Jogi Löw im Interview «Es war ein fantastisches Jahr»

Jogi Löw (Foto)
Jogi Löw (Mitte) freute sich mit Lukas Podolski (links) und Philipp Lahm über den dritten Platz bei der WM 2010. Bild: dpa

Der Auftritt des DFB-Teams gegen Schweden war wenig berauschend. Im Gespräch zeigt sich Bundestrainer Jogi Löw mit den Debütanten und dem WM-Jahr 2010 dennoch hoch zufrieden. Außerdem glaubt er weiter an die Rückkehr von Michael Ballack.

Was sagen Sie zur abschließenden Nullnummer gegen Schweden?

Löw: Mir war nach einigen Minuten klar, dass in diesem Spiel nicht viele Tore fallen werden. Schweden hat für eine Heimmannschaft sehr defensiv gespielt, stand mit zehn Mann in der eigenen Hälfte. Mit dem Engagement, der Einstellung und den jungen Spielern war ich absolut zufrieden. Es ist uns nicht gelungen, die Aktionen konsequent zu Ende zu spielen. Das Ergebnis hat mich aber in zweiter Linie interessiert. Mich hat interessiert, dass man in diesen wenigen Tagen die neuen Spieler besser kennenlernt. Sie haben sich sofort integriert und haben Verantwortung übernommen im Training und im Spiel.

Wie fällt Ihr Fazit des WM-Jahres aus?

Löw: Es war ein fantastisches Jahr für die Nationalmannschaft. Ich möchte sogar so weit gehen, dass es insgesamt ein hervorragendes Jahr für den deutschen Fußball war. Die fußballerische Entwicklung war groß. Wir haben in vielen Spielen Qualitätsfußball Made in Germany gezeigt.

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Löws Talentschuppen
Löws Talentschuppen zum Jahresabschluss nur 0:0 (Foto) Zur Fotostrecke

Welche Perspektiven sehen Sie?   

Löw: Wir haben mit dieser jungen Mannschaft sehr, sehr gute Perspektiven. Dass es nach der WM, die der Höhepunkt war, mit den guten Leistungen so nahtlos übergegangen ist in die EM-Qualifikation, hat mich besonders zufriedengestellt. Es ist keine Selbstverständlichkeit, nach einem so intensiven Turnier so glänzend dazustehen. Die Spieler, die das ganze Jahr dabei waren, haben sehr viel für die Mannschaft geleistet. Darum ein Dank an alle.

Was sagen Sie zu den jungen, neuen Spielern, die Sie gegen Schweden getestet haben?

Löw: Mats Hummels war in der Innenverteidigung absolut souverän. Man hatte nie das Gefühl, dass er vor große Probleme gestellt werden kann. Auch mit seiner Spielauslösung war ich sehr zufrieden. Marcel Schmelzer hat auf der linken Seite seine Sache in der Defensive gut gelöst. Ich weiß, dass er in Dortmund noch mehr Offensivkraft erzeugen kann. Kevin Großkreutz kann mit seinem Laufvermögen und seiner guten Dynamik viel bewirken. Lewis Holtby hat mir sehr gut gefallen, weil er auch im Training schon auffallend gut war. Er hat gute Lösungen, ein gutes Auge und große Ballsicherheit. Da war ich absolut zufrieden.

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Mehr Mut, Herr Löw!
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André Schürrle und Mario Götze kamen nur zu einem Kurzdebüt. Was sagen Sie zu ihnen?

Löw: Es war für sie nicht ganz so einfach in den 15 Minuten. Bei beiden hat man gesehen, dass sie gute Ansätze haben. Bei Götze ist es beeindruckend, wie er mit seinen 18 Jahren auch im Training agiert hat, mit so einer Selbstverständlichkeit und Ruhe am Ball. Das habe ich in der Nationalmannschaft noch nicht häufig erlebt bei so einem ganz jungen Spieler. Götze ist ein hervorragender Techniker. Diese jungen Spieler werden sich gut weiterentwickeln. Es ist unser Ziel, das wir Richtung EM 2012 und WM 2014 Spieler haben, die nachkommen und den Konkurrenzkampf mit ihrer Klasse weiter anheizen.

Warum haben Sie es Kevin Großkreutz so schwer gemacht und ihn statt auf links auf der rechten Seite aufgeboten?

Löw: Ich habe es gemacht, weil Marko Marin links besser spielen kann als rechts. Bei Großkreutz weiß ich, dass er über links noch einen Tick besser ist. Aber in Zukunft muss man sich an beide Seiten gewöhnen können.

Was sind die Hauptaufgaben für 2011?

Löw: Die spielerische Weiterentwicklung, gutes Zweikampfverhalten, temporeiches Spiel nach vorne - an diesen Dingen werden wir weiter arbeiten. Ich werde nicht akzeptieren, dass wir da nachlässig sind. Insgesamt war der Sprung bei der Fußball-Kultur groß.

Ist für Michael Ballack noch Platz in dieser Mannschaft?

Löw: Ich habe immer gesagt, dass ich weiter mit Michael Ballack rechne. Er war jetzt ein halbes Jahr verletzt. Man darf nicht vergessen, dass es bei Verletzungen die Chance für andere Spieler gibt. Khedira und Schweinsteiger haben das glänzend gemacht bei der WM und auch danach. Aber Michael Ballack traue ich schon zu, dass er zurückkommt. Ich weiß, dass er unheimlich ehrgeizig ist und vehement auf sein Comeback drängt. Er ist in der Lage, das zu schaffen.

Ist Ihnen die Pause bis zum nächsten Spiel gegen Italien am 9. Februar 2011 eigentlich zu lange?

Löw: Ich würde mir wünschen, dass wir vorher noch mal ein Spiel hätten, klar. Aber die Spieler sind bis zum Jahresende weiter gefordert, haben in ihren Vereinen eine hohe Belastung. Wir haben nächstes Jahr neben der EM-Qualifikation bewusst Spiele gegen starke Gegner wie Italien, Uruguay, Brasilien vereinbart, die uns fordern und in denen wir uns weiterentwickeln können.

 

Joachim Löw übernahm das Amt als Bundestrainer nach der WM 2006 und führte die deutsche Nationalelf ins EM-Finale 2008 und zum dritten Platz bei der WM 2010. Beide Male scheiterte das Team mit 0:1 an Spanien. Von 2004 bis 2006 trainierte der 50-Jährige das DFB-Team bereits als Co-Trainer an der Seite von Jürgen Klinsmann. Zuvor war Löw als Vereinstrainer bei zahlreichen Klubs, unter anderem dem VfB Stuttgart, dem Karlsruher SC und Fenerbahce Istanbul, tätig.

phs/jag/reu/news.de/dpa

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