Garmischs Stimme «Moderatoren quatschen heute zu viel»

Sie war die erste weibliche Stadionsprecherin Deutschlands und moderierte zehn Olympische Spiele. Mit news.de spricht die 95-j├Ąhrige Ingeborg W├Ârndle ├╝ber ihre Kommentatoren-Nachfolger, die Ski-WM und erkl├Ąrt, wie sie es schafft, in diesem Alter noch fit zu sein.

Ingeborg Wörndle (Foto)
Ingeborg W├Ârndle wurde 1946 die erste Stadionsprecherin Deutschlands. Bild: imago/news.de (Montage)

Wie gef├Ąllt Ihnen bisher die Alpine Ski-WM?

W├Ârndle: Wunderbar. Ich war schon von der Er├Âffnungsfeier begeistert. Die Wettk├Ąmpfe habe ich mir bisher im Fernsehen angeschaut. Mit 95 Jahren kann man nicht mehr so umher, doch am Montag werde ich mir die Super-Kombination der M├Ąnner vor Ort ansehen. Ich genie├če diese WM.

Sie waren 1978, als die letzte Ski-WM in Garmisch stattfand, aktiv dabei als Sprecherin f├╝r alle Wettbewerbe. Fehlt Ihnen da heuer etwas, wenn Sie die Wettk├Ąmpfe als «normale» Zuschauerin verfolgen – ohne Aufgabe?

W├Ârndle: Bis voriges Jahr habe ich noch alle Wettbewerbe in Garmisch-Partenkirchen moderiert. Diesmal hat man mich nicht gefragt. Aber ich bin erschrocken, wie wenige Worte au├čer in Deutsch bei der Er├Âffnung gesagt worden sind. Nur FIS-Pr├Ąsident Gian-Franco Kasper hat ein paar Worte in Englisch und Franz├Âsisch gesagt. Ansonsten waren die vielen ausl├Ąndischen Besucher verloren, haben nichts verstanden. Das h├Ątte es bei mir nicht gegeben.

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Wie viele Sprachen sprechen Sie?

W├Ârndle: Sechs: Franz├Âsisch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Deutsch nat├╝rlich und Rum├Ąnisch, weil auch diese Sprache einen lateinischen Ursprung hat. Ich habe ja das gro├če Latinum, weil ich eigentlich Kinder├Ąrztin werden wollte.

Achten Sie eigentlich besonders auf die Athleten oder auch auf die AnsagerInnen? Und gibt es etwas, dass Ihnen bei Ihren Kollegen besonders gut oder gar nicht gef├Ąllt?

W├Ârdle: Ich habe sogar aufgeh├Ârt darauf zu achten, weil ich mich nicht an die neue Art der Ansagen gew├Âhnen wollte. Da wird die ganze Zeit gequatscht und ├╝ber die Freundin des Sportlers erz├Ąhlt und dar├╝ber hinaus vergessen zu sagen, wer Zweiter geworden ist. Wir wurden anders gedrillt. Karl Erb hat uns eingetrichtert: Name, Zahlen und Zeiten. Wir mussten Fachwissen haben.

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Video: hem/news.de

Dann werden die meisten Sportereignisse f├╝r Sie wohl nur ohne Ton zu ertragen sein. Kennen Sie eigentlich Steffen Simon?

W├Ârndle: Nein. Aber es stimmt, manchmal ist es furchtbar, was da erz├Ąhlt wird.

Wir m├╝ssen den Lesern wahrscheinlich erkl├Ąren: 1946 sind Sie die erste Stadionsprecherin in Deutschland geworden, damals noch bei Wettk├Ąmpfen der amerikanischen Besatzer. 1956 wurden Sie dann zu den Olympischen Spielen nach Cortina d'Ampezzo eingeladen. Wie ging es weiter?

W├Ârndle: Innsbruck, Squaw Valley, M├╝nchen, Mexiko - ich war insgesamt bei zehn Olympischen Spielen dabei und habe bei sechs von ihnen moderiert, dar├╝ber hinaus bei vielen Weltmeisterschaften und nat├╝rlich bei der Vierschanzentournee. Meine Liebe galt dem Skispringen, weil ich damit begonnen hatte.

In welchen Sportarten waren Sie Expertin?

W├Ârndle: Nat├╝rlich zun├Ąchst einmal im Wintersport, aus dem ich kam. Ich bin Norddeutsche Jugendmeisterin im Skilanglauf gewesen. Aber dann in den Sportarten, die ich moderieren sollte. Bei den Olympischen Spielen in M├╝nchen hat man mich zum Ringen eingeteilt. «Um Gottes willen! Ich habe noch nie in meinem Leben einen Ringkampf gesehen», sagte ich. «Das spielt keine Rolle», hie├č es darauf, «Sie sind aber die Einzige, die in einer Minute drei K├Ąmpfe auf drei verschiedenen Matten ank├╝ndigen kann.» Und so wurde ich zum Lehrgang geschickt. Ich musste ja die ganzen Griffe kennen.

Und Sie haben in Ihrem Leben viele Sportasse nicht nur gesehen, sondern richtig kennengelernt. Weil Sie meist in offizieller Mission bei den Sportereignissen waren. Haben Sie noch zu manchen Kontakt?

W├Ârndle: Ja, und es ist immer wieder sch├Ân, wenn man den einen oder anderen trifft, auch Leute, die mit mir gearbeitet haben. Es hat sich so etwas wie eine Weltfreundschaft entwickelt, und durch meine ehrenamtliche T├Ątigkeit hatte ich bis zu ihrem Tod auch noch Kontakt zu Maxi Herber, Paarlauf-Olympiasiegerin von 1936.

Sie sind Ehrenb├╝rgerin von Garmisch-Partenkirchen, haben das Bundesverdienstkreuz und den Olympischen Orden verliehen bekommen. Erz├Ąhlen Sie uns etwas von Ihren Ehren├Ąmtern?

W├Ârndle: Als ich mit 65 Jahren und nach 35 Arbeitsjahren gezwungenerma├čen in Rente gehen musste, habe ich geheult wie ein Schlosshund und sofort am n├Ąchsten Tag ehrenamtlich weitergearbeitet - bis heute. Ich bin an einem Tag der Woche Lotsin in unserem Kreiskrankenhaus, dreimal im Monat betreue ich die dortige Bibliothek und seit sechs Jahren helfe ich sonntags in der Cafeteria des Altenheims.

Sie selbst sind mit 95 Jahren bemerkenswert fit. Was hat Sie jung gehalten?

W├Ârndle:  Der liebe Gott hat mir gute Gene gegeben. Ich war relativ selten krank, nat├╝rlich hatte ich ein paar Br├╝che vom Skifahren, aber das war es dann schon. Ich esse viel Obst und Gem├╝se, trinke seit 16 Jahren keinen Alkohol, rauche nicht und mache jeden Tag mein Training. Ich war schlie├člich schon immer begeistert f├╝r jede Art von Bewegung.

phs/reu/news.de

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Friedbert Heckmann
  • Kommentar 1
  • 12.02.2011 14:10

Guten Tag, mit Interesse las ich den Artikel ├╝ber sog. Moderatoren. Da gibt es noch viel zu kritisieren: z.B. diese unsinnigen sog. 'Fragen', wie z.B. 'Wie toll haben Sie sich gef├╝hlt ...', denn eine 'richtige' Frage w├╝rde lauten: Wie haben Sie sich gef├╝hlt ...? Nat├╝rlich stimmt es, was Frau W├Ârndle sagt: Heutzutage sind diese sog. Moderatoren ja viel mehr an der Stimmband- oder Gesichts- oder Atem-Muskulatur (atemloses Gestammel direkt nach dem Wettkampf) der Athleten interessiert, als an der Muskulatur, die die sportliche Leistung eigentlich bringt. usw, usw, Tolle Vorbilder !! F. Heckmann

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