 18, 19 oder 20 Jahren. Autofan bin ich zwar immer noch, aber mittlerweile habe ich einen VW Touareg und einen BMW X6, also zwei Familienkutschen.

Das Punktekonto Ihrer Mannschaft könnte höher sein, wenn Borussia Mönchengladbach in dieser Saison nicht so viele Zähler verschenkt hätte. Auch gegen Bayern München war am vergangenen Wochenende mehr drin. An was fehlt es der Borussia in dieser Saison?

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Hanke: Das liegt an verschiedenen Dingen. Die vielen Verletzten in der Hinrunde und die Roten Karten (sieben, fünf davon in der Hinrunde, Anm. d. Red.) sind sicherlich zwei Gründe. Noch dazu hat die Mannschaft zu oft eine 1:0-Führung aus der Hand gegeben. Das Spiel gegen St. Pauli (1:3 nach 1:0-Führung am 22. Spieltag, Anm. d. Red.) war zum Beispiel ein wichtiges Duell mit einem direkten Konkurrenten, das wir unnötig aus der Hand gegeben haben. Gegen Bayern haben wir aber gesehen, dass wir auch mit Top-Mannschaften mithalten können und positive Schlüsse daraus gezogen.

In den entscheidenden Momenten versagen Ihrer Mannschaft zu oft die Nerven. Spielt in den Köpfen zu sehr die Angst mit?

Hanke: Nein, an unserer Situation hat sich ja nicht viel geändert. Es sind immer noch fünf Punkte bis zum Relegationsplatz. Das gibt uns Mut, dass wir den Klassenerhalt noch schaffen können.

Am Sonntag steht das erste von sechs Endspielen an: das Rheinderby gegen den 1. FC Köln. Wie gehen Sie mit dieser Situation um, jetzt fast alles gewinnen zu müssen?

Hanke: Es wird natürlich ein entscheidendes Spiel. Wir trainieren zweimal täglich und arbeiten mit unserem Trainer Lucien Favre viel im taktischen Bereich.

Die Partie am Sonntag ist keine alltägliche, sondern durch den Derbycharakter zusätzlich brisant. Sie sind als Spieler zum ersten Mal dabei. Was bedeutet das für Sie?

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Hanke: Man merkt schon, wie heiß die Fans auf das Duell sind. Wenn wir dann am Sonntag das Stadion betreten, wird eine Riesenstimmung herrschen, und wir werden richtig heiß drauf sein. Für uns sind es zwar nur drei Punkte, aber wir könnten mit einem Sieg den Fans einiges zurückgeben.

Inwiefern könnte Ihnen Ihre Derbyerfahrung aus Schalker Zeiten helfen?

Hanke: Die Revierderbys waren immer brisant. In solchen Spielen muss man immer einen kühlen Kopf bewahren und darf nichts Unüberlegtes tun. Das muss uns auch am Sonntag gelingen.

Die Ausbeute von Trainer Lucien Favre ist bislang noch etwas mager. Unter ihm gab es sieben Punkte in sechs Spielen: Glauben Sie trotzdem, dass er der richtige Mann für die Mannschaft ist?

Hanke: Ich denke, dass wir uns unter ihm verbessert haben. Wir haben zuletzt gegen München taktisch klug gespielt und wenig Chancen zugelassen. Nur nach vorne haben wir noch nicht mutig genug gespielt. Daran haben wir diese Woche gearbeitet.

Stichpunkt Offensive: Da sind auch Sie in der Pflicht. Bei Ihrem Gladbach-Debüt nach der Winterpause gelang Ihnen mit einer Torvorbereitung noch ein toller Einstand. Aber nach neun Spielen haben Sie nun immer noch nicht getroffen. Woran liegt es?

Hanke: Solche Phasen gibt es bei Stürmern einfach. Mir ist es aber relativ egal, wer die Tore macht. Wenn ich gegen Köln alleine aufs Tor zulaufen sollte und ein anderer Spieler besser zum Tor steht, dann gebe ich ab.

Lesen Sie auf Seite 2, warum sich Mike Hanke für Mönchengladbach entschied

Ist für Sie die Situation vielleicht besonders schwierig, da Sie bis zur Winterpause mit Hannover 96 noch in oberen Tabellenregionen gespielt haben?

Hanke: Ich habe es mir so ausgesucht, weil ich diese Herausforderung haben wollte. In den vergangenen Jahren habe ich es zweimal erlebt, dass ich mit Wolfsburg und Hannover die Rettung geschafft habe. Das war einfach ein geiles Gefühl. Die Chance besteht mit Gladbach auch noch. Davon bin ich fest überzeugt und für dieses Ziel gebe ich alles.

Sehen Sie Ihren Wechsel nicht auch mit einem weinenden Auge, wenn Sie die unglaubliche Entwicklung bei Ihrem Ex-Klub Hannover verfolgen?

Hanke: Nein, absolut nicht. Ich bereue diesen Wechsel nicht und stehe hinter all meinen Entscheidungen. Ich verfolge aber die Entwicklung in Hannover und habe noch zu fast allen Spielern Kontakt. Das ist eine Klasse-Mannschaft und ich freue mich riesig für die Jungs.

Haben Sie sich schon über Ihre Zukunft Gedanken gemacht?

Hanke: Nein. Solange die Saison nicht entschieden ist, mache ich mir darüber keinen Kopf.

Würden Sie im Fall des Abstiegs auch die Zweite Liga in Betracht ziehen?

Hanke: Absolut.

Sie waren bis 2007 Nationalspieler, doch zwischenzeitlich ist es sehr ruhig um Sie geworden. Wie schätzen Sie Ihre Entwicklung seit dieser Zeit selbst ein?

Hanke: Diese Entwicklung ist natürlich nicht so verlaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich habe keine konstanten Leistungen gebracht und nicht regelmäßig gespielt. Ich habe auch in der vergangenen Zeit nicht mehr so viele Tore gemacht. Insofern ist es okay, dass ich nicht mehr in der Nationalelf stehe. Daran denke ich im Moment aber auch nicht.

Wir haben gelesen, dass Sie eine seltene Allergie haben - nämlich ausgerechnet auf Rasen. Wie äußert sich das?

Hanke: Das ist richtig. Es ist aber nicht so extrem, wie das oft von den Medien dargestellt wurde. Auf dem Spielfeld merke ich eigentlich nichts. Wenn ich im Sommer mit dem Rasen in Kontakt komme, dann juckt es ein bisschen. Nach dem Training ist es extremer. Wenn das Adrenalin weg ist, dann muss ich schon schnell duschen gehen.

Mike Hanke spielt seit 2002 in der Bundesliga und absolvierte am vergangenen Samstag gegen den FC Bayern München sein 200. Spiel in der ersten Liga. Nach vier Jahren auf Schalke ging er für zwei Jahre zum VfL Wolfsburg. Von 2007 bis Dezember 2010 lief der 27-Jährige für Hannover 96 auf, bevor er in der Winterpause zu Borussia Mönchengladbach wechselte. Von 2004 bis 2007 war Hanke DFB-Nationalspieler und erzielte in zwölf Spielen ein Tor.

phs/sca/ivb/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Herbert
  • Kommentar 1
  • 08.04.2011 13:18

Der Skorpion-Trick von Higuita war in irgendeinem Freundschaftsspiel. Bei der WM 90 hat Kolumbien doch überhaupt nicht gegen England gespielt!

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