So., 12.02.12

Formel 1 Schumacher bezieht Prügel

Artikel vom 02.08.2010

Der Wunderknabe macht Anfängerfehler, der Altmeister bekommt für sein Rüpel-Manöver Prügel: Die deutschen Formel-1-Stars Sebastian Vettel und Michael Schumacher nehmen eine gewaltige Imagedelle mit in den Sommerurlaub.

Vettels Safety-Car-Siesta, die ihm in Ungarn den sicheren Sieg kostete und Zweifel an seiner Titelreife weckte, wurde vom Vollgas-Foul des Rekordweltmeisters aber noch deutlich übertroffen. «Schumachers Rückkehr zur Formel 1 wird zu einem der schwärzesten Kapitel in der Geschichte dieser Sportart», befand das spanische Sportblatt Marca.

«Ich bin bekannt dafür, dass ich keine Geschenke verteile. Wir sind hier doch nicht auf einer Kaffeefahrt», murrte Schumacher nach seinem hochriskanten Manöver gegen den beinah in die Boxenmauer gequetschten Rubens Barrichello. «Der arrogante Schumacher zeigte keine Reue (...)Schumacher ist wie immer: Er gibt seine Fehler nie zu und er verhält sich im Umgang mit allen Piloten abschätzig», kritisierte die italienische Sportzeitung La Gazzetta dello Sport.

Mark Webbers geschenkter Sieg auf dem Hungaroring, mit dem Vettels australischer Red-Bull-Teamkollege nach dem zwölften Saisonrennen die WM-Führung übernahm, war da schon zur Nebensache geworden. Hitzig wurde im Fahrerlager über Schumachers knallharte Attacke diskutiert. «Das war eine der schlimmsten Sachen, die ich in knapp 300 Rennen erlebt habe», ereiferte sich Barrichello. «Er hat immer das Gefühl, dass er im Recht ist. Er hat drei Jahre aufgehört und heute hat man gesehen, dass er sich nicht geändert hat», wetterte der Williams-Pilot aus Brasilien.

Kühl und uneinsichtig

«Unakzeptabel. Unnötig. Unfair», urteilte RTL-Experte Niki Lauda. «Ich bin sicher, das war keine Absicht», beteuerte hingegen Mercedes-Teamchef Ross Brawn. Die Rennkommissare sahen es anders und sprachen Schumacher der Behinderung schuldig. In Spa muss er zehn Plätze weiter hinten starten. Schumacher aber blieb zunächst kühl und uneinsichtig. «Es war ein harter Kampf. Und dafür sind wir ja hier», meinte er. Der englische Daily Mail sah das anders und titelte auf seiner Homepage: «Zeit für Michael Schumacher zu gehen nach dem Wahnsinns-Manöver gegen Rubens Barrichello.»

Schon zu seinen Glanzzeiten hatte der siebenmalige Champion des Öfteren mit kompromisslosen Manövern die Grenzen der Fairness überschritten. «Alles in allem war ich bekannt dafür, dass ich kein Pardon gekannt habe», hatte Schumacher im vergangenen Jahr während seiner Auszeit einmal rückblickend gesagt.

1997 war er für seinen Rammstoß gegen Jacques Villeneuve sogar nachträglich aus der WM-Wertung gestrichen worden. Kurz vor der Abreise aus Budapest lenkte Schumacher immerhin noch ein wenig ein. «Ich akzeptiere aber, dass die Rennkommissare es als zu hart angesehen haben», teilte der 41-Jährige mit.

Peinlichen Fauxpas

Auch Kumpel Vettel verließ die Puszta mit finsterer Miene. «Ich habe mir selbst keinen Gefallen getan», bekannte der Hesse nach seinem peinlichen Fauxpas in der Safety-Car-Phase. Im Gefühl des nahenden Sieges hatte er regelwidrig zu großen Abstand gelassen, musste mit einer Durchfahrtstrafe büßen und sich daher mit Rang drei hinter Ferrari-Pilot Fernando Alonso begnügen. «Regeln sind Regeln. Wir können uns nicht beschweren», sagte Teamchef Christian Horner.

«Wenn man zurückschaut und mal hochrechnet, was hätte sein können, würden wir ein bisschen entspannter in die Pause gehen», klagte Vettel. Fast widerwillig erschien er nach dem Rennen 20 Minuten zu spät zum Teamfoto vor der Red-Bull-Garage und ließ sich dort von Vater Norbert tröstend in den Arm nehmen. Nach dem Schnappschuss flüchtete er eilig zurück ins Motorhome. Für die feuchtfröhliche Boxenfete mit Webber fehlte ihm sichtlich die Lust.

Mit 151 Punkten liegt er in der WM vor den verbleibenden sieben Rennen zehn Zähler hinter Webber, McLaren-Pilot Lewis Hamilton ist sechs Punkte vor ihm Zweiter. «So liegt noch ein Haufen Arbeit vor uns, aber es ist absolut nicht unmöglich», befand Vettel trotzig.

hem/news.de/dpa
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