Fußball Englischer Patient: McClaren scheitert beim VfL

Das englische Experiment ist gescheitert. Steve McClaren hat beim VfL Wolfsburg seinen Hut nehmen müssen. Nach nur acht Monaten trennte sich der Club von dem 49 Jahre alten Coach.

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Englischer Patient: McClaren scheitert beim VfL Bild: dpa

Wolfsburg (dpa) - Das englische Experiment ist gescheitert. Steve McClaren hat beim VfL Wolfsburg seinen Hut nehmen müssen. Nach nur acht Monaten trennte sich der Club von dem 49 Jahre alten Coach.

McClaren hatte als erster Engländer in der Geschichte der Fußball-Bundesliga im vorigen Sommer seinen Dienst beim deutschen Meister 2009 angetreten. Doch statt an diese erfolgreiche Zeit anzuknüpfen, stürzte das mit mehr als 35 Millionen verstärkte Team unter McClaren in den Abstiegsstrudel. Manager Dieter Hoeneß und der Aufsichtsrat reagierten und übergaben die Trainingsleitung zunächst an den bisherigen Assistenten Pierre Littbarski, der auch am Samstag gegen den Hamburger SV das Kommando übernehmen soll.

«Wir waren nicht mehr der Überzeugung, dass wir in Zusammenarbeit mit Steve McClaren die Saison stabil zu Ende bringen können», begründete Hoeneß am Montag die keineswegs überraschende Beurlaubung. «Wir haben es gemeinsam bis zum letzten Tag versucht.» Im Pay-TV-Sender «Sky» erinnerte Hoeneß an die vorige Saison, als es nach der Entlassung von Armin Veh besser lief. «Die Situation ist vielleicht vergleichbar mit dem letzten Jahr, als wir Lorenz-Günther Köstner als Interimstrainer eingesetzt haben und uns von den hinteren Rängen verabschiedet haben.»

Als dauerhafte Lösung soll laut «Spiegel online» Ralf Rangnick im Gespräch sein. Dem erst vor fünf Wochen in Hoffenheim ausgeschiedenen Coach sei ein langfristiger Vertrag angeboten worden. Rangnick solle nicht abgeneigt sein, Trainer in Wolfsburg zu werden - allerdings erst zur kommenden Saison, hieß es in dem Bericht.

In McClaren hatten auch der Aufsichtsrat und die Geschäftsführung das Vertrauen verloren und trauten dem «englischen Patienten» nicht mehr zu, das Ruder herumzureißen. «Wir haben leider keine Alternative mehr gesehen», teilte Aufsichtsrat-Chef Francisco Javier Garcia Sanz mit.

Das Gremium wollte den Engländer am liebsten schon im vergangenen Dezember nach der Pokal-Pleite gegen den Zweitligisten Energie Cottbus zurück auf die Insel schicken. Doch McClaren bekam noch eine Schonfrist. Sein Wunsch nach neuen Spielern - in Edin Dzeko hatte der VfL seinen erfolgreichsten Profi für 35 Millionen Euro an Manchester City verkauft - wurde erst am letzten Tag der Wechselfrist erfüllt.

Das bittere 0:1 in Hannover brachte dann das Fass zum Überlaufen und machte klar, dass es dem bisherigen Coach an Autorität und an einem nachhaltigen Konzept fehlte. «Nach dem Spiel haben wir mehrere Besprechungen abgehalten, reichlich überlegt und heute Nachmittag die Entscheidung getroffen», sagte Hoeneß.

Beim Derby ließ Starspieler Diego den Trainer, der aus seiner Zeit als englischer Nationalcoach mit dem wenig schmeichelhaften Beinamen «Trottel mit dem Regenschirm» leben muss, förmlich im Regen stehen. Entgegen der Anweisung von der Bank schoss Diego einen Elfmeter, donnerte den Ball an die Latte und stellte den wütenden McClaren damit bloß.

Die Geldstrafe, die der Coach danach für den Egoisten Diego forderte, kann er nun nicht mehr eintreiben. Nach «Bild»-Angaben soll es sich um einen Betrag von 100 000 Euro handeln. McClaren hatte aber nicht nur Probleme, den brasilianischen Ballzauberer in das Team zu integrieren. Auch seine Taktik, nur mit einer Spitze statt mit zwei Stürmern zu spielen, ging nicht auf und verärgerte Hoeneß und die Vereinsbosse, für die es bei nur einem Punkt Vorsprung auf den Relegationsplatz «5 vor 12» ist.

Mit der Trennung von McClaren wächst auch der Druck auf Hoeneß, der bisher weder mit seinen Trainer- und Spielerverpflichtungen Erfolg hatte. Ex-Weltmeister Littbarski soll nun die Talfahrt stoppen. «Er hat uns überzeugt, dass er die in unserer Situation notwendigen Maßnahmen einleiten wird», erklärte Hoeneß.

McClaren ist nach Christian Gross, Jens Keller, Zvonimir Soldo und Rangnick der fünfte Bundesliga-Trainer, der in dieser Saison seinen Stuhl räumen musste oder freiwillig räumte.

news.de/dpa

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