Spielervermittler Mehr Freund als Berater

Spielerberater im Wandel (Foto)
Freund statt Schattenmann: Die Beraterbranche öffnet sich. Bild: imago

Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur
Thomas Noack hat gerade den dicksten Fisch der Bundesliga an der Angel: den Mainzer Shootingstar Lewis Holtby. Der Spielerberater steht für einen Wandel in der Branche: Er will betreuen statt abzuzocken.

Mit Lewis Holtby fing alles an. Als Thomas Noack vor fünf Jahren in der B-Jugend von Alemannia Aachen als Torwarttrainer aushalf, lernte er den damals 15-Jährigen kennen. «Das klingt jetzt blöd», sagt Noack, «aber ich habe ihn spielen sehen und damals schon gefühlt, was bei ihm möglich ist.» Der frühere Torhüter arbeitete zu dieser Zeit in einer Werbeagentur und begann «spaßeshalber nebenbei» gemeinsam mit Holtby an dessen Karriere zu feilen. «Wir haben uns gefragt: Was kann ich für Lewis tun? Welche Puzzleteile fehlen auf dem Weg zur Profikarriere?», sagt Noack.

Aktuell ist Lewis Holtby der Shootingstar der Bundesliga und Thomas Noack - seit 2008 lizenzierter Spielerberater des DFBDeutscher Fußballbund - noch immer dessen «sportlicher Freund und Partner». Das Wort «Spielerberater» mag Noack nicht. «Die Bezeichnung hat keinen guten Ruf, und das auch zu Recht», sagt der Rheinländer. So gebe es beispielsweise Berater, die eine Vielzahl an Spielern betreuten, von denen jedoch nur einige «durchkommen», wie Noack sagt. «Der Rest fällt hinten über.»

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«Viele Spieler werden in der Tiefe nicht richtig betreut»

Der 32-jährige Branchenneuling hat festgestellt, dass «bei vielen Spielern die Nachhaltigkeit in der Beratung fehlt, dass sie in der Tiefe nicht richtig betreut werden. Ich will keinen Kollegen schlecht machen, ich beobachte nur», sagt er.

Der Ansatz von Noack, der seine Spieleragentur gemeinsam mit seinem Bruder Marcus betreibt, ist ein anderer. «Bei uns steht die sportliche Entwicklung der Spieler im Vordergrund, nicht der finanzielle Aspekt», sagt er. Ganz im Gegenteil zu den Klischees, die für seine Branche gelten: Spielerberater pokern um möglichst hohe Verträge, leiten so oft wie möglich Transfers ein - und gelten deshalb als die heimlichen Strippenzieher im Profifußball. 

Noack legt seinen Fokus eher auf ein intensives, reflektiertes und freundschaftliches Verhältnis zu seinen Spielern, zu denen auch der Schalker Christoph Moritz gehört. Ärzte und Pädagogen würden in diesem Zusammenhang wohl von einem ganzheitlichen Ansatz sprechen.

«Der Fußball ist im Wandel», erklärt Noack. «Das sieht man in Mainz, wo gerade gezeigt wird, dass man mit Freude, Liebe und Aufrichtigkeit Erfolg haben kann. Dieser Erfolg hat eine gesunde Basis und ist deswegen nachhaltig. Wenn man das selber fühlt, kann man das auch auf einen Spieler übertragen.»

«Nicht nur Schlafen, Essen, Sex und Fußball»

Zum Jugendstil in der Bundesliga, wo Spieler wie Holtby, André Schürrle und Mario Götze für Furore sorgen und Dreitagebart-Trainer wie Thomas Tuchel und Jürgen Klopp en vogue sind, passt Noacks Philosophie hervorragend. Wenn Noack und Holtby täglich telefonieren, drehen sich die Themen nicht nur um Fußball. «Es geht für Spieler auch darum, den eigenen Horizont zu erweitern, in dem man sich seiner selbst bewusster wird. Nur um Schlafen, Essen, Sex und Fußball sollte sich die eigene Welt nicht drehen. Fußball ist nicht das Einzige im Leben», sagt Noack. Für einen Vertreter eines Berufsstandes, der von Fußballbesessenheit lebt, eine ungewöhnliche Einsicht.

Bei Holtby hat Noack ausgemacht, dass im Umfeld des 20-Jährigen «sehr viel» stimmt. Es sei einfach wenig Chaos um Holtby herum - zunächst der Verdienst von Holtby selbst, aber auch der von Thomas Noack. «Es ist hinsichtlich der Betreuung noch viel mehr möglich, das Potenzial eines Spielers auszuschöpfen», glaubt er. «Das kann mit viel persönlicher Arbeit, Beobachtung und Einordnung des Ganzen geschehen und vor allem mit mehr Nachhaltigkeit und Tiefe in der Beziehung zwischen Spieler und Spielerberater.» Der Erfolg seines Freundes Lewis Holtby gibt Noack recht.

kru/phs/reu/news.de

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