Hertha BSC Berlin West-Klub will Ost-Image

Preetz  (Foto)
Hertha-Manager Michael Preetz. Bild: dpa

Hertha BSC sieht den neuen Anlauf in der 2. Liga auch als neue Chance - nicht nur sportlich. Der «West-Klub» will den angestrebten Weg zurück in die Bundesliga auch zu einer weiteren Image-Korrektur nutzen und mehr die Menschen im Osten ansprechen.

«Die Identifikation steht natürlich als Thema. Wir wollen Hertha noch mehr in der eigenen Stadt verwurzeln», erklärte Manager Michael Preetz. Vor allem im Ostteil Berlins und in den neuen Bundesländern kämpft der Fußball-Zweitligist um neue Fans und Sympathien.

Zwar hatte Hertha zum ersten Saisonspiel im Unterhaus gegen Rot- Weiß Oberhausen fast 50.000 Fans ins Olympiastadion gelockt. Doch Preetz weiß genau um die weißen Flecken in der Anhänger-Landkarte, die auch aus dem jahrelang durchaus gepflegten Ruf als West-Verein resultieren. «Wir sind noch längst nicht in allen Stadtbezirken angekommen», gab der Geschäftsführer Sport zu. Nicht nur in den Kneipen in Friedrichshain würde es wenige oder gar keine Hertha-Fahnen geben. «Wir müssen hin zu den Menschen gehen, in die Kieze», formulierte Preetz als wichtige Nebenaufgabe.

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Neben dem heiß erwarteten Stadt-Derby gegen den 1. FC Union Berlin, das schon am 4. Spieltag auf dem Plan steht, sieht der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig Preetz auch weitere Ost-Duelle als große Chance. «Wir sind ein West-Klub, denn wir stammen aus dem Westen Berlins. Aber wir sind hier in der Region verankert. Da muss man nur auf die Landkarte gucken», erklärte der Manager und ordnete auch die Zweitliga-Begegnungen gegen Energie Cottbus und Erzgebirge Aue für Hertha als Derbys ein. «Das sehen die Anhänger so - und das sehen auch wir so.»

Der Osten hörte mit

Es gab aber auch andere, schwerere Zeiten für Hertha BSC und die Fans - gerade aus dem Osten. Als zu DDR-Zeiten das Team noch in seinem Heimatstadion «Plumpe» am Weddinger Gesundbrunnen spielte, konnten Ost-Fans nach dem Mauerbau 1961 die Spiele hinter dem «Eisernen Vorhang» nur «mithören». Mehrere Dutzend Anhänger der «Alten Dame» jubelten im Schatten der Mauer mit Verzögerung, wenn sie die Torschreie aus dem Westen hörten.

Die Staatssicherheit der DDR beäugte diese Szenen ebenso misstrauisch wie eine andere notgedrungen fast makabre Tradition. An geheim gehaltenen Orten, nur durch vertrauliche Mundpropaganda bekannt, trafen sich in Hinterzimmern von Ost-Berliner Kneipen zu Weihnachtsfeiern die Fans mit Hertha-Verantwortlichen. Die Geschenke wurden hinter zugehängten Fenstern verteilt. Höchste Priorität auf der «Wunschliste» der Stasi hatte jahrelang die streng geheim geführte Liste von Hertha-Mitgliedern im Ostteil Berlins und der übrigen DDR.

Umso enttäuschender verlief die Zeit direkt nach der Wiedervereinigung. Zwar waren nur 79 Tage nach der Grenzöffnung gleich 51.270 Fans ins Olympiastadion geströmt, um das erste freundschaftliche Treffen Hertha gegen Union (2:1) zu sehen. Doch die DDR-Stars wie Ulf Kirsten oder Matthias Sammer gingen lieber nach Leverkusen und Stuttgart statt zu Hertha. Mit René Unglaube bekam nur ein ehemaliger DDR-Oberliga-Kicker neben dem schon zuvor in den Westen geflüchteten Axel Kruse 1990 einen Platz im Hertha-Kader.

Die aktuelle Einordnung von Hertha sieht Preetz auch im Zusammenhang mit der Frage, «wie lange es noch dauert» mit der Einheit 20 Jahre nach der Wiedervereinigung. Für ihn gebe es nur ein Deutschland: «Es gibt Ost, West, Süd und Nord.» Es sei an der Zeit, die historischen Ost-West-Unterscheidungen «nicht mehr zu machen.»

hem/news.de/dpa

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