Michael Vesper Olympia ist keine Addition von Weltmeisterschaften

Nach der Ski-WM liegt jetzt ein ungleich größerer Meilenstein vor den Olympiamachern von München 2018. Aufsichtsratschef Michael Vesper spricht im Interview mit news.de über Störfeuer der Olympiagegner und den Besuch der Evaluierungskommission.

DOSB  (Foto)
Michael Vesper macht sich Gedanken über Olympia 2018. Bild: dpa

Die Evaluierungskommission des IOCDas Internationale Olympische Komitee ist die höchste Instanz der olympischen Bewegung. Sie entscheidet unter anderem über die Vergabe der Spiele. besucht den Bewerber München in diesen Tagen (1. bis 4. März). Die Olympiagegner wollen mit ihr in direkten Kontakt treten, haben dafür zwei Gesprächstermine bei Kommissionschefin Gunilla Lindberg angefragt. Wie werden Sie dem begegnen?

Vesper: Wir begrüßen es ausdrücklich, wenn die Kommission auch mit den Olympiagegnern spricht. Sie wird feststellen, dass deren Argumente nicht tragfähig sind.

Gibt es daneben noch Gespräche zwischen Olympiagegnern und Ihnen oder ist das Tischtuch mittlerweile zerschnitten?

Vesper: Ich bin mit den Gegnern, gerade auch aus meiner eigenen Partei, seit zwei Jahren in einem intensiven Gespräch. Leider haben sich die Argumente der Olympiagegner in keiner Weise weiterentwickelt. Sie heben immer noch einzig und allein darauf ab, dass Biathlon in Ruhpolding stattfinden sollte und Langlauf in Oberstdorf. Das ist der einzige konkrete Vorschlag, den ich bisher gehört habe.

Oberstdorf hatte die Nordische Ski-WM 2005, in Ruhpolding wird im kommenden Jahr die Biathlon-WM ausgetragen. Die Sportstätten sind oder werden entsprechend auf den neuesten Stand gebracht. Warum will München 2018 dies nicht nutzen?

Vesper: Unser oberstes Ziel sind kompakte Spiele, so wie sie vom IOCDas Internationale Olympische Komitee ist die höchste Instanz der olympischen Bewegung. Sie entscheidet unter anderem über die Vergabe der Spiele. gefordert werden. Dafür greifen wir auf zahlreiche bestehende Anlagen zurück, beispielsweise auf die Pisten, die bereits für die Alpine Ski-WM genutzt worden sind oder die Olympiaschanze in Garmisch-Partenkirchen, auf der alljährlich das Springen der Vierschanzen-Tournee stattfindet. Und das Herz der Spiele bildet der Olympiapark von 1972, das weltweit beste Beispiel für olympische Nachhaltigkeit. Zur Herstellung der Kompaktheit müssen wir aber auch temporäre Anlagen errichten, wie die Sportstätte für Biathlon und Ski Nordisch auf dem Schwaiganger. Das IOC hat bei der Ernennung der drei BewerberAnnecy/Pyeongchang/München zu Kandidatenstädten Annecy klar dazu geraten, die Sportstätten stärker zu konzentrieren. Das Konzept von Vancouver 2010 mit zwei Zentren setzt sich ganz offensichtlich immer mehr durch. Es wird auch in Sotschi 2014 so sein, dass die Eiswettbewerbe in der Stadt ausgetragen werden und in den Bergen die Schneewettbewerbe stattfinden. So sehen moderne Olympische Spiele aus.

Unsere Experten in der Fachkommission Umwelt haben in Zusammenarbeit mit so renommierten Einrichtungen wie dem Öko-Institut Freiburg und der Deutschen Sporthochschule Köln außerdem nachgewiesen, dass die Einbeziehung von Oberstdorf und Ruhpolding ökologisch eine schlechtere Lösung wäre, als das jetzt vorgelegte kompakte Konzept mit einem Eispark in München und einem Schneepark in Garmisch-Partenkirchen. Für mich ist der entscheidende Punkt, dass wir nur eine Fläche, die kleiner als ein Fußballfeld ist, dauerhaft einer anderen Nutzung zuführen. Dies ist Weltrekord. Das gibt es nirgendwo sonst bei Winterspielen.

Lesen Sie auf Seite 2, welche Argumente Michael Vesper nicht gelten lassen will

Wo liegt der ökologische Nachteil bei der Einbeziehung von Ruhpolding konkret?

Vesper: Es würde mehr Verkehr und Versiegelung produzieren und zerstört außerdem unser kompaktes Konzept. Und was manche einfach nicht begreifen wollen ist, dass Olympische Spiele keine Addition von Einzelweltmeisterschaften sind. Olympische Spiele sind ein Multisportereignis, bei dem es darum geht, Sportlerinnen und Sportler aus allen Teilen der Welt und allen Sportarten zusammenzubringen. Deswegen ist das Olympische Dorf so wichtig. Es geht nicht darum, sie zu separieren und hier eine Eisschnelllauf-WM und da eine Eishockey-WM zu veranstalten.

Mit welchem Recht ist dann die Bobbahn in Königssee im Konzept? Sie ist von München gesehen weiter weg als Ruhpolding?

Vesper: Dass wir dort auf eine bestehende Bahn zurückgreifen können, ist sogar ein enormer Vorteil, das gab es vorher noch nie bei Olympischen Spielen und passt ideal in unser starkes Umwelt- und Nachhaltigkeitskonzept. Denn Bob- und Rodelbahnen gehören ökologisch und ökonomisch zu den aufwändigsten Sportstätten. Der Energieverbrauch ist hoch, sowohl bei der Errichtung als auch im Betrieb. Deshalb hat das IOC seine Regeln sogar so geändert, dass die Schlittenwettbewerbe nicht unbedingt im Ausrichterland stattfinden müssen. Alle anderen Sportarten bleiben jedoch in zwei Parks vereint: einmal auf dem ehemaligen Gelände der Olympischen Sommerspiele von 1972 in München und in Garmisch-Partenkirchen mit den zahlreichen bereits bestehenden Anlagen.

Warum gelingt es Ihnen nicht, die Olympiagegner mit Ihren Argumenten und den untermauernden Studien zu überzeugen?

Vesper: Die Olympiagegner wollen ihre Argumentation offensichtlich nicht gefährden, indem sie mit denen reden, die zum Beispiel das Umweltkonzept entwickelt haben. Daran war beispielsweise das Öko-Institut in Freiburg beteiligt - und das hat ja erhebliches Renommee in der Umweltbewegung und auch in der Partei der Grünen. Ich bin jederzeit zu Gesprächen bereit. Wir setzen uns mit jedem Argument auseinander, außer dem, grundsätzlich gegen Olympische Winterspiele zu sein.

NOlympia-Sprecher Ludwig Hartmann äußerte im Interview mit news.de die Hoffnung, dass nach einem möglichen Zuschlag das Konzept noch einmal im Detail verändert werden kann.

Vesper: Das Vergabeverfahren bei Olympischen Spielen ist streng. Im Bid BookDas Bewerbungsdokument beantwortet Fragen zu 17 verschiedenen Themenbereichen wie Vision der Spiele, Olympisches Erbe, Kommunikation, Sport, Sportstätten, Verkehr, Unterbringung, Doping- Kontrollen, medizinische Betreuung, Sicherheit, Politik, Wirtschaft und Kultur. und im Host-City-Contract wird alles bis ins Detail festgelegt: wo die Sportstätten sind, wie sie aussehen und sogar die Frage, an welchem Ort die Medaillen übergeben werden. Grundsätzliche Veränderungen sind nicht möglich.

Zur Person: Der ehemalige Grünenpolitiker Michael Vesper (58) war zwischen 1995 und 2005 zehn Jahre Minister in Nordrhein-Westfalen. 2006 trat er das Amt des Generaldirektors beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) an und war bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking Chef de Mission der deutschen Olympiamannschaft. Er ist Aufsichtsratschef der Münchener Bewerbungsgesellschaft.

ivb/news.de

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig