«Es geht auch ohne Dirk»
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Von Lars Reinefeld
Artikel vom 30.08.2010
Deutschlands Basketballer sind bei der WM auf Kurs. Wichtiger als der große Schritt in Richtung Achtelfinale ist der psychologische Effekt des Erfolges gegen Serbien. Endlich haben die «jungen Wilden» einen Großen geschlagen. Und das, wie Matchwinner Jan-Hendrik Jagla feststellte, ohne Dirk Nowitzki.
Es war kein Sieg für die Geschichtsbücher, aber ein Meilenstein für die neue deutsche Basketball-Generation. «Endlich haben wir so ein Spiel einmal gewonnen. Dieser Sieg ist sensationell und gar nicht hoch genug zu bewerten», sagte Bundestrainer Dirk Bauermann nach dem 82:81-Triumph über Vize-Europameister Serbien nach zweimaliger Verlängerung. Im ersten Gruppenspiel der Weltmeisterschaft hatten die deutschen Korbjäger gegen die starken Argentinier noch knapp den Kürzeren gezogen, gegen Serbien platzte am Sonntagabend in Kayseri endlich der Knoten.
«Das Team hat eine tolle Entwicklung genommen. Jetzt können wir auch solche Spiele gewinnen», sagte Matchwinner Jan-Hendrik Jagla strahlend. Mit 22 Punkten war der Blondschopf bester Werfer in der Auswahl des Deutschen Basketball Bundes, mit seinem spektakulären Dreipunktwurf 63 Sekunden vor dem Ende ebnete der 29-Jährige den Weg zum ersten WM-Sieg der «jungen Wilden» ohne Superstar Dirk Nowitzki. «Wir haben gezeigt, dass es auch ohne Dirk geht», sagte Jagla, dem in Abwesenheit des deutschen Ausnahmespielers von den Dallas Mavericks eine ganz besondere Verantwortung zukommt.
Das unerfahrenste WM-Team in der Geschichte des Verbandes
Schließlich ist Jagla zusammen mit «Team-Opa» Demond Greene (31) und Steffen Hamann (29) einer von nur drei Routiniers in der deutschen Mannschaft - noch nie verfügte eine DBB-Auswahl bei einer Weltmeisterschaft über so wenig Erfahrung. «Wir werden noch viel Freude an dieser Generation haben», sagte Jagla mit Blick auf die Youngster vor der Partie am Montagabend gegen Australien.
Schon bei der Europameisterschaft in Polen vor einem Jahr hatten die aufstrebenden Tibor Pleiß, Robin Benzing und Co. mit ihrer unbekümmerten und frischen Art für Aufsehen gesorgt. Bis auf einen Erfolg gegen schwächelnde Russen kam für die Basketball-Talente bei ihrem ersten internationalen Auftritt aber nichts Zählbares heraus.
Dies setzte sich auch bei ihrem WM-Debüt gegen Ex-Weltmeister Argentinien am Samstag fort. Toll gespielt, Sympathien gewonnen, aber das Spiel verloren - der Trend schien in der Türkei anzuhalten. Doch in den ambitionierten Serben schlugen die Bauermann-Schützlinge endlich eine Basketball-Großmacht, auch wenn die gesperrten Superstars Nenad Krstic und Milos Teodosic fehlten.
Als es darauf ankam, übernahmen die «Oldies» Verantwortung
«Wie die Jungs die bittere Niederlage gegen Argentinien weggesteckt haben, war beeindruckend», lobte der Bundestrainer, der seine «jungen Wilden» vor dem Turnier mit verbalen Spitzen zusätzlich angestachelt hatte: «Sie müssen doppelt hart arbeiten und dürfen nicht zu früh zufrieden sein.»
Gegen die Serben standen sie ihren Mann, wurden von den drei Routiniers aber auch hervorragend geführt. Als es in den beiden Verlängerungen darauf ankam, nahmen die Erfahrenen im Team das Heft in die Hand. Alle 13 Punkte in den zehn Extra-Minuten gingen auf das Konto von Jagla (5), Greene und Hamann (je 4). «Sie machen hier einen tollen Job», zollte Bauermann seinen «Oldies» Respekt. Nur mit jugendlicher Unbekümmertheit geht es eben doch nicht.
kru/news.de/dpa
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