Stefan Stankalla «Freizeit habe ich, wenn die Augen zufallen»

Stankalla (Foto)
Stefan Stankalla steht als Rennleiter neben der Strecke. Bild: imago

Von news.de-Redakteur Michael Heinrich, Garmisch-Partenkirchen
Stefan Stankalla gehörte in den 1990er Jahren zu den besten Ski-Alpinen Deutschlands. Im Interview mit news.de spricht er über seine neuen Aufgaben als Rennleiter, die Kritik an den Pisten und die Gründe für die Flaute im Männerbereich.

Sie waren bei vier Weltmeisterschaften als Aktiver dabei. Wie ist es, jetzt hinter den Kulissen zu sitzen?

Stankalla: Es ist ein komplett anderes Gefühl. Aus Sicht eines Athleten bekommt man von der WM vielleicht ein Viertel von dem mit, was alles passiert. Man ist zu sehr auf den Wettkampf fokussiert. Für mich ist es eine tolle Erfahrung, dass ich diese WM seit jetzt drei Jahren begleiten darf.

Kribbelt es noch in den Beinen?

Stankalla: Eigentlich nicht. Ich bin so sehr in die Arbeit eingebunden, dass man gar keine Zeit hat, in Erinnerungen zu schwelgen. Ich bin dafür auch schon zu lange raus. Mir geht keiner mehr ab.

Was sind Ihre Aufgaben in der Organisation?

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Stankalla: Im Vorfeld war ich für das Marketing zuständig. Während der WM bin ich Rennleiter bei den Damen-Wettbewerben. Das heißt, ich bin zuständig für die gesamte Organisation der Rennen. Die Pisten aufbauen, präparieren, absichern. 250 bis 300 Helfer sind während der Rennen im Einsatz und ich muss schauen, dass jeder seine Aufgabe erfüllt. Ich bin aber auch das Bindeglied zum Weltverband, wenn es darum geht, ob ein Rennen aufgrund schlechter Witterung abgebrochen werden muss.

Es gab Kritik an der Pistenpräparation. Unter anderem monierte Lindsey Vonn, dass die Strecke zu eisig und damit zu gefährlich sei. Was sagen Sie dazu?

Stankalla: Die Strecken müssen zwei Wochen halten und zwar auch bei Männerrennen. Für sie darf sich die Piste auch nicht allzu weich anfühlen. Wir haben einen 30 Zentimeter dicken und harten Grundstock. Das gibt uns Planungssicherheit.

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Video: hem/news.de

In Ihrer einstigen Domäne, der Abfahrt der Herren, sieht es schlecht für Deutschland aus. Werden Sie sich die Rennen trotzdem ansehen?

Stankalla: Das war ja schon zu meiner aktiven Zeit so, dass es im Herrenbereich schlechter aussah als bei den Damen. Doch unabhängig davon werde ich wahrscheinlich nicht viel von den Rennen als reiner Zuschauer sehen können. Ich habe nur Freizeit, wenn die Augen zufallen. Ansonsten arbeite ich während der WM komplett durch.

Woran liegt es, dass im deutschen Skisport die Frauen das starke Geschlecht sind?

Stankalla: Die Damen profitieren von der professionellen Organisation in Deutschland, aber sie sind auch einfach sehr talentiert und haben eine konsequente Arbeitseinstellung. Dagegen ist die Dichte im Herrenbereich größer. Da ist es schwerer, an die Spitze zu kommen. Der männliche Nachwuchs hat es auch deshalb schwer, weil es keine Topfahrer gibt wie bei den Frauen, die sie mitziehen.

Leider fällt jetzt auch noch Stefan Keppler aus. Unser bester Speedfahrer verletzte sich in Wengen. Inwieweit war sein Sturz auch für Sie ein Schock?

Stankalla: Ich habe den Sturz live im Fernsehen gesehen. Zunächst sah es weniger schlimm aus. Dass er doch so stark lädiert ist, ist schade und für uns alles andere als schön. Wir hatten gehofft, dass er bei der WM vielleicht seinen zweiten Platz von Gröden bestätigen kann.

Jetzt ruhen die größten Hoffnungen auf Tobias Stechert. Kann man von dem 25-Jährigen eine Überraschung erwarten, oder wäre das zu viel verlangt?

Stankalla: Er hat's drin, aber von Tobias einen Podestplatz zu erwarten, das wäre tatsächlich zu viel. Er kann überraschen, aber das wäre schon ein Platz unter den ersten 15.

Glauben Sie deshalb, dass die Rennen im Herrenbereich weniger Zuschauer anziehen?

Stankalla: Nein, insgesamt nicht. Es werden weniger Deutsche an der Piste sein als bei den Damenrennen. Dafür sind die Herrenrennen im Ausland insbesondere in Österreich mehr nachgefragt. Ich kenne die Verkaufszahlen und weiß beispielsweise, dass beide Slalomwettbewerbe ausverkauft sind.

Wer hat nach Ihrer Einschätzung das Zeug dazu, Star der WM zu werden?

Stankalla: Für mich ist der ein Star, der bei jeder Disziplin vorn fahren kann. Maria Riesch ist bei den Frauen die Einzige, die alles gewinnen kann. Lara Gut ist auch sehr variabel. Bei den Männern tippe ich auf Aksel Lund Svindal oder Ivica Kostelic, der in bestechender Form ist.

Stefan Stankalla gehörte Ende der 1990er Jahre zu den besten Abfahrern der Welt. Nach seiner aktiven Ski-Karriere schloss er ein Studium zum Diplom-Betriebswirt erfolgreich ab. Der gebürtige Garmisch-Partenkirchner war in Vorbereitung der WM Marketingleiter und ist während der WM Rennleiter für die Damen-Wettbewerbe.

kln/reu/news.de

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