Champions League Ein Abend für die Geschichtsbücher

Das 5:2 gegen Inter Mailand war nicht nur ein Spiel der Superlative. Der FC Schalke 04 steht dadurch auch vor einem seiner größten Erfolge. News.de verrät, warum es ein echtes Fußballwunder war und welcher Trainer den größeren Anteil am Erfolg hat.

Raúl  (Foto)
Ein glücklicher Raúl (links) und geschlagene Mailänder nach dem Treffer des Spaniers zum 3:2. Bild: imago

«Wunder gibt es immer wieder», wusste schon die deutsche Sängerin Katja Ebstein. Auch im Fußball geschehen immer wieder wundersame Dinge: Da war einst das Wunder von Bern 1954, die zahlreichen Europapokal-Wunder von Werder Bremen und auch das Wunder von San Siro 1997, als der FC Schalke 04 bei Inter Mailand nach einem 4:1 im Elfmeterschießen den bislang größten Erfolg der Vereinsgeschichte feierte: den Gewinn des Uefa-Pokals. 

Nun waren es erneut die «Königsblauen», die am Mittwochabend für ein Fußballwunder sorgten, und zwar an selber Stelle: Ein 5:2-Sieg im Viertelfinale der Champions League gegen den Titelverteidiger Inter Mailand, nach dem sich nicht nur die TV-Zuschauer, die Schalker Fans, sondern auch die Spieler die Augen reiben mussten.

Champions League: Schalke demütigt Inter Mailand

«Ich muss erst einmal begreifen, was hier gelaufen ist. So etwas passiert nicht alle Tage», sagte Joel Matip, der Torschütze zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich nach dem Spiel. Auch Abwehrspieler Benedikt Höwedes konnte den Sieg «noch nicht fassen. Vielleicht müssen wir uns das Spiel erst noch mal selbst im Fernsehen ansehen», sagte er. Der Abend war aus verschiedenen Gründen ein Spiel für die Geschichtsbücher.

Noch nie wurde Inter von einem deutschen Team so gedemütigt

Für den ersten Eintrag sorgten die Mailänder mit dem zweitschnellsten Tor und zugleich einem der schönsten Treffer in der Königsklasse. Nach 26 Sekunden traf Dejan Stankovic von der Mittellinie in den leeren Kasten, nachdem Manuel Neuer den Ball per Kopf geklärt und unfreiwillig aufgelegt hatte. Doch darüber sprach nach dem Schlusspfiff keiner mehr: Denn noch nie wurde Inter Mailand von einer deutschen Mannschaft so vorgeführt und kassierte fünf Tore im eigenen Stadion - Eintrag Nummer zwei.

Es geht noch weiter: Noch niemals gelang es einem deutschen Team, den amtierenden Champions-League-Sieger so deutlich zu schlagen. Und das obwohl Schalke vor der Partie als krasser Außenseiter und als schwächste der verbliebenen acht Mannschaften in der Königsklasse galt.

Einem Wunder glich der Auftritt der Schalker Mannschaft aber auch taktisch, spielerisch und läuferisch. Die taktische Leistung geht auf das Konto des neuen Trainers Ralf Rangnick. Der stellte seine Mannschaft überraschend offensiv auf und fand damit genau das richtige Gegenmittel gegen die Italiener. Rangnick ließ den bulligen Stürmer Edu neben Raúl stürmen. Die beiden ergänzten sich prächtig, sorgten für die größte Gefahr vor dem gegnerischen Tor und erzielten drei der fünf Tore. Auch Rangnicks Aufstellung des zuvor kaum berücksichtigten Alexander Baumjohann machte sich bezahlt.

Die Verdienste von Felix Magath

Dass Raúl und Edu aber überhaupt für Schalke treffen konnten, ist das Verdienst des Ex-Trainers Felix Magath. Nicht nur die beiden Stürmer, sondern beinahe die gesamte Mannschaft, die gegen Inter Mailand auf dem Platz stand, hatte Magath in den vergangenen beiden Jahren nach Gelsenkirchen geholt. Aus der Startelf standen nur Manuel Neuer, Benedikt Höwedes und Jefferson Farfan bereits vor Magaths Zeit bei den «Knappen» unter Vertrag. Ein Joel Matip, der in der Innenverteidigung einen überragenden Job machte, reifte erst unter Magath zu dem Spieler, der er heute ist.

Und dann wäre da noch die läuferische Leistung: Hier profitierte die Mannschaft wiederum von Magaths hartem Training. Schalke machte in der zweiten Halbzeit von der Fitness her den besseren Eindruck und konnte Mailand so den Schneid abkaufen. Erst recht, als der Gegner nach Cristian Chivus Platzverweis einen Mann weniger auf dem Platz hatte. Magaths Verdienste am Erfolg in Mailand sind also weit höher einzuschätzen als die von Rangnick, der nun die Früchte seiner Arbeit ernten darf.

«Wir bleiben bei Apfelschorle»

Der vierte Eintrag in die Geschichtsbücher muss aber noch bis zum Rückspiel in einer Woche warten: Sollte Inter Mailand dann nicht für ein erneutes Wunder sorgen können und mindestens vier Tore schießen, steht Schalke erstmals im Halbfinale der Champions League. Und bis dahin scheint die Mannschaft zumindest auch auf dem Teppich zu bleiben. «Wir bleiben bei Apfelschorle und Wasser. Wir müssen uns schließlich auf das Spiel am Samstag gegen Wolfsburg vorbereiten», sagte Manuel Neuer. Dann kommt es zum brisanten Duell zwischen den Schalker «Erfolgstrainern» Magath und Rangnick. Besser könnte der Zeitpunkt dafür kaum sein.

Das Spiel zum Nachlesen und alle weiteren Spiele der Champions League im news.de-Liveticker

phs/ivb/cvd/news.de

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