Hamburger Derby Krawalle und Ausschreitungen

Hamburger Derby-Absage (Foto)
Das Stadion in Hamburg bleibt leer. Bild: dpa

Das Hamburger Fußball-Derby in der Bundesliga fiel wegen Dauerregens ins Wasser. Danach kam es zu Ausschreitungen in der Innenstadt. Es flogen Steine und Flaschen, Polizisten wurden verletzt. Pikant: Kurz vor der Absage war ein neuer Rasen verlegt worden.

Knapp 20 Stunden vor dem Anpfiff war die Partie Hamburger SV gegen den FC St. Pauli wegen zweitägigen Dauerregens abgesetzt worden. Es war die zehnte Absage eines Bundesligaspiels seit 2000. In den Nachtstunden danach randalierten Fußball-Rowdys. Anhänger des HSV sollen ein Lokal mit St.-Pauli- Anhängern gestürmt haben. 45 Randalierer kamen in Gewahrsam, vier von 500 eingesetzten Polizei-Beamten wurden leicht verletzt. Mehrere Lokale wurde beschädigt, ein Polizei-Auto demoliert.

Eine Platzkommission mit Schiedsrichter Günter Perl aus Pullach hatte den neuverlegten Rasen in der Imtech-Arena des HSV zweimal kontrolliert. Weil der Platz komplett unter Wasser stand, wurde die Partie am Abend abgesagt. Da laut Wetterprognosen unwetterartige Regenfälle von bis zu 80Ab einer Verurteilung von über 90 Tagessätzen gilt man übrigens als Vorbestraft, dies wird im polizeilichen Führungszeugnis mit aufgenommen. Litern pro Quadratmeter für Sonntag vorausgesagt worden waren, blieb der Platzkommission keine andere Wahl.

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Erst am 4. Februar hatte der HSV die komplette Rasenerneuerung abgeschlossen. Weil das alte Grün ramponiert war, ist unmittelbar vor dem Derby ein neuer Rollrasen für 100.000 Euro ausgelegt worden. Die Erneuerung erfolgte für viele Beobachter zu spät. Das letzte Heimspiel des HSV fand am 21. Januar, also 16 Tage vor dem Derby statt. Der HSV wehrt sich jedoch gegen Vorwürfe. Früher hätte der Rasen wegen Bodenfrosts nicht verlegt werden können, heißt es. «Diese Wassermassen hätte auch der alte Rasen nicht aufgenommen», sagte Stadionchef Krut Krägel und ergänzte: «Die Dränage ist nach Norm auf fünf Liter pro Stunde ausgelegt.»

HSV-Spieler und Trainer Armin Veh hatten den Untergrund beim Training am Vormittag getestet. «Es wäre unmöglich gewesen, dort zu spielen», sagte Veh. «Der Ball rollt nicht, bleibt einfach liegen», berichtete Krägel. St. Paulis Teammanager Christian Bönig machte sich nach der Absage umgehend auf den Weg, um sich ein Bild vor Ort zu machen. «Da ging wirklich nichts. Aber die Frage ist, warum die Arbeiten nicht früher vorgenommen wurden», sagte Bönig.

Profis vom Lokalrivalen FC St. Pauli wunderten sich, warum sie am Samstag auf ihrem Trainingsgelände spielen konnten, während das auf dem neuen Rasen beim HSV nicht möglich war. Zur Ehrenrettung des HSV sei gesagt, dass in unteren Klassen Hamburgs und Schleswig-Holsteins zahlreiche Spiele des Wochenendes abgesagt werden mussten. Der FC St. Pauli überlegt, ob er vom HSV Schadenersatz fordern soll. Für das 16. Lokalderby war erstmals ein Public Viewing im Millerntor-Stadion vorgesehen. 12.000 Fans wurden erwartet. Dafür sind zwei Videowände installiert worden. Die Kosten werden auf rund 15.000 Euro taxiert.

Ob die nächtlichen Ausschreitungen in der Hamburger Innenstadt aus Wut über die Spielabsage geschahen oder ohnehin Plan von Hooligans waren, ist unklar. Ab 22.00 Uhr lieferten sich im Stadtteil St. Pauli rund 200 Anhänger beider Vereine Schlägereien. HSV-Anhänger stürmten das von St.-Pauli-Fans genutzte Lokal Jolly Rogers. Es wurden Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper geworfen. Mehrere Lokale und ein Einsatzwagen der Polizei wurden demoliert, vier Beamte leicht verletzt. Laut Polizeiangaben waren auch Anhänger anderer Fußball-Vereine an an den Krawallen beteiligt.

hem/news.de/dpa

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