Freestyle Motocross «Nach 90 Sekunden bist du platt»

In Leipzig treffen sich derzeit die besten Freestyle Motocrosser der Welt. Mit dabei: der deutsche Meister Fabian Bauersachs. Im Vorfeld des Kings Of Xtreme spricht «Professor Freestyle» über den niemals endenden Kick, die Entwicklung der Szene und erklärt, warum Freestyle Motocross ein Hochleistungssport ist.

Supercross Freestyle (Foto)
Beim Kings Of Xtreme will Fabian Bauersachs sein Können unter Beweis stellen. Bild: imago

In Fachkreisen nennt man Sie Professor Freestyle. Wie sind Sie zu diesem Pseudonym gekommen?

Bauersachs: Diesen Spitznamen habe ich jetzt schon seit acht Jahren weg. Dabei basiert er eigentlich auf einem Unglück: einer schweren Knieverletzung im Jahr 2003, nachdem ich bei der Anfahrt in eine Spurrille geraten bin. Seitdem nehme ich die Sache sehr genau und kontrolliere die Rampendistanz lieber zweimal.

Sind Sie auch im sonstigen Leben ein Perfektionist?

Bauersachs: Das kann man schon so sagen. Ich bin eigentlich gelernter Malermeister. Da war es auch immer ein Vorteil, sehr präzise zu arbeiten. Ich möchte immer mein Bestes geben und nehme mir dementsprechend auch Zeit dafür.

In der Formel 1 beginnt jede Karriere im Kart. Wie wird man Motocross-Profi?

Bauersachs: Die meisten Leute sagen ja, man muss verrückt sein, um so einen Sport zu machen. Mir waren Sportarten wie Leichtathletik, Fußball einfach zu langweilig. Meine Eltern waren begeisterte Skifahrer, auch da wollte ich schon früh ins Extreme und bin immer abseits der Piste gefahren. Mit neun Jahren saß ich dann zum ersten Mal auf einem Minibike. Ein Jahr später hatte ich selbst eins. Ab dann ging es los: Training in einem Klub, zum ersten Mal auf eine Motocross-Strecke und danach die ersten Rennen.

Sie haben später ins Freestyle-Lager gewechselt und die FMX-Szene mitbegründet. Wie hat sich diese in den letzten zehn Jahren entwickelt?

Bauersachs: Anfangs war Freestyle bei den Motocross-Rennen ja nur ein Pausenfüller. Dass der Sport einmal solche Maße annimmt, hätte ich nicht erwartet. In den letzten drei bis vier Jahren ist Freestyle zu einem Hochleistungssport mutiert.

Beim Freestyle sind die Wettbewerbe im Gegensatz zum Motocross sehr viel kürzer. Warum ist es trotzdem ein Hochleistungssport?

Bauersachs: Viele denken, dass wir irgendwelche Bekloppten sind, die sich aufs Motorrad setzen, das Gas aufreißen und über eine Rampe springen. Das ist aber überhaupt nicht so. Die Läufe bei der WM sind zwar nur 70 beziehungsweise 90 Sekunden lang. (Beim Motocross sind es 30 Minuten, Anm. der Red.). Doch nach diesen 13, 14 Sprüngen, die man in dieser Zeit macht, bist du platt. Und das geht allen Fahrern so. Das heißt, es ist weit mehr erforderlich als nur Training auf dem Motorrad: Fitness, Jogging, Massagen, Regeneration. Es ist ein Full-Time-Job.

Sie sind der aktuelle deutsche Meister im Motocross Freestyle und haben es 2007 und 2008 beim IFMXF World Cup auf Rang vier geschafft. Gibt es für Sie noch ein ganz großes Ziel?

Bauersachs: Jein. Mein größtes Ziel ist es, gesund zu bleiben und nie stehen zu bleiben. Das heißt: konstante Leistungen und immer zu versuchen, neue Tricks ins Repertoire hineinzubringen.

Apropos Gesundheit. Sie hatten in Ihrer Karriere mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Gab es Momente, in denen Sie den Sport an den Nagel hängen wollten?

Bauersachs: Es ist nicht die Frage, ob man sich verletzt, sondern wann. Der Sport ist natürlich gefährlich. Jeder kleine Fehler kann eine große Wirkung haben. Über dieses Risiko muss sich jeder Fahrer bewusst sein. Zum Glück ist es aber lange nicht so, dass bei jedem Event ein Fahrer verletzt rausgetragen wird. Bei mir gab es schon Situationen, wo ich überlegt habe: Ist es das wirklich wert? Aber solange der Arzt sagt: «Wir kriegen das wieder hin», zählt man schon die Wochen, bis man wieder loslegen kann.

Sie sind mit 31 Jahren einer der ältesten aber dennoch noch besten Fahrer in der Szene. Sebastian «Busty» Wolter hat im vergangenen Jahr mit 33 seine Karriere beendet. Haben Sie sich ein Limit gesetzt?

Bauersachs: Das Motorrad in die Ecke zu stellen, ist für mich unvorstellbar. Es ist aber leider die traurige Wahrheit, dass einem das Alter mitspielt. Wenn man jetzt gegen 20-Jährige anstinken soll, tut man sich schwer. Früher bin ich vier Tage lang Motorrad gefahren und habe nichts gemerkt. Heute bin ich nach zwei Tagen kaputt. Es ist also ein körperlicher Nachteil da, der Vorteil ist die Erfahrung.

Spürt man nach all den Jahren überhaupt noch diesen Kick?

Bauersachs: Definitiv. Das ist das Schöne an der Sportart. Beim Tennis wechselt vielleicht einmal der Bodenbelag. Aber beim Freestyle gibt es bei jedem Event neue Herausforderungen. Die Rampen und Landungen sind jedes Mal unterschiedlich. Vor jedem Sprung stellst du dir die Frage: Wird alles klappen? Der Adrenalinkick ist also nach wie vor da und das macht den Sport aus.

Sie sind Ihrer bayerischen Heimat, dem Rödenthal, immer treu geblieben. Hat es Sie nie in die Großstadt oder in die USA gezogen?

Bauersachs: Sicherlich gab es die Gedanken, mal eine Zeit in die Staaten zu gehen. Aber ich habe hier alles, was ich brauche: Meine Freundin, meine Familie und mein eigenes Trainingsgelände. Das einzige Problem ist das Wetter bei uns, denn im Moment kannst du leider nicht trainieren. Aber ich lebe auf jeden Fall lieber auf dem Land als in der Großstadt und muss dafür nicht lange einen Parkplatz suchen.

 

Fabian Bauersachs (31) ist nach wie vor der beste deutsche Freestyle Motocrosser. Der Bayer ist der aktuelle deutsche Meister und holte beim IFMXF World Cup unter anderem zweimal den vierten Platz. Beim Kings Of Xtreme in Leipzig (28./29. Januar 2011) nimmt er wie viele andere prominente Fahrer teil. News.de berichtet von der Veranstaltung.

ruk/ivb/news.de

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