VfB Stuttgart Gross muss gehen - Keller übernimmt

Christian Gross (Foto)
Christian Gross muss den VfB Stuttgart nach weniger als einem Jahr verlassen. Bild: imago

Der VfB Stuttgart zieht die Reißleine: Als erster Bundesligaverein entlassen die Schwaben in dieser Saison ihren Trainer. Der Tabellenletzte trennt sich mit sofortiger Wirkung von Christian Gross. Vor dem Kellerduell mit Schalke übernimmt nun Co-Trainer Jens Keller das Ruder.

Der VfB Stuttgart bleibt sich treu: Erneut haben sich die Schwaben im Rahmen ihrer seit Jahren wiederkehrenden «Herbstdepression» von einem Trainer getrennt. Dieses Mal hat es Christian Gross getroffen, der nach dem schlechtesten Bundesliga-Start seit 36 Jahren und nur rund zehnmonatiger Amtszeit gefeuert wurde.

Ein Nobody als «Boss auf Probe»

Nun will das Tabellen-Schlusslicht mit dem 39 Jahre alten Nobody Jens Keller die Abstiegsängste bannen. Der bisherige Assistent ohne Cheftrainer-Erfahrung im Profifußball soll die verunsicherte Elf aus der Krise führen, ist aber nur ein «Boss» auf Probe. «Wir werden die Entwicklungen in den kommenden Wochen und Monaten abwarten», sagte Präsident Erwin Staudt.

Magath, Trappatoni & Co.
Prominenz auf der VfB-Bank

Mit Keller, der beim «Krisen-Gipfel» am Samstag beim Vorletzten Schalke 04 erstmals auf der Bank sitzen wird, also aus dem Keller? Klappt es, bleibt er. Geht es schief, kommt der nächste. Auch bei Gross-Vorgänger Markus Babbel verfuhr der VfB so, als der heutige Trainer von Zweitligist Hertha BSC im Herbst 2008 den früheren Meistermacher Armin Veh ablöste. «Für uns war jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem wir Akzente setzen mussten», erklärte Staudt. «Das ist die schwierigste Situation in unserer Bundesliga-Geschichte. Es ist ein Ausnahmezustand.»

Erschreckende Trainer-Bilanz

Zudem stehen in der kommenden Woche gleich zwei Spiele an, in der Europa League gegen den FC Getafe und in der Liga gegen St. Pauli. Erschreckend ist die Trainer-Bilanz allemal: Einschließlich Veh, der ebenfalls nach einem schwachen Saisonauftakt gehen musste, hat der VfB in Keller jetzt den vierten Trainer in nicht einmal 24 Monaten.

VfB feuert Gross
Jojo-Klub Stuttgart
Video: news.de

Unter Gross gewannen die Schwaben von den bisher sieben Erstliga-Partien nur eine, verloren aber sechs. Damit zeigte sich bei dem Schweizer das gleiche Muster wie bei Babbel, der den VfB einst aus der Krise in die Champions League geführt hatte: vom Rückrundenhelden zum Sündenbock in der Krise. Da half es Gross auch nicht mehr, dass er den Klub im Vorjahr aus der Abstiegszone bis in die Europa League gelotst hatte - und es dort einen halbwegs gelungenen Start gab.

Keller will es rustikal versuschen

Für Staudt ist klar, dass es nun nur um den «Klassenerhalt» geht. Allerdings hat der frühere VfB-Linksverteidiger Keller trotz Fußballlehrer-Lizenz auf der Bank nur wenig vorzuweisen: Coach der VfB-B-Jugend, dann A-Jugend und seit Dezember Gross-Assistent. «Uns war schnell klar, dass wir eine interne Lösung suchen», erklärte Sportdirektor Fredi Bobic. «Die VfB-Familie muss näher zusammenrücken.» Keller versucht es erst einmal rustikal. «Ich war ja selbst kein Filigraner», erklärte der 142-fache Bundesliga-Profi. «Ich möchte jetzt Herz, Wille und Leidenschaft auf dem Platz. Die Spieler müssen jeden Zentimeter umgraben.» Das Spielerische komme später.

Diese Motivation hatten Bobic und Staudt wohl zuletzt bei Gross vermisst. Man sei in Gesprächen mit dem 56-Jährigen zum Schluss gekommen, «dass es nicht viel besser wird», sagte Bobic. Ein schlechtes Verhältnis zum früheren Erfolgs-Coach des FC Basel, der einst auch bei Tottenham Hotspur scheiterte, bestritt er erneut.

Gross hatte zuletzt eigene Fehler eingestanden, aber auch die Sparpolitik des Vereins kritisch gesehen - und sich damit bei den VfB-Oberen nicht beliebt gemacht. Der Etat wurde anlässlich des etliche Millionen Euro verschlingenden Stadionumbaus zurückgefahren, Gross konnte daher keinen hochkarätigen Ersatz für Sami Khedira (zu Real Madrid) oder Torwart Jens Lehmann (Karriereende) verpflichten. Auch die Jugendphilosophie des VfB trug er nicht voll mit. Zudem konnte die Mannschaft ihre Qualität kaum einmal abrufen, nachdem die Vorbereitung wegen der teilweise späten Rückkehr der Nationalspieler von der WM und einigen Verletzungen unglücklich verlaufen war.

phs/kru/sca/ivb/news.de/dpa

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