Das letzte Aufgebot der DDR
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Von news.de-Redakteur Ullrich Kroemer
Artikel vom 02.09.2010
Länderspiel gegen Belgien: Fast auf den Tag genau vor 20 Jahren absolvierte die Auswahl der DDR in Brüssel ihr letztes Spiel. «Zaubermaus» Dariusz Wosz war damals dabei. Im Gespräch mit news.de erinnert er sich an das historische Spiel einer Notelf und eine Zeit im Umbruch.
Mit 19 Jahren gab Dariusz Wosz im März 1989 sein Debüt für die DDR-Nationalmannschaft, als die Mauer fiel, war er gerade 20. Ein knappes Jahr später absolvierte er sein siebtes und letztes Länderspiel für den in der Auflösung begriffenen Staat. Die Abschiedspartie der Auswahl des Fußballverbandes der DDR (DFV) fand vor fast genau 20 Jahren, am 12. September 1990, in Brüssel gegen Belgien statt. Das Freundschaftsspiel war eigentlich als EM-Qualifikationsspiel angesetzt worden, doch der Verband hatte die Meldung für die Quali zurückgezogen. Etwa sechseinhalb Jahre später lief Wosz dann wieder im Nationaltrikot auf - für das DFB-Team.
Dariusz Wosz, am Freitag spielt die deutsche Nationalmannschaft gegen Belgien - fast auf den Tag genau 20 Jahre nach dem letzten Länderspiel der DDRAm 12. September 1990 absolvierte die DDR-Auswahl in Brüssel das letzte Länderspiel ihrer Geschichte. Endstand: 2:0 für Matthias Sammer, Dariusz Wosz & Co. . Wie oft haben Sie in den letzten Tagen an dieses letztes Spiel im DDR-Dress gedacht?
Dariusz Wosz: Gar nicht. Das ist immerhin 20 Jahre her.
Aber es war doch ein historisches Spiel ...
Wosz: Na klar, das weiß ich heute. Aber wir wussten damals nicht, dass es tatsächlich das letzte ist. Im November 1990 sollte ursprünglich noch ein Länderspiel stattfinden - gegen Deutschland.
Zu diesem Wiedervereinigungsspiel in Leipzig ist es aufgrund von FankrawallenMike Polley, Fan des BFC Dynamo, wurde am 3. November 1990 bei Fankrawallen in Leipzig durch einen Polizisten erschossen. nie gekommen. Wie haben Sie die Stimmung in der Mannschaft wahrgenommen?
Wosz: Wir waren enttäuscht, dass so viele abgesagt haben. Thomas Doll, Ulf Kirsten, Andreas Thom hatten abgesagt ...
Alle aus fadenscheinigen Gründen, Rico SteinmannDer Chemnitzer Steinmann galt als das größte Talent des DDR-Fußballs, setzte sich aber in der Bundesliga nie durch. fehlte auch ...
Wosz: ... richtig. Das war schon bitter für uns. Es wurde sogar darüber diskutiert, ob man das Spiel ganz absagen muss, weil so viele gefehlt haben.
Wie groß war denn das Häuflein der letzten Aufrechten?
Wir waren 16, glaube ich. 14 davon haben gespielt. Torwart Jens Adler, der damals mit mir im VereinWosz und Adler spielten in Halle beim HFC Chemie. war, wurde in der 90. Minute eingewechselt.
Weshalb war es Ihnen ein Bedürfnis, bei diesem Spiel dabei zu sein?
Wosz: Für mich war es damals eine Ehre zu spielen, und ich wollte einfach bei den letzten Spielen noch dabei sein.
Haben Sie von dem Spiel noch ein Erinnerungsstück aufgehoben?
Wosz: Ein DDR-Trikot habe ich nicht, das ging alles viel zu schnell. Ich glaube, ich habe von den Belgiern noch ein Trikot in meiner Kiste.
Die Mannschaft hat gegen Belgien ein gutes Spiel gemacht. Wie hat es Trainer Eduard Geyer geschafft, Sie zu motivieren?
Wosz: Das war gar nicht nötig. Wir wussten, dass es eines der letzten Länderspiele sein würde. Für uns war es wichtig, dass wir uns vernünftig verkaufen.
Auch um sich den Scouts aus dem Westen zu zeigen?
Wosz: Nein, daran dachten wir nicht. Alle Spieler die damals dabei waren, hatten vorher schon Kontakt zu Klubs aus der Bundesliga, die ihr Interesse bekundet hatten.
Wie war das bei Ihnen?
Wosz: Ich hatte schon zu Bochum Kontakt, aber damals hatte der VfL noch nicht genügend Kohle, um mich zu verpflichten.
Nach dem letzten Auftritt für die DDR hat es etwa sechseinhalb Jahre gedauert, bis Sie wieder ein Länderspiel absolviert haben - diesmal für die DFB-Auswahl.
Wosz: Ich wollte eigentlich für Polen spielen, aber leider haben mich die internationalen Verbände nicht gelassen, weil ich schon Quali-Spiele für die DDR gemacht hatte. Klaus Toppmöller hat mir damals gesagt: Spiel doch für Polen. Aber der Antrag wurde abgeschmettert. Da war ich sauer. Ich bin in Polen geboren und hätte mir da von den Offiziellen etwas mehr Verständnis erhofft. Sicher hätte ich für Polen mehr als 17 Länderspiele gemacht.
Haben Sie es dennoch als Ehre empfunden, später in 17 Länderspielen das DFB-Dress zu tragen?
Wosz: Na klar, das ist doch das Größte, wenn man für Deutschland spielt. Es war für mich eine Riesensache, in meinem ersten Spiel für die Nationalmannschaft das Tor gegen IsraelFreundschaftsspiel gegen Israel am 26. Februar 1997, Woszs einziger Treffer für das DFB-Team. zu erzielen.
Zur Person: Dariusz Wosz wurde im polnischen Piekary Slaskie in Schlesien geboren. 1991 wechselte er vom damaligen Zweitligisten Hallescher FC zum VfL Bochum, wo er insgesamt 346 Spiele in der 1. und 2. Liga absolvierte. Von 1998 bis 2001 war Wosz bei Hertha BSC aktiv; von 1997 bis 2000 machte er 17 Länderspiele. In der vergangenen Saison stand der einstige Spielmacher als Interimstrainer für zwei Spiele in der Bundesliga an der Seitenlinie. Aktuell arbeitet er als Nachwuchstrainer beim VfL Bochum.
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