Bundesliga-Strahlkraft
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Von news.de-Redakteur Michael Heinrich
Artikel vom 22.08.2010
Wir schreiben den 22. August. Eine neue Zeitrechnung hat begonnen. Die Bundesliga ist auf dem Weg, wieder stärkste Liga in Europa zu werden. Wieso erklärt news.de am Morgen danach.
England und Spanien uneinholbar, Italien noch knapp Dritter – die Fünfjahreswertung der Uefa hinkt etwas hinterher, längst hat die Bundesliga Italien überholt, was ihre Attraktivität angeht. Spätestens nach dem tollen WM-Auftritt schaut die Welt mit anderen Augen auf Deutschland – und jeder einzelne dieser Nationalspieler, die uns in Südafrika repräsentiert haben, stand in der Heimat unter Vertrag.
Dass sich immer mehr Stars wie Ruud van Nistelrooy und Raúl für deutsche Vereine entscheiden hat auch mit diesem «Werbe-Auftitt» zu tun – und natürlich mit den starken Leistungen des FC Bayern München in der Champions League. Jetzt könnte man sagen, die «alten Herren» wollen hier die Zeit bis zu ihrer Fußballrente überbrücken, falsch in ihren Vereinen Hamburg SV und Schalke sind sie Leistungsträger.
Raul ist zwar nicht der erste, sondern vielmehr der 13. Spanier, der in der Bundesliga seit 1963 aufläuft, aber der erste Ibero-Knaller. Seine Vorgänger waren meist Spanier mit deutschen Wurzeln wie Francisco Copado. Mit dem Starfaktor in der Liga geht es aufwärts seit etwa 2006 – nach der WM in Deutschland. Damals kamen Weltmeisterstürmer Luca Toni und Franco-Dribbler Franck Ribéry, der nach seinem starken Auftakt gegen Wolfsburg (2:1) wieder an seine Glanzzeit anknüpft. In Zukunft wird man in Sachen Stars noch mehr erwarten können.
Die Pluspunkte der Bundesliga sind solide Finanzkraft, ausgeglichene Wettbewerbe und große Zuschauerresonanz, wie die Zahlen aus der vergangenen Saison belegen: 17,37 Millionen Zuschauer verfolgten in der Saison 2009/10 die 612 Spiele, Tendenz steigend. In Mainz und Stuttgart und St. Pauli baut man gerade die Stadien aus. Kein Zweifel, dass sie sich vollkriegen lassen. In Köln und anderswo gibt es jahrelange Wartezeiten auf Dauerkarten.
Fußballer gehen aber immer noch dahin, wo sich das meiste Geld verdienen lässt. In der Vergangenheit waren das Spanien und England. Doch die Voraussetzungen haben sich verändert. England hat die Steuern für Spitzenverdiener auf 50 Prozent erhöht. Die 42 Prozent, die sie als Spitzenverdiener in Deutschland zahlen, nehmen sich dagegen human aus. Auch in Spanien verlieren Fußballer ihre Steuervorteile. Zudem sind viele Vereine überschuldet.
Zudem werden Spieler tendenziell eher billiger und damit für Bundesligisten bezahlbar, die keinen Scheich oder Ölbaron als Mäzen hinter sich haben. «Ich habe noch kein Jahr erlebt, in dem so viele Spieler von einem Verein an einen anderen ausgeliehen werden wie in diesem - zum Teil sogar kostenlos, nur, damit sie von der Gehaltsliste verschwinden», sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vergangene Woche der Wirtschaftswoche. Im Klartext heißt das, Vereine bekommen mehr für ihr Geld, wenn sie auf dem Transfermarkt einkaufen gehen.
Stärker Spieler, stärkere Klubs: In diesem Jahr wird Deutschland Italien in der Fünfjahreswertung abfangen und damit in der Saison 2012/13 wieder vier Champions-League-Startplätze haben. Die neue Zeitrechnung hat also längst begonnen, auch wenn die Auswirkungen noch nicht alle sichtbar sind.
hem/news.de
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren