Deutschland vs. Türkei Deutscher Auswärtssieg in Berlin

Deutschland (Foto)
Mesut Özil (M.) jubelt mit seinen Teamkollegen Lukas Podolski (v.l.), Sami Khedira, Philipp Lahm und Thomas Müller nach seinem Treffer zum 2:0. Bild: ap

Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur , Berlin
Ein berauschendes Fußballfest: Im Schlüsselspiel der EM-Qualifikationsgruppe A deklassiert die deutsche Nationalmannschaft die «Gäste» aus der Türkei. Dabei waren die Kräfteverhältnisse auf den Rängen klar zugunsten der Türken verteilt.

Das Duell begann lange bevor die Fußballer das erste Mal den Rasen betraten. Gut eine Stunde vor Anpfiff des EM-Qualifikationsspiels zwischen dem Team des Deutschen Fußballbundes (DFBDeutscher Fußballbund ) und der Türkei lieferten sich die Fans beider Lager einen herzhaften, aber völlig friedlichen Schlagabtausch: Die Anhänger der Türkei pfiffen, was das Zeug hielt, die zahlenmäßig deutlich unterlegenen deutschen Fans antworteten so laut es ging mit «Deutschland»-Rufen, bis sich das Spiel umkehrte und die «Türkiye, Türkiye»-Gesänge der Gäste mit ordentlich Lärm von den deutschen Rängen beantwortet wurden - die Vorteile unter den 74.244 Zuschauern lagen dabei eindeutig auf Seiten der Türken, die das Olympiastadion zu etwa zwei Dritteln besetzten.

Bilder des Spiels
Mesuts türkisches Feuer

Als etwa eine halbe Stunde später die Kicker beider Nationen zum Warmmachen einliefen und schließlich zu den Nationalhymnen Aufstellung nahmen, wiederholte sich der Spaß. Eine gelungene Einstimmung mit Gänsehaut-Atmosphäre auf ein Spiel, das im Vorfeld für so viel Wirbel gesorgt hatte, wie bislang kaum ein anderes EM-Qualifikationsspiel in der Geschichte des DFB. Die Partie wurde zum Integrationsgipfel ausgerufen; ein Fußballspiel, dass nach der unwürdigen Sarrazin-Debatte als Symbol für friedliches und respektvolles Zusammenleben zwischen Deutschen und Migranten herhalten musste.

Doch zumindest die deutsche Mannschaft ließ sich von den Diskussionen nicht beeindrucken und lieferte ein großartiges, streckenweise begeisterndes und faires Fußballspiel ab. Über weite Strecken spielte das DFB-Team genauso beeindruckenden Kombinationsfußball wie bei der Weltmeisterschaft in Südafrika und gewann die Partie klar mit 3:0 (1:0). Die deutschen Anhänger sangen ob des ungleich verteilten Kräfteverhältnisses auf den Rängen: «Auswärtssieg, Auswärtssieg.» Auch Bundestrainer Jogi Löw sagte nach der Partie: «Es war eine besondere Situation, das war fast schon ein Auswärtsspiel für uns. Aber die Mannschaft hat verdient gewonnen, eine Top-Laufleistung abgeliefert und die Willenskraft gehabt, so ein wichtiges Spiel zu gewinnen.» Sein Kollege Guus Hiddink sagte: «Ich bin mir sicher, dass der Sieg für Deutschland in Ordnung geht. Wenn man nur den Ball halten, aber nicht verwerten kann, ist das zu wenig. Das macht den Unterschied.»

Kroos ersetzte Schweinsteiger glänzend

Nach einer kurzen Abtastphase entwickelte sich in der ersten Halbzeit ein offensiv geprägtes, tolles Fußballspiel, in dem zunächst die Türken den agileren Start erwischten Kapitän Emre gab den ersten Torschuss der Partie ab. Nach einigen vielversprechenden Halbchancen (Klose, Khedira) hatte der über das ganze Spiel hinweg gnadenlos ausgepfiffene Mesut Özil die erste echte Torgelegenheit für die deutsche Mannschaft. Nach einem schönen Doppelpass mit Sami Khedira zog der 21-Jährige an der Strafraumgrenze ab, der türkische Torhüter Volkan Demirel hatte Mühe, zur Ecke zu klären (16.).

Nach der Einwechslung von Tuncay (23.), der für den verletzten Mehmet Aurelio ins Spiel kam und auf die Spielmacherposition der Türken rückte, kam wieder mehr Bewegung in das türkische Spiel. So musste Innenverteidiger Holger Badstuber in höchster Not vor dem etwas zu langsamen Halil Altintop klären (36.). Toni Kroos, der überall auf dem Feld zu finden war, Verantwortung übernahm und den verletzten Bastian Schweinsteiger glänzend ersetzte, eröffnete die intensivste Phase der deutschen Elf mit einer gefährlichen Ecke (38.) und einem gefährlichen Distanzschuss (40.).

Fußball
Nationalspieler mit ausländischen Wurzeln

Nach einer Hereingabe von Lahm klärte Volkan einen Kopfball von Thomas Müller noch an die Latte, von der die Kugel direkt an die Füße von Miroslav Klose prallte, der aus Nahdistanz nur noch einzunicken brauchte: 1:0 (42.)! Die verbleibenden Minuten bis zur Pause bot die deutsche Mannschaft tollen Angriffswirbel, Per Mertesacker hatte nach einem Freistoß per Kopf kurz vor der Pause noch eine Großchance (45.+5).

Özil versetzte den Türken den Todesstoß

Nach der Pause zunächst das gleiche Bild: Die Türkei war durch den Gegentreffer geschockt, das deutsche Team bot tollen Angriffsfußball. Wieder hatte der offensiv wie defensiv starke Kroos nach einer Hereingabe des agilen Philipp Lahm eine gute Möglichkeit (47.). Nach der ersten Drangphase des DFB-Teams erholte sich jedoch auch die Türkei kurzzeitig von der Schockstarre. So hatte der in der Bundesliga für Eintracht Frankfurt spielende Halil Altintop die größte Gelegenheit für die Gäste, als er allein vor dem deutschen Tor auftauchte, aber am souveränen Manuel Neuer scheiterte (53.).

Danach spielte das Halbmond-Team zwar noch ab und an gefährliche Konter, die gut eingestellte deutsche Verteidigung ließ jedoch keine echte Chancen mehr zu. Auf der anderen Seite hätte Lukas Podolski in der 70. Minute die Pflicht gehabt, auf 2:0 zu erhöhen. Nach einem herausragendem Dribbling des in Hälfte zwei stark verbesserten Özil hob Poldi die Arme schon zum Torjubel. Sein Schuss aus sieben Metern raste jedoch am Tor der Türken vorbei (70.). Sträflicher kann man eine Chance nicht vergeben. Wenn es etwas am deutschen Spiel zu kritisieren gab, dann war es die Auswertung der vielen Chancen (Müller, 74.) und dass zu wenig über die linke Seite zustande kam, wo Heiko Westermann und Lukas Podolski blass blieben.

Während die türkischen Fans zwar bengalische Feuer zündeten, aber langsam leiser wurden und die deutschen Anhänger nun den Ton im Stadion angaben, schnürte die Löw-Elf ihren Gegner ein. Emre, Sahin & Co. waren komplett unterlegen und fügten sich in die Niederlage. Ausgerechnet Özil versetzte der Mannschaft aus dem Land seiner Vorfahren den Todesstoß. Herrlich freigespielt von Lahm tauchte der gebürtige Gelsenkirchener frei vor dem türkischen Tor auf und ließ Volkan beim 2:0 keine Chance (79.). Den Schlusspunkt einer aus deutscher Sicht phasenweise berauschenden Partie setzte Miroslav Klose, der nach einem viel zu kurzen Abschlag von Volkan gegen wehrlose Türken zum 3:0 erhöhte (87.). Der Party-Schlager «Es ist so ein schöner Tag» tönte durchs halbleere Stadion. Die türkischen Fans waren bereits gegangen.

Das Spiel zum Nachlesen im news.de-Liveticker

cvd/news.de

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  • 10.10.2010 21:51

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