Stefan Stankalla
«Freizeit habe ich, wenn die Augen zufallen»

Stefan Stankalla gehörte in den 1990er Jahren zu den besten Ski-Alpinen Deutschlands. Im Interview mit news.de spricht er ĂŒber seine neuen Aufgaben als Rennleiter, die Kritik an den Pisten und die GrĂŒnde fĂŒr die Flaute im MĂ€nnerbereich.

Stefan Stankalla steht als Rennleiter neben der Strecke. Bild: imago

Sie waren bei vier Weltmeisterschaften als Aktiver dabei. Wie ist es, jetzt hinter den Kulissen zu sitzen?

Stankalla: Es ist ein komplett anderes GefĂŒhl. Aus Sicht eines Athleten bekommt man von der WM vielleicht ein Viertel von dem mit, was alles passiert. Man ist zu sehr auf den Wettkampf fokussiert. FĂŒr mich ist es eine tolle Erfahrung, dass ich diese WM seit jetzt drei Jahren begleiten darf.

Kribbelt es noch in den Beinen?

Stankalla: Eigentlich nicht. Ich bin so sehr in die Arbeit eingebunden, dass man gar keine Zeit hat, in Erinnerungen zu schwelgen. Ich bin dafĂŒr auch schon zu lange raus. Mir geht keiner mehr ab.

Was sind Ihre Aufgaben in der Organisation?

FOTOS: Ski-WM Festspiele im Schnee

Stankalla: Im Vorfeld war ich fĂŒr das Marketing zustĂ€ndig. WĂ€hrend der WM bin ich Rennleiter bei den Damen-Wettbewerben. Das heißt, ich bin zustĂ€ndig fĂŒr die gesamte Organisation der Rennen. Die Pisten aufbauen, prĂ€parieren, absichern. 250 bis 300 Helfer sind wĂ€hrend der Rennen im Einsatz und ich muss schauen, dass jeder seine Aufgabe erfĂŒllt. Ich bin aber auch das Bindeglied zum Weltverband, wenn es darum geht, ob ein Rennen aufgrund schlechter Witterung abgebrochen werden muss.

Es gab Kritik an der PistenprÀparation. Unter anderem monierte Lindsey Vonn, dass die Strecke zu eisig und damit zu gefÀhrlich sei. Was sagen Sie dazu?

Stankalla: Die Strecken mĂŒssen zwei Wochen halten und zwar auch bei MĂ€nnerrennen. FĂŒr sie darf sich die Piste auch nicht allzu weich anfĂŒhlen. Wir haben einen 30 Zentimeter dicken und harten Grundstock. Das gibt uns Planungssicherheit.

VIDEO: Kandahar
Video: hem/news.de

In Ihrer einstigen DomĂ€ne, der Abfahrt der Herren, sieht es schlecht fĂŒr Deutschland aus. Werden Sie sich die Rennen trotzdem ansehen?

Stankalla: Das war ja schon zu meiner aktiven Zeit so, dass es im Herrenbereich schlechter aussah als bei den Damen. Doch unabhÀngig davon werde ich wahrscheinlich nicht viel von den Rennen als reiner Zuschauer sehen können. Ich habe nur Freizeit, wenn die Augen zufallen. Ansonsten arbeite ich wÀhrend der WM komplett durch.

Woran liegt es, dass im deutschen Skisport die Frauen das starke Geschlecht sind?

Stankalla: Die Damen profitieren von der professionellen Organisation in Deutschland, aber sie sind auch einfach sehr talentiert und haben eine konsequente Arbeitseinstellung. Dagegen ist die Dichte im Herrenbereich grĂ¶ĂŸer. Da ist es schwerer, an die Spitze zu kommen. Der mĂ€nnliche Nachwuchs hat es auch deshalb schwer, weil es keine Topfahrer gibt wie bei den Frauen, die sie mitziehen.

Leider fĂ€llt jetzt auch noch Stefan Keppler aus. Unser bester Speedfahrer verletzte sich in Wengen. Inwieweit war sein Sturz auch fĂŒr Sie ein Schock?

Stankalla: Ich habe den Sturz live im Fernsehen gesehen. ZunĂ€chst sah es weniger schlimm aus. Dass er doch so stark lĂ€diert ist, ist schade und fĂŒr uns alles andere als schön. Wir hatten gehofft, dass er bei der WM vielleicht seinen zweiten Platz von Gröden bestĂ€tigen kann.

Jetzt ruhen die grĂ¶ĂŸten Hoffnungen auf Tobias Stechert. Kann man von dem 25-JĂ€hrigen eine Überraschung erwarten, oder wĂ€re das zu viel verlangt?

Stankalla: Er hat's drin, aber von Tobias einen Podestplatz zu erwarten, das wĂ€re tatsĂ€chlich zu viel. Er kann ĂŒberraschen, aber das wĂ€re schon ein Platz unter den ersten 15.

Glauben Sie deshalb, dass die Rennen im Herrenbereich weniger Zuschauer anziehen?

Stankalla: Nein, insgesamt nicht. Es werden weniger Deutsche an der Piste sein als bei den Damenrennen. DafĂŒr sind die Herrenrennen im Ausland insbesondere in Österreich mehr nachgefragt. Ich kenne die Verkaufszahlen und weiß beispielsweise, dass beide Slalomwettbewerbe ausverkauft sind.

Wer hat nach Ihrer EinschÀtzung das Zeug dazu, Star der WM zu werden?

Stankalla: FĂŒr mich ist der ein Star, der bei jeder Disziplin vorn fahren kann. Maria Riesch ist bei den Frauen die Einzige, die alles gewinnen kann. Lara Gut ist auch sehr variabel. Bei den MĂ€nnern tippe ich auf Aksel Lund Svindal oder Ivica Kostelic, der in bestechender Form ist.

Stefan Stankalla gehörte Ende der 1990er Jahre zu den besten Abfahrern der Welt. Nach seiner aktiven Ski-Karriere schloss er ein Studium zum Diplom-Betriebswirt erfolgreich ab. Der gebĂŒrtige Garmisch-Partenkirchner war in Vorbereitung der WM Marketingleiter und ist wĂ€hrend der WM Rennleiter fĂŒr die Damen-Wettbewerbe.

kln/reu/news.de

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