Fritz Walter Das erste deutsche Fußball-Idol

Fritz Walter (Foto)
Stolzer Star: Fritz Walter nach dem Gewinn des WM-Titels 1954. Bild: dpa

Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur
Der Name Fritz Walter und die Werte, die er verkörperte, sind auch acht Jahre nach seinem Tod omnipräsent. Der Lauterer war nicht nur einer der besten Fußballer, sondern gilt auch als einer der Gründungsväter der Bundesrepublik.

Am Samstag war Fritz Walter wieder so präsent wie vor 50 Jahren; als stünde er noch auf dem Rasen des Stadions am Betzenberg, wo er über zwei Jahrzehnte hinweg die Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern anführte, die damals alle nur «Walter-Elf» nannten. Anlässlich des 90. Geburtstags des deutschen Fußball-Idols trat der 1. FCK mit speziellen Fritz-Walter-Trikots an - ohne Werbung und mit seinem Konterfei versehen. Auf der Innenseite der Jubiläums-Jerseys steht: «Der Schlüssel zum Erfolg ist Kameradschaft und der Wille, alles für den anderen zu geben.» Ein Walter-Zitat, dass offenbar auch das aktuelle Team der «Roten Teufel» beflügelte. Der Aufsteiger hat zwar aktuell keinen Star wie Walter in seinen Reihen, gewann aber durch eine leidenschaftliche Leistung mit 3:0 gegen Borussia Mönchengladbach.

Fritz Walter
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Noch immer, auch acht Jahre nach seinem Tod, ist der Name Fritz Walters in aller Munde, und die Werte, die er verkörperte, omnipräsent. Das Stadion auf dem Betzenberg haben sie ihm zu Ehren umbenannt, genauso eine Straße und eine Schule. Es existiert eine Fritz-Walter-Stiftung und ein Museum - der Kapitän der Weltmeister-Elf von 1954 ist vor allem in der Pfalz, aber auch weit darüber hinaus ein moderner Heiliger. Sogar an sein Grab pilgern die Fans.

Weltklasse und Bodenständigkeit, Ehrgeiz und Fair Play

Sicher, Fritz Walter, 1920 geboren, war einer der besten Fußballer, die es jemals gab. Er hatte die Gabe, ein Spiel zu lesen, war ein begnadeter Techniker und konnte eine Mannschaft führen. «Er vereinte Pelés Technik, Maradonas Liebe zum Ball, Zidanes Dynamik, Overaths Torgefahr und Vereinstreue, Netzers Blick für den richtigen Pass, Matthäus' Gabe zur Motivation», schreibt SWR-Reporter Torben Degen in der gerade erschienenen Biografie über Fritz Walter.

Doch auch Lothar Matthäus war einer der weltbesten Spieler; dass er jedoch in den Fankurven verehrt wird und die Menschen nach seinem Tod an sein Grab pilgern, ist derzeit nur schwer vorstellbar. Fritz Walter war mehr als nur ein begnadeter Kicker. «S' Fritzje», wie die Pfälzer sagen, verkörperte gleichzeitig Weltklasse und Bodenständigkeit, Ehrgeiz und Fair Play, Siegermentalität und Sensibilität.

Bereits vor Ende des Zweiten Weltkriegs war Walter eine Berühmtheit. Bei seinem ersten Länderspiel 1940 erzielte er direkt drei Treffer. Sepp Herberger, der damalige Reichstrainer und spätere Bundestrainer, war begeistert von dem Talent. Während des Krieges war der Luftwaffen-Unteroffizier ein gefeierter Held beim Soldatenfußball. Dank Herbergers Fürsprache musste er militärisch nie einen Schuss abfeuern. Als er nach Kriegsende in Gefangenschaft geriet, verzauberte Walter selbst den russischen Lagerkommandanten mit seinen Fußballkünsten und durfte bald mit einer Sondergenehmigung nach Kaiserslautern zurückkehren. Noch bevor er sich im Rathaus zurückmeldete, stattete er dem Vereinsgelände auf dem Betzenberg - seiner Heimat - einen Besuch ab. Bereits wenige Wochen nach der Entlassung aus der Gefangenschaft stand der Geniale wieder für den 1. FC Kaiserslautern auf dem Fußballplatz.

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Mentaler Gründungsvater der Bundesrepublik

Während der 1. FCK unter Walters Führung zu einem der besten deutschen Fußballklubs reifte, baute Nationaltrainer Herberger um seinen Star herum eine neue Mannschaft auf. Und die bezwang im Finale der Weltmeisterschaft 1954 im Dauerregen (Fritz-Walter-Wetter) den haushohen Favorit Ungarn und holte den WM-Titel - eine Jahrhundert-Sensation. Die von Herberger geformte und von Walter angeführte Elf begründete mit Einsatzbereitschaft, Leidenschaft, Kampf- und Teamgeist die sogenannten deutschen Tugenden. Wie der Historiker Joachim Fest glaubt, war dieser Titelgewinn der «Helden von Bern» nicht nur der erste WM-Sieg einer deutschen Mannschaft, sondern vielmehr eines der Gründungsdaten der Bundesrepublik. Und Fritz Walter bezeichnete er als «mentalen» Gründungsvater.

Die anlässlich seines 90. Geburtstages erschienene Biografie ist ein herrliches Bilderbuch für alle Walter-Fans. Die großformatigen Fotografien sind beeindruckende Zeitdokumente. Viele der (glücklicherweise) meist kurz gehaltenen Textpassagen kann man hingegen getrost überblättern. Schwärmerisch, nicht sonderlich reflektiert und im Anekdotenstil wird Walters Leben nacherzählt. Detailinformationen wie die Tatsache, dass sich Fritz Walter beim Autofahren gern einmal einen «deftigen Herrenwitz» erzählen ließ, sind einfach nur überflüssig. Und auch über die gute Beziehung zwischen Schlagerbarde Tony Marschall und Walter will man wohl als Fußballfan eigentlich nichts wissen. Das achtseitige Porträt in der 50er-Jahre-Spezialausgabe des Fußball-Magazin 11Freunde kommt dem Menschen Fritz Walter viel näher, als es die Biografie auf 208 Seiten schafft.


Titel: Fritz Walter - Kapitän für Deutschland
Verlag: Die Werkstatt
Seitenzahl: 208 Seiten
Preis: 29,90 Euro
Erscheinungsdatum: Oktober 2010

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