Radsportler Förster «Voigt muss man vom Rad schießen»

Milram-Profi Förster (Foto)
Matschig: Robert Förster bei einem seiner Siege. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Michael Heinrich
Das Team Milram ist in Auflösung begriffen. Sprinter Robert Förster ist einer der Fahrer, die ihre Zukunft gesichert haben. News.de spricht mit dem 32-Jährigen über seine schwierige Zeit bei Milram, neue Perspektiven und Dauerbrenner Jens Voigt.

Sie haben am Wochenende mit dem Münsterland-Giro das letzte Rennen für Milram bestritten. Was kommt jetzt?

Förster: Ich werde erstmal die Füße hochlegen, in den Urlaub fahren und im November erst wieder mit dem Training anfangen. Die Form ist zwar derzeit da, dass ich bis Oktober noch fahren könnte, aber ich habe jetzt schon über hundert Renntage. Der Kopf ist kaputt.

Ist das Folge der schwierigen Saison durch die feststehende Auflösung des Teams?

Förster: Ja, es belastet, wenn man im Frühjahr schon weiß, dass im Herbst Schluss ist. Jeder macht, was er will, versucht seinen eigenen Arsch zu retten. Für einen Sprinter ist das natürlich schlecht, weil ich insofern auf Hilfe angewiesen bis, als dass mich die Kollegen für das Finish in eine gute Position bringen.

Wie viele Ihrer Milram-Kollegen haben ihre Zukunft sichern können, indem sie ein neues Team gefunden haben?

Förster: Ich schätze die Hälfte versucht noch, einen neuen Vertrag zu bekommen. Das ist aber nicht ungewöhnlich, das Wechselkarussel dreht sich noch bis Anfang November. Es wird jedoch schwer. Das Ausland ist am attraktivsten, aber die Plätze sind rar. Früher waren es fünf Deutsche, die einen Vertrag in Spanien, Italien oder Frankreich haben wollten, in diesem Jahr sind es 30.

Sie selbst haben mal gesagt, Deutsche seien im Ausland nicht beliebt. Jetzt fahren Sie selbst für eine ausländisches Team. Was hat den Ausschlag für Ihren Wechsel zu Unitedhealthcare-Maxxis gegeben?

Förster: Die Situation in Deutschland ist einfach schlecht. Ich habe eine neue Herausforderung. In einem amerikanischen Team herrscht eine ganz andere Mentalität. Ich will wieder Spaß am Radfahren haben. Die letzten Jahre liefen eher nach dem Motto: «Lenker runter und durch».

Nichtdestotrotz ist es ein Abstieg von einem ProTour-Team zu einem der zweiten Kategorie ...

Förster: Ich habe mir das wirklich lange überlegt. Bei den ProTour-Teams war die Position als erster Anfahrer, die ich gerne gehabt hätte, besetzt. Und ich glaube, manchmal ist ein Schritt zurück einer nach vorne. Unitedhealthcare hat mich gefragt, ob ich als Kapitän und erster Sprinter das Team führen will. Daraufhin habe ich ja gesagt.

Wann kam der Kontakt zustande?

Förster: Während der Vuelta, nach der Vuelta habe ich dann unterzeichnet.

Ein ausländisches Team hat andere Prioritäten. Wie sieht der Rennkalender 2011 aus?

Förster: Das Team plant 70 Renntage in Europa, 50 in Asien und über 120 in Amerika. In Deutschland gibt es ja ohnehin kaum noch Rennen. Und es ist doch schön, etwas Abwechslung zu haben. Ich bin jetzt acht Jahre lang im Mai den Giro d'Italia gefahren, nächstes Jahr dafür eben die Tour of California. Im Alltag ändert sich außerdem für mich nichts. Ich trainiere weiterhin in der Gegend um Leipzig.

Jens Voigt hängt noch eine Saison dran und fährt damit also mindestens bis er 40 Jahre alt ist. Könnten Sie sich auch noch ein paar Jahre im Sattel vorstellen?

Förster: Ich möchte noch zwei, drei Jahre Fahren, aber nicht bis ich 40 bin! Voigt muss man vom Rad schießen, sonst fährt der noch länger. Im Ernst, «Voigte» ist mit niemanden zu vergleichen. Wenn der eine Nummer hinten drauf hat, ist er ein anderer Mensch.

kru/news.de

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