Bundesliga am Sonntag Mainz grüßt wieder von oben

Die Überflieger aus Mainz sorgen weiter für Furore. Die Tuchel-Elf erobert durch einen Sieg in Leverkusen den Platz an der Sonne zurück. Der VfB Stuttgart kann wieder siegen und Antonio da Silva rettet dem BVB in letzter Sekunde einen Punkt.

Thomas Tuchel ist für sein Händchen bei Einwechslungen bekannt. Auch gegen Leverkusen bewies es der Mainzer Trainer mal wieder. Diesmal war es nicht Lewis Holtby, nicht Adam Szalai oder Sami Allagui, sondern Andreas Ivanschitz, der als Joker beim 1:0 (0:0)-Sieg stach.

In der 68. Minute brachte Tuchel den Österreicher und den künftigen Bayer-Profi André Schürrle. 105 Sekunden später bereitete Schürrle den entscheidenden Treffer durch Ivanschitz vor. Es war bereits das siebte Mainzer Jokertor der Saison. «Natürlich hätte ich in meinem neuen Zuhause gerne von Anfang an gespielt. Ich wollte der Mannschaft helfen und das hat super geklappt», sagte Schürrle, der zur kommenden Saison für knapp zehn Millionen Euro nach Leverkusen wechselt.

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Durch den achten Sieg im neunten Saisonspiel kehrten die Himmelsstürmer des FSV Mainz 05 an die Spitze zurück und zogen an Borussia Dortmund vorbei. Die Leverkusener verpassten durch die erste Niederlage seit Ende August vor 30.210 Zuschauern in der ausverkauften BayArena hingegen den Anschluss an die ersten beiden Plätze.

Mainz anfangs verunsichert

Mainz war die Verunsicherung nach der ersten Saisonniederlage gegen den Hamburger SV in der Vorwoche (0:1) zunächst allerdings noch deutlich anzumerken. Mit den drei defensiv eingestellten Mittelfeldspielern Simon Rolfes, Arturo Vidal und Lars Bender konnte Bayer früh den Angriffsdrang der Gäste stören. Ohne Abwehrchef Sami Hyypiä, der mit einem Außenbandriss im Fuß mehrere Wochen ausfällt, setzte die Werkself ihrerseits Akzente. Ein Kopfball des Schweizer Stürmers Eren Derdiyok (21.) aus elf Metern strich nur wenige Zentimeter am Pfosten vorbei. «Wir sind nicht so gut ins Spiel gekommen und hatten viele Fehler im Aufbau», bemängelte Schürrle.

Nach einer Großchance von Adam Szalai (24.), der den Ball über das Tor von René Adler lupfte, wachten die Gäste aus ihrer Lethargie auf, so dass sich ein offener Schlagabtausch entwickelte. Beide Teams konnten jedoch bis zur Halbzeit nicht unter Beweis stellen, warum sie vor der Partie mit jeweils 18 Treffern die zweitbesten Angriffe der Liga stellten. Zunächst hatte der Mainzer Keeper Christian Wetklo keine Mühe mit einem Derdiyok-Distanzschuss (35.). Nur eine Minute später wehrte auf der anderen Seite Nationaltorwart Adler einen Kopfball von Szalai aus kurzer Distanz mit einem starken Reflex ab.

Leverkusen zollt Tribut

Nach der Pause zollten die Leverkusener, die drei Tage zuvor in der Europa League bei Aris Saloniki (0:0) zahlreiche Stammspieler geschont hatten, ihrem hohen läuferischen Aufwand Tribut. «Wir haben personelle Engpässe und sind im Europapokal tätig. Das schlaucht natürlich und das hat man nach der Pause gemerkt», sagte Bayer-Trainer Jupp Heynckes angesichts fünf langzeitverletzter Profis.

Zwar blieb der Mainzer Jungstar Lewis Holtby beim überzeugenden Vidal weitgehend abgemeldet. Erneut war es aber Szalai, der das Bayer-Tor in Gefahr brachte. Den Flachschuss des Ungarn lenkte Adler in größter Not zur Ecke (55.). Wenig später versuchte Marco Caligiuri, aus aussichtsreicher Position einen Querpass selbst abzuschließen. In der 70. Minute sorgten Ivanschitz und Schürrle für unbändigen Jubel der Gäste-Fans. Sidney Sam traf für Bayer in der 80. Minute mit einer Direktabnahme nur die Latte.

Lesen Sie auf Seite zwei, wie sich der BVB schlug

Die Siegesserie ist gerissen. Dennoch lagen sich die BVB-Spieler nach der Partie in den Armen. Erst in der dritten Minute der Nachspielzeit rettete Joker Antonio da Silva den Dortmundern einen Punkt gegen Hoffenheim. Der 32-jährige Mittelfeldspieler sorgte mit einem direkt verwandelten Freistoß für das verdiente 1:1 (0:1) des BVB gegen 1899 Hoffenheim, durch das die Dortmunder die Tabellenführung wieder an die Mainzer abgeben.

Vor der bebenden Südtribüne genoss da Silva nach dem Spiel die Ovationen der Fans. «Ich habe den Ball vorher geküsst. Es war unsere allerletzte Chance. Gott sei Dank habe ich sie genutzt», sagte der Freistoßschütze.

Noch während sich die BVB-Profis von ihren Fans feiern ließen, bestürmten die wütenden Hoffenheimer Schiedsrichter Wolfgang Stark. Der entscheidende Freistoßpfiff des Unparteiischen nach einer angeblichen Regelwidrigkeit von Chinedu Obasi an da Silva brachte sie auf die Palme. «Ich war beim Schiedsrichter und habe ihm gesagt, dass es ein Foul an Obasi und nicht von Obasi war», klagte Ralf Rangnick. Stark gab seinen Fehler nach dem Studium der Fernsehbilder zu. «Wenn man das hier so sieht, dann hat er den Ball gespielt. Der Schiedsrichter hat eine gewisse Wahrnehmung und deswegen habe ich so entschieden», sagte er dem Pay-TV-Sender Sky.

Rangnick: «Das fühlt sich an wie eine Niederlage»

Sichtlich verärgert trauerte Gäste-Trainer Rangnick der vergebenen Chance auf einen Sieg nach: «Das fühlt sich an wie eine Niederlage, nicht wie ein Punktgewinn.» Zu allem Überfluss verlor Hoffenheim nicht nur zwei Punkte, sondern auch noch Sejad Salihovic. Der Mittelfeldspieler sah im hektischen Getümmel um den Schiedsrichter nach dem Schlusspfiff die Gelb-Rote Karte.

Dagegen traten die Dortmunder nach dem Schlusspfiff wie Sieger auf. Zwar verpassten sie den avisierten Vereinsrekord mit acht Siegen in Serie, werteten den späten Ausgleichstreffer aber als verdienten Lohn für harte Arbeit. «Ich würde sagen, es war ein glücklicher Punktgewinn von Hoffenheim», kommentierte Manndecker Mats Hummels.

Schiri Stark bringt auch Klopp auf die Palme

Nur drei Tage nach dem unglücklichen 1:1 in der Europa League gegen Paris St. Germain mangelte es der zuletzt hochgelobten Borussia jedoch lange Zeit an zündenden Ideen. Anders als in den vergangenen Wochen suchten sie nach dem frühen Rückschlag durch Demba Ba (9. Minute) ihr Glück mit der Brechstange. Für die fehlende Spielkunst machte Hummels die Terminhatz der vergangenen Wochen verantwortlich: «Die letzten drei Spiele waren unglaublich eng und anstrengend.»

Den Last-Minute-Treffer von da Silva empfand BVB-Coach Jürgen Klopp als Ausgleich für einige unglückliche Entscheidungen des Schiedsrichters in den Spielminuten zuvor. So hatte Stark dem erfolgreichen ersten Elfmeter von Nuri Sahin (15.) die Anerkennung verweigert, weil Torjäger Lucas Barrios zu früh in den 16-Meter-Raum gelaufen sein soll. Im zweiten Anlauf scheiterte der Türke beim Versuch, schon früh für den Ausgleich zu sorgen. «Das ist ja wahnsinnig, lächerlich», klagte Klopp, «das ist an Ungerechtigkeit kaum mehr zu überbieten.»

Sein Team brauchte lange, um sich vom hektischen und missratenen Auftakt zu erholen. Zwar bestimmte die BVB-Elf das Spiel, fand aber keine probaten Mittel, um die gut organisierte Hoffenheimer Abwehr in Verlegenheit zu bringen. Bis zur Pause verpufften nahezu alle Angriffsversuche wirkungslos. Doch der mit dem späten Ausgleich belohnte Sturmlauf nach Wiederanpfiff ließ Klopp seinen Ärger vergessen: «Was wir in der zweiten Halbzeit abgerissen haben, war unglaublich - ich bin superstolz».

Lesen Sie auf Seite drei, wie der VfB seinen zweiten Sieg feierte

Der VfB Stuttgart hat einen großen Schritt aus seiner sportlichen Misere gemacht. Durch den glücklichen 2:0 (1:0)-Sieg gegen den FC St. Pauli sprangen die Schwaben in der Tabelle vom letzten auf den 14. Platz, blieben zum ersten Mal in dieser Saison drei Pflichtspiele nacheinander ungeschlagen und setzten den Aufwärtstrend unter seinem neuen Trainer Jens Keller fort. Die VfB-Treffer erzielten Georg Niedermeier in der 19. Minute und Zdravko Kuzmanovic (79.).

Um seiner größten Sorgen ledig zu sein, spielte der VfB allerdings auch diesmal zu schwach. «Ich bin erster Linie froh, dass wir gewonnen haben. Es zählt einfach nur der Dreier. Man hat von Anfang gesehen, unter welch großem Druck wir standen», sagte Keller nach dem Schlusspfiff erleichtert.

Die Kiez-Kicker hatten vor 40.000 Zuschauern in der ausverkauften Mercedes-Benz-Arena die deutlich besseren Torchancen. «Wir haben heute einen sehr sehr guten FC St. Pauli gesehen. Wir haben viele Sachen richtig gemacht, nur leider in der entscheidenden Situation in der 19. Minute bei einer Standardsituation geschlafen», klagte Gäste-Trainer Holger Stanislawski. Für die bisher so auswärtsstarken Hamburger bleibt Stuttgart ein schlechtes Pflaster mit nur einem Punkt in acht Partien. Sie rutschten auf Rang zehn ab.

Stuttgarter Fehlpässe und «Fehlkäufe»

Auch nach der frühen Führung legten die Gastgeber ihre Verunsicherung nicht ab. Viele Stuttgarter Fehlpässe ermöglichten den spielerisch stärkeren Hamburgern in einer ansehnlichen Partie Möglichkeiten, die jedoch nicht genutzt wurden. Vor dem Spiel hatte VfB-Präsident Erwin Staudt eingeräumt, dass die Personalpolitik vor dieser Saison nicht glücklich gewesen ist. «Ein paar Fehleinkäufe waren sicherlich dabei», sagte der 62-Jährige dem Magazin Focus. «Dies versuchen wir nun zu verbessern».

VfB-Trainer Jens Keller hatte seine Anfangself im Vergleich zum 1:0 in der Europa League gegen Getafe auf drei Positionen verändert. Überraschend stürmte Pawel Pogrebnjak anstelle des Donnerstags-Torschützen Ciprian Marica. «Das Spiel hat sehr viel Kraft gekostet. Ich wollte einen frischen Mann bringen», begründete Keller am Sky-Mikrofon seinen Wechsel. Christian Genter begann im Mittelfeld für Mauro Camoranesi, Serdar Tasci kam in der Innenverteidigung für Khalid Boulahrouz. St. Pauli spielte unverändert in Bestbesetzung.

Die Gäste erwischten den besseren Start. In der ersten Viertelstunde zeigten die Hamburger alles, was Stuttgart in dieser Saison bisher so oft fehlte: Selbstvertrauen, Mut und ein geschlossenes Team. Fast aus dem Nichts fiel dann die Führung der Gastgeber: Nach einer Ecke von Timo Gebhart stieg Niedermeier höher als zwei gegnerische Abwehrspieler und köpfte zum 1:0 ein.

Lattenknaller von Zambrano

Die Führung gab den Schwaben zwar mehr Schwung, aber längst keine Sicherheit. Zusammenhängende Offensivaktionen waren Mangelware, Gefahr gab es nur durch einen Weitschuss von Zdravko Kuzmanovic (22.). Auf der Gegenseite zeigte VfB-Schlussmann Sven Ulreich einen glänzenden Reflex beim Schuss von Matthias Lehmann (23.) und hatte Glück beim Lattenknaller von Carlos Zambrano (31.).

Auch in der zweiten Hälfte blieb St. Pauli am Drücker und hatte durch Marius Ebbers (48.) und Max Kruse (54.), bei dessen Schuss Tasci artistisch auf der auf der Torlinie klärte, die Chance zum hochverdienten Ausgleich. Stuttgart begnügte sich damit, das Ergebnis über die Zeit zu bringen. Einen der wenigen Konter verwertete der kampfstarke Kuzmanovic nach Vorarbeit des eingewechselten Marica eiskalt zur Entscheidung.

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phs/cvd/news.de/dpa

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Redaktion
  • Kommentar 2
  • 25.10.2010 12:31
Antwort auf Kommentar 1

Hallo Gustav, wir haben uns deine Kritik zu Herzen genommen und das Ergebnis in den ersten Absatz gepackt. Wir sind aber der Meinung, dass das Ergebnis nicht immer gleich im ersten Satz stehen muss.

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  • Gustav
  • Kommentar 1
  • 24.10.2010 20:10

liebe sportredaktion, es zeugt nicht von professionellem journalismus, wenn man das mainz-ergebnis erst auf der zweiten seite und dort verklausoliert (Siegtreffer zum 1:0) erfährt. es wäre doch ganz einfach gewesen, im ersten satz zu schreiben: ...durch einen 1:0-sieg... gruß, gustav

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