Radsport Ein Hoch auf die Tradition: 100. Sixdays in Berlin

Ein Hoch auf die Tradition: 100. Sixdays in Berlin (Foto)
Ein Hoch auf die Tradition: 100. Sixdays in Berlin Bild: dpa

Der Kreis schließt sich. 100 Mal Sechstagerennen: Nirgendwo anders in Europa als in Berlin ist dieses Jubiläum des feuchtfröhlichen Cocktails aus Sport und Schunkeln möglich.

Berlin (dpa) - Der Kreis schließt sich. 100 Mal Sechstagerennen: Nirgendwo anders in Europa als in Berlin ist dieses Jubiläum des feuchtfröhlichen Cocktails aus Sport und Schunkeln möglich.

Ab dem 27. Januar wird im Velodrom, dort, wo zu DDR-Zeiten die Werner-Seelenbinder-Halle stand und ebenfalls Radrennen stattfanden, zur großen Geburtstagsfeier gerüstet. Die ersten Sixdays auf europäischem Boden nach der Premiere in New York wurden im März 1909 in den Berliner Ausstellungshallen am Zoologischen Garten ausgetragen. Damals musste sechs Tage durchgehend mindestens ein Fahrer pro Zweier-Team auf der Bahn sein. Heute beschränkt sich die Arbeit der Profis auf täglich rund fünf Stunden bei drastisch geänderter Entlohnung.

Zur Premiere gab sich die kaiserliche Hoheit Friedrich Wilhelm die Ehre. Schirmherr des 100. Berliner Sechstagerennens ist Bundespräsident Christian Wulff, der in seinem Grußwort Radprofis unter gewissen Voraussetzungen sogar zubilligt, «Vorbild für die Gesellschaft» zu sein. Eine vielleicht gewagte These angesichts der Doping-Affären, die der Sportart schwer zu schaffen machen.

Aber schlechte Nachrichten sollen die Berliner Fete nicht stören. Das Feld der 17 Fahrerpaare ist illuster wie selten. Zum ersten Mal dabei sind die australischen Madison-Weltmeister Leigh Howard/Cameron Meyer. Meyer kommt als frisch gekürter Zeitfahrmeister und Sieger der Saison-Eröffnung Tour Down Under auf das Lattenoval.

Auch Roger Kluge, mit dem Lokalmatadoren Robert Bartko (Potsdam) ein weiterer Favorit auf den Jubiläums-Sieg, hat eine lange Reise in den Knochen. Er kam direkt vom Weltcup in Peking nach Berlin. Das Favoritenpaar Nummer drei sind die Vorjahressieger Alex Rasmussen/Michael Mörköv aus Dänemark.

Die Berliner Sechstage-Tradition erwies sich als so robust, dass die Veranstaltung ein Verbot durch die Nazis ab 1934, einen Stopp in der unmittelbaren Nachkriegszeit bis 1949 und einen Ausfall in der Nachwendezeit zwischen 1990 und 1997 wegsteckte. Der Berliner Senat sagte gerade seine weitere Unterstützung bis mindestens 2017 zu: der Zirkus kann also weitergehen - zumindest in der Hauptstadt.

In anderen deutschen Sechstage-Zentralen lief es nicht so gut: In Dortmund, München und Stuttgart kam im Vorjahr das Aus. Die bei Sixdays übliche Oktoberfeststimmung, gewürzt mit einer leichten Prise inszenierter Radsport-Spannung, konnte auch nichts mehr retten. Sinkende Zuschauerzahlen zwangen die Veranstalter zur Aufgabe.

2009 gab es in Europa 17 Rennen, in dieser Saison noch zehn. Aber Totgesagte leben länger - die Kurve steigt wieder an: In Köln, Hannover und Leipzig soll es demnächst wieder rund gehen. «Wenn das Konzept stimmt, so wie bei uns, wo es an jedem Abend ein ausverkauftes Haus gibt, rechnen sich Sechstagerennen und es ist ein Segen für die Region», meinte der Berliner Sixdays-Chef Heinz Seesing, der mit Sponsorengeldern, verkauften Tickets und der Beteiligung an der Gastronomie einen Etat von rund drei Millionen Euro gegenfinanzieren muss.

news.de/dpa

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