Alberto Contador Tour-Sieger überführt

Contador droht Doping-Sperre von einem Jahr (Foto)
Contador droht Doping-Sperre von einem Jahr. Bild: dpa

Der spanische Radsportverband spricht sich dafür aus, den dreimaligen Tour-Sieger Alberto Contador wegen Dopings für ein Jahr zu sperren. Akzeptiert er das Urteil, würde er den Sieg bei der Tour de France 2010 aberkannt bekommen. Er wäre nach Floyd Landis der Zweite, der den Titel verliert.

Contador droht wegen Dopings nicht nur eine Aberkennung des Tour-de-France-Siegs im vorigen Jahr, sondern auch eine Sperre für die kommende Frankreich-Rundfahrt. Allerdings kann der Spanier noch Berufung gegen das Urteil einlegen. Contador hat eine Frist von zehn Tagen, um Einspruch einzulegen. Danach fällt der spanische Radsportverband (RFEC) sein definitives Urteil.

Der 28-jährige Madrilene war am zweiten Ruhetag der letztjährigen Tour de France in Pau positiv auf das Kälbermastmittel Clenbuterol getestet worden. Das Anti-Doping-Labor in Köln hatte den Beweis erbracht. Contador führte den Befund auf den Genuss eines verunreinigten Steaks zurück und bestreitet jedes Doping.

Die Madrider Zeitung El Mundo bescheinigte dem Verband eine «salomonische Entscheidung. Contador ist ein bisschen schuldig und ein bisschen unschuldig», schrieb das Blatt. Wie aus Verbandskreisen verlautete, ging der RFEC davon aus, dass man Contador aufgrund der minimalen Menge von Clenbuterol kein absichtliches Doping nachweisen könne. Deshalb plädierte der Verband dafür, die sonst übliche Sperre von zwei Jahren bei Dopingfällen auf die Hälfte zu verkürzen.

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Weltverband verweigert Stellungnahme

Der Weltradsportverband (UCI) lehnte eine Stellungnahme ab. «Es ist festzuhalten, dass es lediglich eine 'vorläufige Entscheidung' des spanischen Verbandes zum Fall Contador gibt», sagte der UCI-Sprecher Enrico Carpani. «Ein endgültiges Urteil des Verbandes wird uns noch zugehen und darauf warten wir, bevor wir uns äußern. Nach Eingang des offiziellen Urteils haben wir einen Monat Zeit zu prüfen, ob wir vor den (internationalen Sportgerichtshof) Cas gehen.»

Bisher hatte es bei großen Rundfahrten an der Spitze des Gesamtklassements nach Doping-Überführungen drei Fahrer erwischt: 2005 musste Roberto Heras seinen Vuelta-Sieg am Grünen Tisch an Denis Mentschow (Russland) weitergeben; 2006 wurde Floyd Landis bei der Tour disqualifiziert (Sieger: Oscar Pereiro/Spanien); und Danilo di Luco verlor 2009 seinen zweiten Platz beim Giro. Wenn Contador infolge einer Sperre sein Gelbes Trikot von 2010 verlöre, würde der bisher zweitplatzierte Andy Schleck (Luxemburg) zum Tour-Sieger erklärt.

Großer Verlierer des Spruches des spanischen Verbandes ist neben dem spanischen Sportidol Contador vor allem dessen neuer Teamchef Bjarne Riis. Der dänische Toursieger von 1996, der elf Jahre nach seinem Sieg in Paris auch Doping gestand, hatte zusammen mit seinem neuen Sponsor Sun Guard alles auf den prominenten Neueinkauf Contador ausgerichtet. Ohne sein Zugpferd für 2011 steht Riis jetzt mit nahezu leeren Händen da. Er dürfte fieberhaft auf der Suche nach einem halbwegs respektablen Ersatz sein. Erste Erklärungsversuche soll es am Freitag auf einer Pressekonferenz auf Mallorca geben.

hem/reu/news.de/dpa

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