Wettpate packt aus Wenn das Flutlicht ausgeht

Sapina packt aus (Foto)
Ante Sapina hält sich bei seinen Aussagen vor Gericht nicht zurück. Bild: dpa

Neue Details im Wettskandal: Mit weiteren Aussagen hat Wettbetrüger Ante Sapina vor dem Bochumer Landgericht einen tiefen Einblick in die Szene gewährt. Er selbst habe Bestechungsgelder gezahlt, in England soll das Flutlicht von Betrügern abgeschalten worden sein.

Fußball-Wettbetrüger Ante Sapina hat am Donnerstag gestanden, tief in den Sumpf der Wett- und Spielmanipulationen verstrickt gewesen zu sein. Dabei plauderte Sapina vor dem Bochumer Landgericht auch über die Tricks der Wettmafia: «Wenn denen das Ergebnis nicht passte, haben die einfach das Flutlicht ausgemacht.» Das soll in England passiert sein. Der Hintergrund sei einfach: «Wenn der Schiedsrichter nicht regulär abpfeift, zählen die Wetten in Asien nicht mehr.»

Sapina gibt Zahlungen an Spieler zu

Sapina gab zu, auch selbst Bestechungsgelder gezahlt zu haben. «Ich habe mich an den Kosten beteiligt, wenn Spielern Geld gegeben wurde», sagte der 35-jährige Berliner den Richtern. Die direkten Kontakte zu Profis, Schiedsrichtern und Funktionären habe jedoch meist sein ebenfalls angeklagter Freund Marijo C. gehabt.

Staatsanwalt Andreas Bachmann zeigte sich zufrieden mit der Aussage Sapinas. «Er ist sehr konkret gewesen», sagte der Ankläger. Er gehe deshalb weiterhin von einem kurzen Verfahren aus. Auch Verteidiger Stefan Conen hält die Offenheit Sapinas für sinnvoll: «Er stellt sich dem Verfahren, weil er die Brücken abbrechen will, die ihn hergeführt haben.» Ob der europäische Fußball heute sauberer sei, sei allerdings fraglich. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) könne sicherlich noch mehr tun. «Dass der DFB besser aufklären könnte, glaube ich schon», sagte Conen auf dem Gerichtsflur.

«Jeder war sich selbst der Nächste»

Trotz der geheimen Absprachen hat es laut Sapina keine Führungsebene und auch keine Aufteilung der europäischen Fußballligen gegeben: «Jeder war sich selbst der Nächste.» In der Wettbranche sei ohnehin niemandem zu trauen. «Am liebsten war es mir, wenn ich die Information hatte, dass Spieler gegen ihre eigene Mannschaft wetteten», sagte er. Anders als bei Schmiergeldzahlungen hätten sie dann auch ein eigenes Verlustrisiko gehabt.

Sapina hatte den in Deutschland aktiven Wettbetrügern den asiatischen Markt geöffnet. Die ersten Kontakte seien in einem Wiener Hotel geknüpft worden. Die Asien-Wetten wurden später über einen Londoner Buchmacher abgewickelt. «Der direkte Kontakt nach London war für mich interessant, so konnte ich andere Zwischenhändler ausschalten», sagte Sapina im Prozess. Das englische Unternehmen habe großes Interesse an Informationen über manipulierte Spiele gehabt. Mit den Chefs sei extra ein Fünf-Sterne-System entwickelt worden. «Die 1 stand für eine schwierige Manipulation, die 5 für sehr starken Einfluss», so Sapina.

Der 35-jährige Berliner war nach seiner Verstrickung in den Bestechungsskandal um DFB-Schiedsrichter Robert Hoyzer schon 2005 zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt worden. Im aktuellen Prozess wird Sapina und fünf weiteren Angeklagten vorgeworfen, an der Manipulation von 47 Fußballspielen beteiligt gewesen zu sein - von der Oberliga bis zur WM-Qualifikation. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

phs/news.de/dpa

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