Fußball Letzter Geburtstag als FIFA-Boss? Blatter wird 75

Letzter Geburtstag als FIFA-Boss? Blatter wird 75 (Foto)
Letzter Geburtstag als FIFA-Boss? Blatter wird 75 Bild: dpa

Auch an seinem 75. Geburtstag wird Joseph Blatter frühmorgens in der FIFA-Zentrale in Zürich hinter dem Schreibtisch sitzen und den internationalen Pressespiegel studieren. Das Communiqué dieser Woche wird ihn nicht in Feierlaune versetzen.

Berlin (dpa) - Auch an seinem 75. Geburtstag wird Joseph Blatter frühmorgens in der FIFA-Zentrale in Zürich hinter dem Schreibtisch sitzen und den internationalen Pressespiegel studieren. Das Communiqué dieser Woche wird ihn nicht in Feierlaune versetzen.

Gut möglich, dass der Schweizer an diesem Donnerstag zum letzten Mal einen Geburtstag als amtierender Präsident des Fußball-Weltverbandes feiern wird.

Denn rund zweieinhalb Monate nach seinem Ehrentag steht ein weiterer wichtiger Termin im Leben des zuletzt heftiger denn je kritisierten FIFA-Chefs an. Am 1. Juni kandidiert der Walliser für eine vierte Amtszeit. Und wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird er sich nicht wie vor fünf Jahren im Zürcher Hallenstadion per Akklamation im Amt bestätigen lassen können.

Zuletzt verdichteten sich die Hinweise, dass mit dem mächtigen asiatischen Fußballverbands-Chef Mohammed Bin Hammam ein Gegenkandidat in den Wahlkampf gegen Blatter zieht. Der Funktionär aus Katar, einst Verbündeter und heute Gegenspieler Blatters, hat sich noch immer nicht offiziell geäußert, soll aber von verschiedenen Verbänden bereits zur Kandidatur gedrängt worden sein.

So zitierten zu Wochenbeginn britische Medien Funktionäre von der Insel mit den Worten: «Wenn es einen ernstzunehmenden Gegenkandidaten gibt, werden wir ihn unterstützen.» Die Engländer sind sauer, dass sie bei der von Korruptionsvorwürfen begleiteten Doppelvergabe der WM 2018 (Russland) und 2022 (Katar) eine deprimierende Schlappe erlitten haben mit nur zwei Stimmen der 22 FIFA-Exekutivkomitee-Mitglieder.

Der 61 Jahre alte Bin Hammam erklärte vor wenigen Tagen vielsagend, Wettbewerb sei «der beste Weg, die Organisation dynamisch und lebhaft zu machen». Die Organisation ist das Unternehmen FIFA, das seit 1998 vom machtbewussten Blatter geführt und gemanagt wird.

Als den «wahren Fußballgott» hat ihn die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» noch während der WM in Südafrika bezeichnet. Auf der berühmten Liste des US-Magazins «Forbes» der mächtigsten Menschen der Welt rangierte der Schweizer im vergangenen Jahr auf Rang 65.

Im Weltverband hat er sich mit geschicktem Politisieren einen breiten Rückhalt gesichert - vor allem bei den kleineren Mitgliedsverbänden. Über Tätigkeiten als PR-Chef des Walliser Verkehrsverbandes, Generalsekretär des Schweizer Eishockey-Verbandes und selbstständiger Marketing-Fachmann kam der Selfmade-Mann 1975 zur FIFA und machte als Zögling des damaligen Präsidenten Joao Havelange Karriere. 1981 wurde Blatter von dem Brasilianer zum Generalsekretär ernannt, 17 Jahre später folgte er ihm auf den Präsidentensessel.

Bislang überstand er noch jeden Skandal (nahezu) unbeschadet: die Pleite des langjährigen FIFA-Vermarkters ISL/ISMM, rechtliche Auseinandersetzungen um Verträge mit langjährigen Geschäftsfreunden oder speziell zu Beginn seines Regimes kursierende Manipulations- und Korruptionsvorwürfe. Aus dem einst defizitären Dachverband hat Blatter eine Geldmaschine geformt, deren Reserven sich auf 1,28 Milliarden Dollar belaufen. Zwischen 2007 und 2010 hat der Verband einen Überschuss von 631 Millionen US-Dollar (452 Millionen Euro) erwirtschaftet - auch ein Verdienst des cleveren Präsidenten.

Doch der am 10. März 1936 im schweizerischen Visp nahe des berühmten Matterhorns geborene Blatter hat zuletzt erneut schwere Zeiten hinter sich. Zwei suspendierte Exekutivkomitee-Mitglieder, der Rückzug des Juristen Günter Hirsch aus der Ethik-Kommission oder die nicht enden wollende Diskussion um Sommer- oder Winter-WM in Katar setzten dem kleinen Mann aus dem Wallis merklich zu.

Für Donnerstag ist eine kleine Überraschung für Blatter geplant, verlautete aus der FIFA-Zentrale. Was bei einer Wahl-Niederlage im Juni passieren würde, beschrieb Blatter so: «Wenn ich gewinne, ist es okay, wenn ich verliere, sage ich 'Danke schön' und gehe.»

news.de/dpa

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