«Liga bleibt Drei-Klassen-Gesellschaft»
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Von news.de-Redakteur Ullrich Kroemer
Artikel vom 25.08.2010
Anpfiff zur Saison der Handball-Bundesliga: Bundestrainer Heiner Brand spricht mit news.de über die Favoriten in der Meisterschaft, die Dominanz des THW Kiel und die Gründe, weshalb dem Schnauzbartträger dennoch nicht langweilig wird.
Herr Brand, gestern wurde mit dem Supercup der erste Titel der Spielzeit 2010/11 vergeben, heute Abend startet die Bundesliga-Saison. Kribbelt es bei Ihnen zum Saisonstart noch?
Heiner Brand: Ich kann das gelassen angehen. Ich bin natürlich interessiert und werde heute Abend auch in WetzlarAuftaktspiel der Saison 2010/11: HSG Wetzlar - SG Flensburg-Handewitt (ab 19.45/Sport1) sein, aber ich habe keinen Grund, kribbelig oder nervös zu sein.
Ist es Ihnen etwa langweilig geworden, weil der Deutsche Meister seit sechs Jahren immer THW Kiel heißt? Wie viel Spannung erhoffen Sie sich von der neuen Spielzeit?
Brand: Hamburg war ja schon im vorigen Jahr an Kiel dran - und diese beiden Mannschaften sind auch in dieser Saison die Topfavoriten. Ich gehe davon aus, dass bei den Rhein-Neckar Löwen eine Stabilisierung eintritt und dass sie zumindest näher an die Favoriten herankommen.
Also keine Langeweile?
Brand: Nein, denn der Weg zur Meisterschaft ist doch spannend. Aber an der Situation einer Drei-Klassen-Gesellschaft wird sich auch in absehbarer Zeit nichts ändern.
Sie haben als Spieler beim VfL Gummersbach in den 1970er Jahren ebenfalls Titel in Serie geholt. Warum werden gerade im Handball ganze Dekaden von einer Mannschaft bestimmt?
Brand: Der Grund sind Vereine, die sich Vorteile erarbeiten. In den 1970er Jahren waren wir und der TV Großwallstadt unserer Zeit im Management voraus: bei der Zusammenstellung der Mannschaft, bei der Vorbereitung auf eine Saison und auf einzelne Spiele. Der THW Kiel hat sich Vorteile erarbeitet, weil der Verein Anfang der 1990er Jahre begonnen hat, die finanziellen Möglichkeiten in der Region zu nutzen. Nach den ersten Erfolgen wurde die Mannschaft sukzessive verstärkt und das Niveau auf sehr hohem Level gehalten. Dazu kommt die volle Halle und ein Umfeld, in dem Handball an erster Stelle steht.
Der Emporkömmling HSV hat auch viel Geld und ein tolles Umfeld. Was macht den Unterschied?
Brand: Durch das Engagement von Präsident Andreas Rudolph ist der HSV sportlich nah am THW dran - da sind nur noch minimale Unterschiede. Bisher hat Hamburg nicht diese Siegermentalität, wie sie die Kieler haben entwickeln können. Das ist bisher der Unterschied gewesen.
Mit Michael Kraus hat der HSV nur einen Neuzugang. Die richtige Transferpolitik, um endlich Deutscher Meister zu werden?
Brand: Der HSV hat ja diesen Wechsel nicht forciert, es war Michael Kraus selbst, der unbedingt Champions League spielen wollte. Insofern ist die Frage, ob er seine Leistung in einer Spitzenmannschaft stabilisieren kann. Das erhoffe ich mir von dem Wechsel. Aber sicherlich ist es richtig vom HSV, auf Kontinuität zu setzen. Es gibt ja eh kaum bessere Spieler, als die, die in Hamburg sind.
Also dürfen wir uns einen Qualitätszuwachs vom HSV erhoffen?
Brand: Michael Kraus kann sicher Impulse setzen. Sonst glaube ich, dass die Mannschaft stabiler werden kann und eingespielter. Obwohl das natürlich auch auf den THW Kiel zutrifft, der in der vergangenen Saison ebenfalls viele Wechsel hatte.
Waren Sie überrascht, dass die Kieler trotz der Abgänge von Spielern wie Nikola Karabatic und dem Umbruch im Management in der vergangenen Spielzeit so erfolgeich waren?
Brand: Überrascht war ich da nicht. Die Mannschaft hat nach wie vor eine hervorragende Qualität. Wenn dann alles zusammenpasst - Trainer und Team scheinen sehr gut zu harmonieren - dann kommt so etwas zustande.
Welchen Teams trauen Sie Überraschungen zu?
Brand: Wir hatten in der vergangenen Saison positive Überraschungen mit Flensburg, Gummersbach, Göppingen, teilweise auch Großwallstadt. Wenn das jetzt noch mal so sein sollte, wäre es schon fast erwartbar. Also warten wir einfach mal ab.
Und die Aufsteiger Hamm und Friesenheim?
Brand: Mit denen habe ich mich noch nicht näher beschäftigt, aber es wird sicher für beide sehr schwer werden.
Was wünschen Sie sich als Bundestrainer für die neue Saison?
Brand: Die Wünsche, die ich habe, habe ich geäußert. Ansonsten erhoffe ich mir, dass eine hohe Qualität im Spiel ist, was sicherlich in der Spitze der Fall sein wird. Und für mich ist natürlich wichtig, dass die Nationalspieler gesund bleiben.
Dass junge junge deutsche Spieler wie Tobias Reichmann beim THW Kiel eingebaut werden, wird Ihnen sicher auch gefallen.
Brand: Das würde mir in vielen Fällen sehr gut gefallen. (lacht)
Heiner Brand ist seit 1997 Bundestrainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Der bisherige Höhepunkt seiner Trainerkarriere war der Gewinn des WM-Titels 2007 im eigenen Land. Damit ist Brand einer der wenigen, die im Handball sowohl als Spieler (1978) als auch als Trainer Weltmeister wurden. Der berühmteste Schnauzbartträger des Landes lebt nach wie vor in seiner Heimatstadt, dem oberbergischen Gummersbach, in der Nähe von Köln.
hem/reu/news.de
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren