Fußball-Idol Yeboah «Die WM war großartig»

In der Bundesliga verzauberte «Tony» die Fans mit seinen Toren, heute ist Ghanas Fußballlegende Präsident, Spielerberater und Hotelbesitzer. Mit News.de spricht der 44-Jährige darüber, wie die WM sein Heimatland verzauberte und woran Afrikas Fußball krankt.

Anthony Yeboah (Foto)
Damals Bundesligastar, heute Präsident, Hotelbesitzer, Spielerberater: Anthony Yeboah im Trikot von Eintracht Frankfurt 1993. Bild: imago

Als wir Anthony Yeboah telefonisch erreichen, steht er gerade auf einem Trainingsplatz in Bechem, einer Kleinstadt in Ghana. Obwohl er als Präsident und Eigentümer des Klubs Bechem Chelsea eigentlich andere Aufgaben hat, muss er das Training leiten - weil der Chefcoach nicht da ist. Für ein Interview mit news.de nimmt sich der Mann, der in Ghana und Deutschland eine Fußballlegende ist, dennoch Zeit

Herr Yeboah, das erste WM-Turnier auf afrikanischem Boden ist Geschichte. Hat Ihnen die WM Spaß gemacht?

Anthony Yeboah: Ja natürlich. Die afrikanischen Mannschaften haben zwar etwas enttäuscht. Aber Ghana hat es gut gemacht und die Menschen hier in Ghana haben gefeiert. Es war großartig für uns.

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Was hat Ihnen darüber hinaus gefallen, was nicht?

Yeboah: Für Südafrika ist alles super gelaufen, die Organisation war toll. Die Atmosphäre, die Leute in Südafrika, die Sicherheit - alles kein Problem. Nur die Schiedsrichter haben ein paar Fehler gemacht. Alles in allem aber war es eine großartige Weltmeisterschaft.

Was sagen die Leute in Ghana über das Abschneiden Ihres Landes?

Yeboah: Sie sind beeindruckt. Auch, wenn die meisten afrikanische Länder nicht so gut gespielt haben. Wir haben gedacht, dass die Elfenbeinküste oder Kamerun weiter kommen würden. Aber Ghana hat das wiedergutgemacht. Hoffentlich kann eines Tages auch eine afrikanische Mannschaft Weltmeister werden.

Ghana kam als einziges Team aus Afrika ins Viertelfinale und ist somit aktuell das beste afrikanische Team.

Yeboah: Das ist ein Geschenk, das Gott uns gegeben hat. Wir haben hier so viel talentierte Spieler und die Mannschaft und der Trainer haben es geschafft, für die WM ein tolles Team zu formen.

Weshalb sind die anderen Nationen schlechter, woran mangelt es im afrikanischen Fußball?

Yeboah: Organisation, das ist ein Problem der Organisation. In Ghana haben wir die Strukturen in der Nationalmannschaft langsam verbessert. Das hat etwas gedauert, aber das müssen die anderen auch schaffen. Dazu haben Kamerun oder Elfenbeinküste zwar gute Spieler, aber sie haben keine Mannschaft. Sie müssen versuchen, aus den einzelnen Spieler eine Mannschaft zu bauen. Das ist sehr wichtig.

Wie hat Ihnen das Spiel der deutschen Mannschaft gefallen?

Yeboah: Super, super! Jogi Löw hat aus ganz jungen Leuten eine tolle Mannschaft zusammengefügt. Sie haben hervorragend gespielt und gekämpft. Ich habe die Daumen gedrückt, aber leider hat das Team gegen Spanien kein Glück gehabt und es hat fürs Finale nicht gereicht. Vielleicht klappt es ja in vier Jahren.

Anthony «Tony» Yeboah bestritt für Eintracht Frankfurt und den Hamburger SV 223 Bundesligaspiele, in denen er insgesamt 96 Treffer erzielte. 1993 und 19994 wurde er jeweils Torschützenkönig der Bundesliga. Das unklare Geburtsdatum des heute offiziell 44-Jährigen kommentierte Ghanas Nationaltrainer Otto Pfister Anfang der 1990er Jahre mit den Worten: «Da hilft nur eins: Bein aufsägen und Jahresringe zählen.» Heute betreibt Yeboah, der in Ghana ein Volksheld ist, zwei Hotels und ist Präsident eines Fußballklubs. Dazu hat er gemeinsam mit seinem deutschen Partner Michael Farbmacher eine Spielerberater-Agentur. Die WM in Südafrika begleitete er als TV-Kommentator.

mik/reu/news.de

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Felix Kroll
  • Kommentar 1
  • 16.07.2010 00:49

Die Brasilianer haben, nach ihrem Ausscheiden, Ghana besser empfunden als viele Andere. Zum Schluss hofften alle, dass Deutschland es schafft, das wurde aber leider auch nichts.

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