Lewis Holtby «Werde mich vor großen Namen nicht verstecken»

Holtby (Foto)
Der Mainzer Lewis Holtby freut sich über sein entscheidendes Tor in Kaiserslautern. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Michael Heinrich
Lewis Holtby gab im letzten Länderspiel des Jahres 2010 sein Debüt in der Nationalelf. Im Interview mit news.de spricht der 20-jährige Mainzer über den harten Konkurrenzkampf im Mittelfeld und warum er sich gegen England entschied.

Vergangenes Wochenende haben Sie das entscheidende Tor gegen den 1. FC Kaiserslautern erzielt. War das auch ein Zeichen an Joachim Löw? Das erste Länderspiel des Jahres gegen Italien steht schließlich nächste Woche an.

Holtby: Es hat sehr gut getan, das Derby zu gewinnen. Für mich persönlich war es schön, nach langer Zeit wieder einmal ein Tor zu schießen. Dabei hatte ich natürlich in erste Linie Mainz im Kopf und nicht die Nationalmannschaft, doch es wäre Klasse, wenn mich Joachim Löw noch einmal nominieren würde. Ich weiß aber, dass ich dazu weiter hart arbeiten muss. Bislang hat er nicht angerufen.

Erinnern Sie sich eigentlich noch an das Telefonat, in dem Joachim Löw Ihnen mitgeteilt hat, dass Sie Mitte November gegen Schweden Ihr Debüt feiern werden?

Holtby: Klar, so etwas vergisst man nicht. Ich war gerade im Kino, habe mir Jackass 3D angesehen und hatte das Handy auf lautlos gestellt.

Also haben Sie seinen Anruf verpasst?

Holtby: Ich hatte nur eine unbekannte Nummer auf dem Display und habe sie dann zurückgerufen. Als dann Jogi Löw dran war und mir die Nominierung mitgeteilt hat, waren das Glücksgefühle pur.

Deutschland gegen Italien ist ein Fußballklassiker, aber ich könnte mir denken, es gibt für Sie noch eine Steigerung ...

Holtby: Deutschland gegen England natürlich. Das wäre schon ein sehr emotionales Spiel für mich. Mein Vater ist Engländer. Vielleicht kommt es irgendwann mal zu dieser Konstellation, wenn ich dabei bin. Dann würden ausnahmsweise zwei Herzen in meiner Brust schlagen, aber ich würde trotzdem alles für Deutschland geben.

Es gibt häufig Diskussionen, ob ein Spieler für das Land seiner Väter spielen soll oder für das Land, in dem er aufgewachsen ist und das Fußball-ABC gelernt hat. Was ist Ihre Meinung dazu?

Holtby: Man sollte sein Herz entscheiden lassen und sich nicht beirren lassen. Das habe ich auch gemacht, mein Vater war bei meiner Entscheidung nicht involviert. Für mich war es keine Frage, dass ich für das Land spiele, in dem ich aufgewachsen bin.

An kreativen Mittelfeldspielern mangelt es gerade nicht in Deutschland. Glauben Sie, dass tendenziell ihre Chancen, Stammspieler in der Nationalelf zu sein, in England größer gewesen wären?

Holtby: Das kann schon sein. Der Konkurrenzkampf in Deutschland ist richtig groß. Wir haben Weltklassespieler am Ball. Deutschland ist aber auch eine der fünf besten Mannschaften der Welt. Wenn man für Deutschland spielt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass man einen Titel gewinnt.

Sie spielen normalerweise eine Position, die Mesut Özil bei der WM vorzüglich ausfüllte. Gibt es Alternativen, oder wollen Sie Özil, der jetzt bei Real Madrid spielt, verdrängen?

Holtby: Ich kann auch auf dem Flügel spielen und bin offensiv eigentlich überall einsetzbar. Ich werde mich aber auch nicht vor großen Namen verstecken.

Mit Mainz sind Sie auf Europapokal-Kurs, mit 20 Jahren bereits Nationalspieler. Gibt es eigentlich etwas, das in Ihrem Leben nicht perfekt läuft?

Holtby: Jeder kann sich das Leben so gestalten, dass er glücklich ist. Bei mir passt auf jeden Fall vieles: Ich bin gesund, habe eine Familie, die mich immer unterstützt, und ein tolle Freundin. Außerdem ist Fußballer mein Traumberuf.

kln/reu/news.de

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