Handball Letzte Bedenkzeit: Brand vor Entscheidung

Erst das Bad in der Menge, dann die Flucht aus der Halle und danach letzte Stunden des Bedenkens: Am 7. Februar will der allseits umworbene und von den Anhängern verehrte Heiner Brand sein Schweigen beenden und die Entscheidung über seine Zukunft als Handball-Bundestrainer treffen.

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Letzte Bedenkzeit: Brand vor Entscheidung Bild: dpa

Leipzig (dpa) - Erst das Bad in der Menge, dann die Flucht aus der Halle und danach letzte Stunden des Bedenkens: Am 7. Februar will der allseits umworbene und von den Anhängern verehrte Heiner Brand sein Schweigen beenden und die Entscheidung über seine Zukunft als Handball-Bundestrainer treffen.

Während die Nationalmannschaft mit dem 39:37-Erfolg in Leipzig im Show-Spiel gegen internationale Bundesliga-Stars fleißig Imagepflege betrieb, sorgte der Gummersbacher mit seinem beharrlichen Schweigen weiter für Rätselraten. «Uns hat er in seine Pläne nicht eingeweiht», sagte Reiner Witte, Präsident des Ligaverbandes HBL und Mitglied der «Task Force Nationalmannschaft».

Die Liga hat unterdessen mit ersten Beschlüssen den Weg zu Veränderungen geebnet. Von der kommenden Saison an soll es eine A- Jugend-Bundesliga geben und die Bundesligisten steigen erst ab der dritten statt der zweiten Runde in den DHB-Pokal ein. Nun wird eineinhalb Wochen nach dem kläglichen elften Platz bei der WM in Schweden und der vorerst verpassten Teilnahme an einem Olympia- Qualifikationsturnier von der Liga auch ein schnelles Ende der Personaldiskussionen um den Bundestrainer gefordert. «Es darf keine Hängepartie sein. Handball-Deutschland hat ein Anrecht darauf, dass schnell eine Entscheidung kommt, so oder so», sagte Witte.

Anscheinend aber sind weder ein Entgegenkommen der Clubs noch Beifallsbekundungen der Fans ausschlaggebend dafür, ob Brand Bundestrainer bleibt, ob dies bis zum Vertragsende am 30. Juni 2013 sein wird oder er bereits vorher sein Amt aufgibt. Laut Witte wolle Brand dies «vom Abfragen seines persönlichen Umfeldes» abhängig machen.

Liga und Deutscher Handballbund (DHB) ringen in Eintracht um Brands Bleiben. «Dass das Gesicht Heiner Brand für den deutschen Handball unbedingt zu erhalten ist, ist klar», erklärte Witte. Die Außenwirkung des 58 Jahren alten Gummersbachers wurde allen Beteiligten eindrucksvoll beim Allstar Game noch einmal vor Augen geführt. Der «Handball-Kaiser» stand im Blitzlichtgewitter, musste unzählige Autogramme schreiben und wurde von den 7532 Zuschauern in der Arena Leipzig mit stürmischem Applaus begrüßt. «Wir wollen den Bundestrainer, der der führende und angesehenste auch international ist, mit allen Mitteln halten», erklärte DHB-Präsident Ulrich Strombach.

Unter seiner Führung hatte sich am 4. Februar die sechsköpfige Arbeitsgruppe «Unterstützung Nationalmannschaft» erstmals getroffen. Das Gremium mit Strombach, Brand, Witte und DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier sowie den Club-Managern Bob Hanning (Berlin) und Volker Zerbe (Lemgo) soll nach dem WM-Debakel kurz- wie langfristig Wege aus der Krise des Männer-Handballs finden. Am 5. Februar tagte zudem das HBL-Präsidium. «Was wir wollen, ist eine starke Nationalmannschaft. Wir müssen in Lösungen denken und nicht in Problemen. Es gibt kein Thema, das wir nicht anpacken. Wir haben die Bereitschaft, etwas zu bewegen», sagte Hanning, einst Brands Co-Trainer, nach der Liga- Tagung.

Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass die «Task Force» auch gleich noch die Aufgaben einer Trainer-Findungskommission mit übernimmt. «Bei der Suche nach einem Frauen-Bundestrainer wurde die Liga mit einbezogen. Ich wüsste nicht, warum das bei den Männern nicht auch so sein sollte», sagte Witte, «alle Protagonisten würden dann an den Tisch geholt.»

Mittlerweile scheint selbst unter den Nationalspielern der Gedanke zu reifen, dass nach 14 Jahren in absehbarer Zeit ein anderer Bundestrainer als Heiner Brand auf der Bank sitzen könnte. Beim Allstar Game sei der Gummersbacher zwar «ganz normal» gewesen, sagte Rückraumspieler Holger Glandorf. «Er hat gesagt, wir sollen Spaß haben. Wir hoffen, dass er weiter macht. Er hat das Potenzial, uns voranzubringen», sagte der Lemgoer, fügte aber auch an: «Wenn er sich anders entscheiden sollte, nehmen wir die Sache auch an. Und dann werden wir versuchen, es mit einem anderen Trainer besser zu machen als bei der WM.» Zu diesem Zeitpunkt hatte Heiner Brand die Arena Leipzig bereits eilig verlassen.

news.de/dpa

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