Jogis Double
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Von news.de-Redakteur Ullrich Kroemer
Artikel vom 21.07.2010
Unter großem Getöse verlängerte der DFB mit Bundestrainer Jogi Löw. Neben Oliver Bierhoff und Andreas Köpke ist auch Hansi Flick weiter mit im Boot. Doch wer ist eigentlich der Mann an Löws Seite? News.de stellt den stillen Co-Trainer vor.
Er ist der Mann der Pause. Zwischen zwei Halbzeiten, wenn der Bundestrainer nicht gestört werden will, hat Hansi Flick das Wort. Er beantwortet dem Reporter dann Fragen zur taktischen Ausrichtung in der zweiten Hälfte oder gibt bekannt, wer aus- und eingewechselt wird. Hans-Dieter Flick, den alle nur Hansi nennen, tut das zuverlässig und so unspektakulär, beinahe farblos, dass selbst viele Fans des Nationalteams die rechte Hand von Bundestrainer Jogi Löw auf der Straße kaum erkennen würden. Auch nach vier Jahren Amtszeit.
Dabei hat Flick bereits eine veritable Karriere als Bundesligaspieler hinter sich. Von 1985 bis 1992 bestritt der gebürtige Heidelberger 148 Erstligaspiele für den FC Bayern München und den 1. FC Köln. Gemeinsam mit Fußball-Granden wie Lothar Matthäus, Andreas Brehme oder Dieter Hoeneß wurde der frühere Mittelfeldspieler viermal Deutscher Meister und einmal DFB-Pokalsieger. Flick fühlte sich im Schatten der Platzhirsche ganz wohl, ein Lautsprecher war er nie. «Nett, umgänglich, er war keiner, der gerne einen Streit vom Zaun brach», beschrieb ihn sein ehemaliger Coach Jupp Heynckes in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Nach einer Verletzung beendete Flick beim 1. FC Köln seine Profikarriere bereits mit 28 Jahren.
Flick erkannte, dass er kein Chef ist
Danach schloss sich der stille Fußballlehrer dem unterklassigen Klub FC Viktoria Bammental an. Das Örtchen im Kraichgau ist noch heute Flicks Wohnort. Dort und später bei der damals noch drittklassigen TSG Hoffenheim reifte Flick zunächst als Spielertrainer, später ausschließlich als Coach zu einem der Toptrainer in Deutschland. Seine Trainerausbildung beendete er 2003 gemeinsam mit Ex-Nationalspieler Thomas Doll als Jahrgangsbester. Weil Flick jedoch kaum Aufhebens darum machte, nahm das kaum einer wahr.
Nachdem Flick 2005 bei der TSG Hoffenheim entlassen wurde, weil ihm der Aufstieg in die 2. Liga trotz moderner Spielauffassung und Trainingsmethoden partout nicht gelingen wollte, reifte wohl auch bei ihm die Erkenntnis, dass ein Cheftrainerposten nicht zu ihm passt. Im Trainerstab von Red Bull Salzburg sammelte er anschließend unter Giovanni Trappatoni weitere Erfahrung in der zweiten Reihe, ehe ihn Löw 2006 überraschend zum Co-Trainer der Nationalmannschaft berief. «Wie ich Fußball sehe, so wird hier auch gearbeitet. Ich musste mich nicht mal umstellen, was die Trainingsarbeit angeht», sagte Flick damals Spiegel Online.
Löw & Flick: gleiche Spielauffassung, gleiche Kleidung
Im Nationalteam werden Flicks akribische Arbeit im Training und in der Spielvorbereitung und seine Loyalität gegenüber Löw geschätzt. Der gelernte Bankkaufmann identifiziert sich vollkommen mit der Spielauffassung und der Arbeitsweise seines Chefs. Das äußert sich nicht nur in der Art und Weise, wie Flick über Fußball spricht und denkt, sondern auch im Kleidungsstil - bei großen Spielen tragen Löw und Flick stets das Gleiche. Manchmal wirkt Flick beinahe wie eine Doublette von Löw.
Genauso wie die weißen Hemden und der blaue Pullover wirkt die Rolle als Co-Trainer für Flick wie maßgeschneidert. «Ich nehme mich nicht so wichtig», sagte Flick schon 2007. Daran hat sich bis heute nichts geändert. In einem allerdings wird sich das sonst so ähnliche Bundestrainergespann wahrscheinlich dennoch unterscheiden: Anders als Löw wird Flick im Falle eines Rücktritts seines Chefs mit großer Wahrscheinlichkeit nicht Bundestrainer werden. Die ständige Medienpräsenz wäre Flick wohl zu viel. Ihm genügen ein paar Minuten in der Halbzeitpause.
phs/ivb/news.de
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
http://www.youtube.com/watch?v=bMfjDQ6yoys
jetzt antwortenKommentar melden