Fifa-Boss Blatter «Ich und Rücktritt?»

Blatter: «Ich und Rücktritt?» (Foto)
«Ich und Rücktritt? Da würde mein Vater aus der Ewigkeit zurückkommen»: Fifa-Boss Sepp Blatter (74). Bild: dpa

Von Sven Busch
Sepp Blatter hat zwar Korrekturen im Fußball-Weltverband angekündigt, um das Image der Fifa «aufzupolieren». Doch was die geplante Task Force konkret ändern soll, bleibt unklar. Der Fifa-Chef über unliebsame Kritiker, die WM-Doppelvergabe und den Sinn, das Turnier nach Katar zu vergeben.

Herr Blatter, wie haben Sie denn die ungemütlichen letzten Wochen erlebt?

Blatter: Es waren turbulente Wochen. Aber gut, es braucht etwas Geduld und Durchhaltevermögen, und am Schluss geht alles gut aus.

Fast hatte es den Anschein, Blatter gegen den Rest der Welt ...

Blatter: Ich würde nicht sagen, gegen den Rest der Welt, aber gegen eine gewisse Presse. Und es ist nicht das erste Mal, dass das passiert. Was hat man nicht alles gesagt: Die WM in Afrika bringt nichts, das ist die schlechteste Idee, die die FifaDie Fifa ist der Weltfußballverband. Ausgesprochen bedeutet die Abkürzung: Fédération Internationale de Football Association, also Internationale Föderation des Verbandsfußballs. Mehr als 200 nationale Verbände sind Mitglied der Fifa, die 1904 in Paris gegründet wurde und ihren Sitz heute in Zürich hat. Die Fifa veranstaltet unter anderem die Fußball-Weltmeisterschaft und bestimmt über das weltweit gültige Fußball-Regelwerk. , die Blatter je hatte, und es war wunderbar. In der Welt des Fußballs gibt es eben einige Journalisten, die etwas besessen sind.

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Wie bewerten Sie denn das Imageproblem der Fifa?

Blatter: Wir haben einige Schläge bekommen. Aber die alten Kamellen von der ISL aufzuwärmen, das geht einfach nicht. Wenn die Weltpresse dann das auch noch übernimmt und sagt, die Fifa ist dies und das, dann muss ich eben eingestehen: Das hat unserem Image geschadet. Sonst wäre ich fern der Realität. Jetzt müssen wir das Image wieder verbessern.

Wie wollen Sie denn das beschädigte Image der Fifa wieder aufpolieren?

Blatter: Indem vielleicht auch die Medien wieder etwas von ihrem hohen Ross runterkommen und in die Realität zurückkehren und sehen, was in der Realität des Fußballs passiert und was in der Zukunft passiert.

Aber welche Schritte will denn die Fifa in der Glaubwürdigkeitskrise einleiten, damit der Verband wieder in ein besseres Licht rückt?

Blatter: Die Task Force für die Analyse des Spiels und des Wettbewerbs wird bereits im Januar ihre Arbeit aufnehmen. Das müssen wir machen. Das letzte Mal, dass wir so etwas gemacht haben, war nach der WM 1990. Das ist 20 Jahre her und der Fußball hat sich weiterentwickelt. Da wird dann alles untersucht, damit der Wettbewerb attraktiv bleibt: das Problem der Technologie, die Drei-Punkte-Regel, Elfmeterschießen ja oder nein, und die Frage, ob die Anzahl der Teilnehmer in einem Finalfeld die richtige ist. Und es wird die «Task Force compliance» geben. In dieser zweiten Task Force geht es darum, wie können wir das Image der Fifa weiterhin hochhalten und wieder etwas aufpolieren.

Wie sehr sehen Sie sich selbst durch diese Affäre beschädigt?

Blatter: Es muss immer wieder gesagt werden, dass von den Fifa-Offiziellen von damals und von heute niemand von einem Gericht in der Schweiz verurteilt wurde. Niemand wurde angeklagt oder verurteilt. Die Mitglieder der Exekutive wurden ja nicht verurteilt wegen Korruption, sondern wegen Nichteinhaltung der ethischen Regeln.

Noch mal. Wie sehr sehen Sie sich als Präsident durch die Korruptionsvorwürfe und die Doppel-WM-Vergabe geschädigt?

Blatter: Also, ich habe noch nie so viel Unterstützung von Verbänden, Klubs und von Spielern bekommen wie in diesen letzten Tagen. Seit dem 2. Dezember gibt es nur Glückwunschtelegramme aus der ganzen Welt.

Heißt das, Sie haben in der ganzen Zeit nie an Rücktritt gedacht?

Blatter: Ich und Rücktritt? Da würde mein Vater aus der Ewigkeit zurückkommen und mir die Leviten lesen und zwei-, dreimal einen Kick geben.

Ihre Kritiker verlangen, jetzt muss ein neuer Präsident her.

Blatter: Ja gut, dann sollen sie das den 208 Verbänden mitteilen. Und warum ein neuer Präsident? Nur, weil es ein deutscher Journalist schreibt, muss ein neuer Präsident her? Man soll die ganze Crew auswechseln? Ich sage: Never change a winning team.

Halten sie in Zukunft Doppelvergaben der Weltmeisterschaften noch für sinnvoll?

Blatter: Nein, das mache ich nicht mehr. Ich würde es auch nicht mehr machen können, weil ich dann nicht mehr da bin. Doppelvergaben halte ich nicht für sinnvoll. Wir haben es jetzt gemacht und es ist etwas Gutes dabei herausgekommen. Denn sehen Sie, die zwei großen Seilschaften, die in den Medien waren, haben sich am Schluss eben nicht durchgesetzt. Am Schluss setzt sich doch das durch, was am meisten Sinn macht.

Und warum machen Ihrer Meinung nach die Weltmeisterschaften in Russland und Katar Sinn?

Blatter: Wir gehen mit der WM jetzt in Gegenden der Welt, wo sie noch nie war: Osteuropa, Russland. Das ist Neuland, und das passt genau in die Entwicklungsarbeit des jetzigen Präsidenten und früheren Entwicklungshelfers. Wir gehen mit der Fußball-WM dorthin, wo sie noch etwas mehr bewegt als nur Kommerz. Und das wurde auch vom Exekutiv-Komitee zum Ausdruck gebracht. 2022 gehen wir in die arabische Welt, die auch ein Anrecht auf die WM hat. Katar ist als eine starke Kandidatur aufgetreten.

Interessant, die arabische Welt hat ein Anrecht auf die WM?

Blatter: Es geht ja nicht nur um die arabische Welt. Es geht auch darum, dass eine neue, alte Kultur, sprich, die ganze islamische Welt in den Genuss einer WM kommt. Dort leben immerhin eine Milliarde Menschen, und die sind jetzt auch zufrieden.

Mit Verlaub, wo ist denn das Ende der neuen Märkte? In der Antarktis?

Blatter: Nein, nicht in der Antarktis. Die ist weit weg, wir können nicht in die Antarktis gehen. Wo sind denn die großen Fußballereignisse noch nie gewesen? Wir müssen in den Raum schauen, in dem der größte Teil der Weltbevölkerung lebt. Und zwei Drittel der Weltbevölkerung oder noch mehr leben in Asien. Und dort haben wir zwei große Subkontinente, in denen 1,2 und 1,4 Milliarden Menschen leben. Indien und China wären neue Märkte.

Das sind vor allem Märkte, um viel Geld zu verdienen ...

Blatter: Nein. Das sind nicht Märkte, um Geld zu machen, sondern Märkte, um den Fußball weiterzuentwickeln. Unsere Sponsoren haben unterschrieben, ohne zu wissen, wohin die WM 2018 und 2022 vergeben wird. Es geht ihnen nicht um das Geld. Das Produkt Fifa-WM ist die Attraktion, und das WM-Turnier kann man überall spielen. Das wird überall Erfolg haben, solange der Fußball nicht nur Kommerz ist, sondern Emotionen bringt.

Franz Beckenbauer hat vorgeschlagen, die WM in Katar wegen der dann besseren Klimabedingungen im Winter auszutragen. Was spricht dagegen?

Blatter: Die Basisausschreibung spricht gegen eine Winter-WM in Katar. Die Bedingungen waren, dass die WM 2018 und 2022 anhand des bestehenden internationalen Kalenders im Juni, Juli ausgetragen werden muss. Aber es sind ja noch zwölf Jahre bis 2022. Man weiß ja nicht, was auch mit dem Klima noch passieren kann.

 

Joseph Blatter ist der mächtigste Mann des Weltfußballs. Der Schweizer löste 1998 seinen Vorgänger Joao Havelange als Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa ab und befindet sich inzwischen in seiner dritten Amtszeit (endet 2011). Der 74-Jährige erwies sich in der Vergangenheit als renitent gegen jegliche Kritik. Alle Anschuldigungen gegen ihn sowie Mitglieder seines Verbandes wies Blatter stets zurück. Wenige Tage vor der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 nach Russland und 2022 nach Katar mussten sich drei Exekutivmitglieder der Fifa Korruptionsvorwürfen stellen. Laut englischen, deutschen und Schweizer Medien sollen die Funktionäre Bestechungsgelder in Höhe von insgesamt zehn Millionen Dollar eingestrichen haben. Ihre Stimme durften sie bei der Vergabe der Weltmeisterschaften dennoch abgeben. Im November waren bereits die Exekutivmitglieder Reynald Temarii (Tahiti) und Amos Amadu (Nigeria) wegen Verletzung des Ethik-Codes suspendiert wurden.

kru/reu/news.de/dpa

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