David gegen Goliath Die wahren Gesetze des Pokals

«Der Pokal hat seine eigenen Gesetze» ist eine fürchterlich abgedroschene Fußballphrase. Was aber verbirgt sich hinter der Worthülse? News.de hat herausgefunden, welchen Regeln der DFB-Pokal tatsächlich folgt.

DFB-Pokal: Wenn die Kleinen die Großen ärgern

Gesetz #1: Das Sterben der Bundesligisten

Da waren's nur noch zehn: Für gut die Hälfte aller Bundesligaklubs ist der Traum vom Titel und dem internationalen Geschäft regelmäßig bereits im Herbst ausgeträumt. Bis zum vergangenen Jahr waren es nie mehr als zehn (aber auch nie weniger als acht) Erstligisten, die den Sprung ins Achtelfinale des DFBDeutscher Fußballbund -Pokals schafften. Die Pokalsaison 2011/12 bildete da eine Ausnahme, da standen ausnahmsweise einmal zwölf Erstligisten in der Runde der letzten 16 Bundesligaklubs. Dafür blieben 2011 mit dem VfL Wolfsburg, Werder Bremen, Bayer Leverkusen und dem SC Freiburg gleich vier Eliteklubs in der 1. Runde hängen.

Gesetz #2: Echte Amateure schaffen keine Sensation

Echte Amateure schaffen es nicht ins Achtelfinale. In den vergangenen zehn Jahren ist kein Klub, der in der 5. Liga oder niederklassiger spielt, über die zweite Runde hinausgekommen. In dieser Saison haben die Ober- und Verbandsligisten FC Nöttingen (gegen Hannover 96), SV Falkensee-Finkenkrug (VfB Stuttgart), SC Victoria Hamburg (SC Freiburg), SV Rossbach/Verscheid (FSV Mainz 05), Offenburger FV (FC St. Pauli), FC Hennef (TSV 1860 München) und FC Schönberg 95 (VfL Wolfsburg) die Chance auf eine Pokalsensation.

Gesetz #3: Ein Überraschungsteam stört den Kreis der Etablierten

Vergangene Saison waren es Holstein Kiel (Viertelfinale) und die SpVgg Greuther Fürth (Halbfinale), im Jahr zuvor der MSV Duisburg und Energie Cottbus, vor drei Spielzeiten der FC Augsburg, davor Mainz 05 und in der Saison 2007/08 Carl-Zeiss Jena: Fast immer schafft es ein unterklassiges Team, den erlauchten Kreis der Halbfinalisten zu entern. Seit 2000 brachten es acht Mannschaften aus der 2. und 3. Liga (bis 2009: Regionalliga) in die Runde der letzten Vier. In der Saison 2003/04 und 2010/11 waren es mit Alemannia Aachen und dem VfB Lübeck sowie Duisburg und Cottbus sogar gleich zwei Teams. Ins Finale schafften es mit dem damaligen Regionalligisten Union Berlin (2000/01) und den Zweitligisten Alemannia Aachen (2003/04) und MSV Duisburg (2010/11) immerhin zwei der Underdogs. Und wer könnte in diesem Jahr zur Überraschungsmannschaft im Pokal avancieren? (Diskutieren Sie mit in der Kommentarbox unter dem Text)

Gesetz #4: Pokalfluch als Tradition

Es gibt Traditionsklubs, die haben im Pokal seit Jahrzehnten einfach nichts zu melden. Der Hamburger SV (zuletzt 1987 im Finale) gehört dazu, Eintracht Frankfurt (1988), der 1. FC Köln (1991) oder Hertha BSC (1979, 1993 waren die Hertha-Amateure im Finale). Aber auch Emporkömmlinge kommen nicht ohne Weiteres in den Genuss einer Fahrt zum Endspiel in die Hauptstadt: Von den aktuellen Erstligisten standen FC Augsburg, SC Freiburg, FSV Mainz 05 und TSG Hoffenheim noch nie im Finale von Berlin.

Gesetz #5: Das Finale ist eine klare Angelegenheit

Pokal-Feeling entsteht auch dadurch, dass es einen Sieger geben muss. Da der Wettbewerb von Beginn an in K.o.-Runden ausgetragen wird, wird jeder Fehler sofort bestraft. Und im Zweifel gibt es nach 90 Minuten Verlängerung beziehungsweise nach 120 Minuten Elfmeterschießen. Die berühmten Finals in Berlin («Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin») sind jedoch meist klare Angelegenheiten. So gab es in den vergangenen zehn Jahren nur zwei Verlängerungen und kein Elfmeterschießen. Zuletzt schoss der BVB Bayern München bekanntlich mit 5:1 ab.

Gesetz #6: Und am Ende steht Bayern München im Endspiel

Wer an DFB-Pokal und Bayern München denkt, hat unweigerlich die Bilder von 1994 vor dem geistigen Auge. Der Rekordmeister schied damals in der 1. Runde gegen Regionalligist TSV Vestenbergsgreuth aus - eine der größten Sensationen in der Geschichte des DFB-Pokals. Im neuen Jahrtausend allerdings hat der Rekord-Pokalsieger (15 Titel seit 1935) bereits sechs Erfolge gefeiert (2000, 2003, 2005, 2006, 2008, 2010). Mit welcher Konstanz die Bayern ins Finale vorstoßen ist beängstigend: Seit 1998 stand der Rekordmeister neun Mal im Endspiel - ebenfalls Rekord! Werder Bremen schaffte es in diesem Zeitraum auf fünf Final-Teilnahmen (drei Titel), Schalke auf vier (drei Titel).

Gesetz #7: Inflationäre Double-Siege

Massenware ist übrigens das Double geworden - also der Gewinn von Meisterschaft und Pokal innerhalb weniger Tage. Bis zum Jahr 2000 gelang das in der Historie nur vier Mannschaften: FC Schalke 04 1937, FC Bayern München 1969 und 1986 sowie dem 1. FC Köln 1978. Seit dem Millennium war der Deutsche Meister gleicht acht mal auch der Pokalsieger (6 x FC Bayern, 1 x Werder Bremen, 1 x Borussia Dortmund).  

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kru/phs/ivb/beu/news.de

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