Ski-WM Zu große Erwartungen

Die Ski-WM endet für die Gastgeber enttäuschend, doch der Deutsche Ski-Verband zieht trotz der nur zwei bronzenen Medaillen von Maria Riesch ein positives Fazit. Und Felix Neureuther, der im abschließenden Slalom erneut mit dem Druck nicht zurecht kam, denkt schon an Schladming.

Slalom der Maenner (Foto)
Felix Neureuther ist im Ziel sichtlich unzufrieden. Bild: dapd

Fünf Jahre Arbeit für nichts: Auf diesen einfachen Nenner kann man den Auftritt von Felix Neureuther bei der Alpinen Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen bringen. Der umjubelte Lokalmatador schied wie schon im Riesenslalom am Freitag sang- und klanglos aus. «Ich bin irgendwo froh, dass es jetzt vorbei ist», erklärte der 26-Jährige hinterher: «In zwei Jahren findet ja in Schladming auch noch eine tolle WM statt.»

Viel sei in letzter Zeit auf ihn eingeprasselt: «Ich habe fünf Jahre auf diesen Moment hingearbeitet», erklärte Neureuther, der nach dem ersten Lauf schon über 2 Sekunden hinter dem führenden und letztlich siegreichen Franzosen Jean-Baptiste Grange zurückgelegen hatte, weil er sich zu verbissen durch den weichen Schnee kämpfte. Im zweiten Lauf riskierte er alles, verpasste ein Tor und schied aus.

Ski-WM: Festspiele im Schnee

Der Deutsche Ski-Verband verbuchte dadurch eine Nullausbeute in den vermeintlich stärkeren Technikdisziplinen. Die Ursache benannte Cheftrainer Wolfgang Maier noch vor Ort: «Sie sind mit der Erwartungshaltung einer Heim-WM überhaupt nicht zurechtgekommen. Jeder, der das Opening des Slaloms gesehen hat, den langen Zug in den Steilhang rein, hat in der Körpersprache sofort erkannt, dass alle drei oder vier lieber auf der Rückseite des Bergs runtergefahren wären als vorne ins Stadion rein», erkannte er. Fritz Dopfer kam wenigstens als 21. ins Ziel.

Einzelkämpferin Riesch

Bei den Damen hatten zuvor Maria und Susanne Riesch im Slalom sowie Maria Riesch und durch gichtartige Rückenschmerzen arg gehandicapte Kathrin Hölz im Riesenslalom ihrer Favoritenrolle nicht gerecht werden können. Außer Riesch gewann kein anderer deutscher Athlet eine Medaille und ihre zwei bronzenen holte die 26-Jährige über die Speeddisziplinen Super G und Super-Kombination, noch dazu gesundheitlich angeschlagen.

Ski-WM: Kandahar
Video: hem/news.de

«Sie war immer auf höchstem Niveau trotz der Schwierigkeiten am Anfang», lobte Maier seine Vorzeigeathletin, die trotz Virusgrippe kein Einzelrennen und keine Möglichkeit, sich ihrem Heimpublikum zu präsentieren, ausgelassen hatte: «Ich wünschte alle unsere Sportler würden ihre Ziele so konsequent verfolgen», meinte Maier. Mit nur zwei Bronzemedaillen besiegelte Deutschland das schlechtest Abschneiden eines Gastgebers seit den USA 1999 in Vail. 

Die Österreicher probten dagegen schon einmal den Ernstfall. In zwei Jahren findet die SKi-WM in Schladming statt. Das bedeutet Ausnahmezustand für die Alpenrepublik, in der die Fahnen auf Halbmast gezogen werden, wenn ein andere als eins Landsmann die Abfahrt gewinnt. Obwohl sich in Garmisch-Partenkirchen der Kanadier Erik Guay zum König der Kandahar krönte, hatte Österreich keinen Grund zur Staatstrauer: Mit vier Goldmedaillen (drei Silber, eine Bronze) gewann es die Nationenwertung.

Zugspitze: Sonne satt und Pulverschnee

cvd/news.de

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