Ski-WM Der Mann für besondere Fehler

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Bode Miller verliert während des Super-G einen Stock und rast unbeeindruckt weiter, noch fast auf Rang drei. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Michael Heinrich, Garmisch-Partenkirchen
Er steht immer im Mittelpunkt, egal, welche Platzierung er erreicht: Bode Miller ist trotz seiner 33 Jahre noch lange kein Veteran im US-Skiteam. Noch immer ist er der Beste seines Landes, cooler als seine Möchtegern-Nachfolger - vor allem aber gut für verrückte Sachen.

Alle Aufmerksamkeit war sein: Als Bode Miller mit nur einem Stock und aufrecht im Super-G über die Ziellinie der Kandahar fuhr, hatte er sein Image als Rebell mal wieder erfüllt. Er war der Mann des Tages, selbst wenn der Sieger Christof Innerhofer hieß. Und er gab mit seinem Auftritt all jenen Recht, die den US-Amerikaner für durchgeknallt halten.

Derartige Einlagen sind keine Seltenheit bei dem Eigenbrötler, der per Wohnwagen zu den Weltcups reist, absichtlich schlecht fährt, um vordere Startnummern zu ergattern, und sich für die Freigabe von Epo-Doping einsetzt. Legendär ist seine Schussfahrt bei der WM 2005 in Bormio, wo er auf einem Ski mit mehr als 80 Stundenkilometern seine Fahrt fortsetzte, oder sein Run auf dem Begrenzungszaun in Kitzbühel. Miller hat sogar seinen eigenen Eintrag im Wörterbuch des alpinen Vokabulars: «Jeder komische Fehler, der irgendwie spektakulär aussieht, ist ein Millerfehler», erklärt Alpinkollege Marco Büschel.

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Mit seinen unglaublichen Husarenritten hat der 33-Jährige in seiner Heimat eine ganze Generation geprägt. In Garmisch-Partenkirchen sind seine Nachfolger dabei. Wären die versammelten Pressevertreter nicht vorgewarnt gewesen und hätte US-Trainer Sasha Rearick nicht eine Fachdiskussion über Skisport vom Zaun gebrochen, man hätte bei der Vorstellung denken mögen, das diese Bubis, die da auf dem Podest des Konferenzsaals saßen, für den Halfpipe-Contest angereist seien.

Zur Schau gestellte Lässigkeit

Millers aktuelle Teamkollegen sind elf, zwölf Jahre jünger als er, schauen aus wie pubertierende Jugendliche mit bunten Mützen und zur Schau gestellter Lässigkeit. Ihr Idol saß am Rande, das weiße Basecap tief ins Gesicht gezogen, den Kopf gesenkt. «Als Kind hatte ich Poster von ihm an der Wand, jetzt fahre ich mit ihm», erklärte der 21-jährige Tommy Ford. Miller zeigte ebenso wenig Regung wie etwas später, als der 22-jährige Travis Ganong die akribische Vorbereitung seines Vorbildes lobt.

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Video: hem/news.de

Man hatte den Eindruck, eigentlich wollte Miller nicht hier am Tisch sitzen. Auch wenn er die Komplimente stoisch zurückgab: «Das könnte das erste Jahr sein, in dem mir jemand zeigen kann, wie man fahren muss. Es ist eine Freude, die Jungs zu beobachten.» Großartig Zeit hatte der im Vorfeld dazu kaum. Die Vorbereitung war millertypisch alles andere als professionell im klassischen Sinne. Miller hatte den langen Flug nach San Diego zu seiner Tochter und Jetlags auf sich genommen – Strand statt Berge.

Und das erste Rennen zeigte, dass Millers mit Vehemenz getätigte Aussage «Ich bin kein Veteran», näher an der Wahrheit ist, als alle Komplimente an die Jugend, fährt er doch mit einem Stock immer noch besser als sie. Sogar eine Medaille war durchaus drin: «Ich habe nicht realisiert, wie schnell ich unterwegs war», meinte er. Rund zwei Sekunden fehlten nur zur Medaille – wenig, wenn man bedenkt, dass Miller aufrecht ins Ziel fuhr. «Der Speed stimmt», weiß Miller. In der Abfahrt am Samstag machte ihm die weiche Piste einen Strich durch die Rechnung. Doch heute (10 Uhr)  wird er in der Super-Kombination wieder angreifen: «Ich habe gute Chancen.»

kln/reu/news.de

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