Champions League «Die Null muss stehen»

Thomas Linke & Marc Wilmots (Foto)
«Euro-Figher» unter sich: Thomas Linke (links) und «Kampfschwein» Marc Wilmots. Bild: imago

Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur
Große Bühne für Schalke 04: Im Viertelfinale der Champions League treffen die Königsblauen auf Inter Mailand. Genau wie vor 14 Jahren, als Schalke den Uefa-Cup gewann. Thomas Linke, der 1997 dabei war, spricht bei news.de über den damaligen Triumph, die aktuellen Chancen und Felix Magath.

Euro-Fighter bleibt er ein Leben lang: Wegen ihrer leidenschaftlichen und kampfbetonten Spielweise wurden Thomas Linke und seine Schalker Mitspieler in der erfolgreichen Uefa-Pokal-Saison 1997 nach dem gleichnamigen Jagdflugzeug benannt - bis heute ein Adelsprädikat der deutschen Fußball-Historie. Heute hat Linke beinahe ausschließlich die vierte Liga im Kopf: Seit fünf Wochen ist der 41-Jährige Sportdirektor bei RB Leipzig. Für news.de blickt Linke dennoch zurück.

Herr Linke, Schalke ist heute Abend zu Gast im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion: Königsblau gegen die Nerazzurri. Vor knapp 14 Jahren sind Sie mit dem FC Schalke dort ebenfalls angetreten.

Linke: Damals haben wir dort das Finale des Uefa-Cups gewonnen. Das war etwas ganz Besonderes.

Schalke 04
Fan-Aufstand gegen Magath

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an diesen Abend denken?

Linke: Das Hinspiel auf Schalke hatten wir 1:0 gewonnen. Mit diesem Vorteil im Gepäck sind wir dann nach Italien gefahren. Im Endspiel haben wir die Fans der Italiener schon frühzeitig ruhiggestellt, weil sie gemerkt haben, dass Inter zu keinen großen Chancen kam. In der 85. Minute allerdings hat Mailand doch noch das Tor gemacht. Plötzlich war das ganze Stadion wieder da und wir gingen in die Verlängerung, in der wir noch eine richtig brenzlige Situation zu überstehen hatten ...

Maurizio Ganz lupfte den Ball über Jens Lehmann an die Latte.

Linke: Genau. Das überstanden wir glücklicherweise und im Elfmeterschießen waren wir dann wieder im Vorteil. Unser Trainer Huub Stevens hatte schon damals akribisch Buch geführt, welcher Schütze wohin schießt. Und so kannte Jens Lehmann alle Schützen von Mailand, ...

... weil er wie im Viertelfinale der WM 2006 einen Zettel zugesteckt bekam.

Linke: Das kam uns zugute, wir konnten das Duell gewinnen und waren damit  Uefa-Cup-Sieger. Das war grandios!

Der bis dato größte Erfolg Ihrer Karriere.

Linke: Es war in dieser Saison etwas ganz Besonderes, mit Schalke im Uefa-Cup zu spielen. Es war 30 Jahre her, dass Schalke international gespielt hatte. Und das hat man den Fans auch angemerkt. Unsere Anhänger haben jedes Spiel zu einem Festtag gemacht. Alle waren regelmäßig schon zwei Stunden vor Anpfiff im Stadion und haben gefeiert. Das hat sich dann auf die Mannschaft übertragen und wir sind über uns hinausgewachsen.

Was hat das Team damals ausgemacht?

Linke: Wir waren als Team unheimlich eng zusammen. Es hat innerhalb der Mannschaft gestimmt, das Drumherum ebenso. Die Frauen haben uns unterstützt, waren bei jedem Spiel dabei und haben sich auch sehr, sehr gut verstanden.

Dazu kamen die sogenannten deutschen Tugenden, die die Schalker Mannschaft verkörpert hat.

Linke: Die Mischung hat gestimmt. Wir haben natürlich den kampfbetonten Fußball gespielt, der im Ruhrgebiet gefragt ist. Aber wir hatten auch ein, zwei richtig gute Fußballer dabei wie Olaf Thon oder Jiri Nemec. Jeder wusste, wo seine Qualitäten liegen, und die hat er perfekt in das Team eingebracht.

Lesen Sie auf Seite 2, was Thomas Linke von Felix Magath hält

Sie waren Nationalspieler, sind fünfmal Deutscher Meister geworden, haben die Champions League gewonnen: Welchen Stellenwert hat dieser Erfolg im Uefa-Pokal in Ihrer Karriere?

Linke: Mit Bayern-Titel zu gewinnen, wird von einem Spieler erwartet. Insofern war das mit Schalke etwas Außergewöhnliches - gleichzusetzen mit dem Champions-League-Sieg.

Haben Sie noch Kontakt zu den alten Kollegen? Mathias Schober beispielsweise war ja bereits damals Ersatzkeeper, heute Abend sitzt er in San Siro wieder auf der Bank.

Linke: Wir telefonieren regelmäßig. Aber speziell vor dem heutigen Spiel haben Matthias und ich nicht miteinander gesprochen.

Inters Javier Zanetti war an jenem Abend ebenfalls schon dabei, heute läuft er als Kapitän auf. Schauen Sie sich das Spiel auch mit Blick auf ihn an?

Linke: Der Zanetti spielte schon damals riesig. Aber ich weiß nicht, ob ich mir das Spiel anschauen kann, weil ich wohl bei einer anderen Begegnung bin, die momentan für mich interessanter ist.

Welche?

Linke: Ich werde nach Jena fahren und mir das Spiel in der 3. Liga gegen Koblenz anschauen.

Da setzen Sie aber deutliche Prioritäten.

Linke: Absolut!

Zurück zur Champions League: Was geben Sie den Schalkern vor dem Auftritt im San Siro mit?

Linke: Es ist wichtig, im Europapokal kein Gegentor zu bekommen. Italienische Mannschaften spielen oftmals defensiv und Du hast immer die Chance, gegen diese Teams ein Tor zu erzielen, ohne dass Du selbst ungemein unter Druck gerätst. Also: Die Null sollte stehen und ein Tor ist jederzeit möglich.

Sie haben auf Schalke gespielt und später in München unter Felix Magath trainiert. Wie haben Sie das Theater um ihren Ex-Trainer wahrgenommen?

Linke: Ich bin jetzt seit fünf Wochen in Leipzig und konzentriere mich hier so intensiv auf die Aufgabe, dass ich das ausgeblendet habe.

Aber Magath war ja auch in Leipzig im Gespräch ...

Linke: (lacht) Jetzt ist er ja aber in Wolfsburg.

Sie hatten also Kontakt?

Linke: Nö, nicht beruflich, nur privat.

Sie sind 1998 von Schalke zu Bayern München gewechselt. Heute stemmen sich die Bayern-Fans mit aller Macht gegen einen möglichen Transfer von Schalkes Keeper Manuel Neuer nach München. Haben Sie dafür Verständnis?

Linke: Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Bayern München war immer dafür bekannt, dass sie die besten Spieler unter Vertrag nehmen, weil die den Erfolg ein Stück weit garantieren können. Ich wurde damals in München und zum Glück auch auf Schalke freundlich empfangen.

Derzeit arbeiten Sie weder in der Königsklasse noch in der Bundesliga, sondern beim viertklassigen Klub RB Leipzig. Empfinden Sie den Wechsel vom Red-Bull-Stammsitz in Salzburg nach Leipzig eher als Beförderung oder Degradierung?

Linke: Als Degradierung würde ich es nicht bezeichnen, sondern ganz klar als Chance und Herausforderung. Ich habe in Salzburg dreieinhalb Jahre als stellvertretender Sportdirektor gearbeitet und stehe jetzt erstmalig in Eigenverantwortung. Das ist hier eine hoch spannende Aufgabe.

hem/reu/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Alexander Voronin
  • Kommentar 1
  • 05.04.2011 21:53

Ich würde eher sagen: Die ZWEI muss stehen! Und dann Inter weggeputzt! Schalke spielt fanfanfanfantastisch! Neuer!!!! Gegen Eto!!! Ein Superspiel!!! Möge die Macht mit Schalke sein. Bezüglich Magath: Keine Antwort ist auch eine Antwort!

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