So., 12.02.12

Nach dem WM-Aus Dunga fliegt raus

Artikel vom 04.07.2010

Die Mission von Carlos Dunga ist beendet, Brasilien sucht einen neuen Trainer. Der hat die schwierigste Mission aller Zeiten vor sich: Die «Seleção» 2014 im eigenen Land zum WM-Titel zu führen. Die Fans fordern Luiz Felipe Scolari zurück, doch der zaudert noch.

Kaká und Co. saßen noch im Flieger nach Rio de Janeiro, da entbrannte im Land des gescheiterten Rekord-Weltmeisters bereits die Diskussion um die Nachfolge Carlos Dungas. Luiz Felipe Scolari, der Trainer der Weltmeister-Mannschaft von 2002, und Leonardo, zuletzt Coach beim AC Mailand, sind die Kandidaten für die Mission 2014. «In vier Jahren organisiert Brasilien die Weltmeisterschaft. Dort müssen wir es so gut machen wie in Südafrika - und außerdem den Titel holen», sagte Verbandspräsident Ricardo Teixeira vor dem Abflug in Port Elizabeth.

Die Suche nach dem Neuen

Am Sonntagabend vollzog der Brasilianische Fußball-Verband (CBF) auch offiziell die Trennung von Dunga und den übrigen Mitgliedern des Trainerstabes. Bis zum Ende des Monats soll der Nachfolger benannt werden und schon am 8. oder 10. August beim Testspiel in New Jersey gegen die USA auf der Bank sitzen. «Wir müssen jetzt anfangen zu arbeiten, weil wir nur Freundschaftsspiele in der WM-Vorbereitung haben», sagte Teixeira.

Der 46-jährige Dunga hatte bereits nach dem 1:2 gegen die Niederlande im Viertelfinale vielsagend gemeint: «Ohne Zweifel bin ich der Trainer dieser Mannschaft und trage die größte Verantwortung. Jeder wusste von Anfang an, dass mein Vertrag für vier Jahre war.» Als Rücktrittserklärung wollte Dunga dies aber nicht verstanden wissen.

Felipe oder Leonardo?

Für die Tageszeitung Globo ist das erneute Scheitern Brasiliens - wie schon im Viertelfinale 2006 gegen Frankreich - «das definitive Ende der Ära Dunga.» Das Blatt schrieb: «Der Weg ist frei für Felipão.» Doch Scolari war schon vor vier Jahren gefragt worden und hatte abgesagt. Derzeit steht der 61-Jährige, der 2006 die portugiesische Nationalmannschaft zum vierten Platz geführt hatte, bei Palmeiras São Paulo unter Vertrag.

«Es wäre wunderbar, meine Karriere als Trainer eines Nationalteams bei der WM in Brasilien zu beenden», sagte Scolari. «Aber ich kann vor 2012 keine Angebote annehmen. Mein Fokus liegt auf Palmeiras.» Danach wolle er sehen, ob ihn ein Nationalteam für die WM-Qualifikation und das Endrunden-Turnier verpflichten wolle.

Die Sportzeitung Lance! hatte auf der ganzen Titelseite ein Bild von «Felipão» gedruckt. Darauf hält Scolari den WM-Pokal, darüber steht: «2014. Die Fans wollen Felipão. Und der CBF auch.» Seine Abmachung mit Palmeiras, schrieb aber das Jornal da Tarde, «könnte seine Wahl unmöglich machen.»

Die Zeitung Diário de São Paulo schaltete auf Seite eins eine Anzeige mit dem Titel «Trainer gesucht». Auch Mano Menezes, derzeit Coach bei Corinthians São Paulo, wird als möglicher Nachfolger Dungas genannt. «Bei Felipe und Leonardo wird sondiert, ob sie den Platz Dungas einnehmen können», schrieb Folha de São Paulo.

Die «Seleção» steht jedenfalls vor einem Scherbenhaufen - und einem Umbruch: Die älteren Spieler wie Kapitän Lucio, Torwart Júlio Cesar, Juan und Gilberto Silva werden in vier Jahren wohl nicht mehr dabei sein. Ex-Stürmerstar und Weltmeister Ronaldo tröstete seine einstigen Kollegen via Twitter: «Meine Solidarität an meine Freunde. Schwieriger Moment. Ihr seid Krieger! 2014 ist schon bald! Brasilien ist mit euch. Machen wir alle zusammen eine großartige WM hier.» Bei der Ankunft der «Seleção» am internationalen Flughafen von Rio de Janeiro warteten nur rund 100 Fans auf ihre geknickten Lieblinge. Unmutsbekundungen blieben weitgehend aus.

«Kaká hat sehr viele Tränen vergossen»

Mit verweinten Augen hatte Kaká das Nelson Mandela Bay Stadion verlassen. Wie schon Cristiano Ronaldo und Wayne Rooney konnte der 65-Millionen-Mann von Real Madrid die Starrolle bei diesem Turnier nicht ausfüllen. «Es hat Brasilien nicht an Qualität gefehlt, unsere Fehler lagen nur im Detail», meinte der Spielmacher trotzig. Die Mannschaft verkroch sich am Samstag in ihrem Hotel «Proteas Marine», nur Pressesprecher Rodrigo Paiva trat vor die Mikrofone: «Ich habe noch nie so eine traurige Mannschaft gesehen», versicherte der Pressesprecher, der schon 2006 dabei war. «Viele haben heute noch geweint. Kaká hat sehr viele Tränen vergossen.»

Als der brasilianische Mannschaftsbus am Freitagabend in der Unterkunft eingetroffen war, da schallten Dunga böse Rufe von Anhängern entgegen: «Burro!» - (Esel!) Beim Abendessen war fast nur das Klappern der Bestecke zu hören. Keeper César hielt noch eine Ansprache, wie der Verband auf seiner Homepage berichtete. «Du hast eine Gruppe von Freunden, von Brüdern geformt. Wir hätten die WM so gerne für dich gewonnen», sagte der Champions-League-Sieger von Inter Mailand zu Dunga. Der Trainer erwiderte bewegt: «Es war mir eine Ehre, mit euch zu arbeiten. Ihr könnt sicher sein, dass ich auf euch stolz bin.» Verbandschef Teixeira forderte die Spieler auf: «Jetzt ist der Moment gekommen, den Kopf hochzunehmen und weiterzumachen.»

cvd/ivb/news.de/dpa
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