Thomas Müller Glückskind und Pechvogel

Thomas Müller (Foto)
Zum Haareraufen: Thomas Müller muss gegen Spanien zuschauen. Bild: ap

Von Von Jens Mende und Klaus Bergmann
Er steht beispielhaft für den Aufschwung des deutschen Teams. Thomas Müller ist einer der Shooting-Stars der Weltmeisterschaft in Südafrika. Weil er im Halbfinale gegen Spanien zuschauen muss, hofft er auf seine Kollegen und das Endspiel.

Erst verteilte er Kusshändchen in die Heimat - dann erhielt er Streicheleinheiten von seinen Kollegen. Nach seinem vierten Tor in Südafrika muss Shooting-Star Thomas Müller ausgerechnet im WM-Halbfinale aussetzen. Eine bittere Gelbe Karte des ansonsten umsichtigen usbekischen Schiedsrichters Rawschan Irmatow bringt den 20-Jährigen um seine Chance, die Erfolgsstory der neuen deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Mittwoch in Durban gegen Spanien (20.30 Uhr/ARD) mit fortzuschreiben. «Ich hoffe, dass meine Kollegen im Halbfinale alles richtig machen, dann kann ich vielleicht im Finale wieder ein Tor machen», sagte der emotional hin- und hergerissene Münchner nach dem Gala-Auftritt gegen Argentinien.

«Das war natürlich ein super Gefühl. Die Gelbe Karte war dann genau das Gegenteil», kommentierte der neue Müller seine Glücks- und Schreckmomente im Green Point Stadion. Zum grandiosen 4:0 gegen am Ende zertrümmerte «Gauchos» hatte der Bayern-Aufsteiger ein Tor und im Liegen auch noch eine Vorlage beigesteuert. Seine Vorarbeit auf dem Hosenboden erinnerte einmal mehr an seinen großen Vorgänger Gerd Müller, der bei der WM 1970 in Mexiko Torschützenkönig war.

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Löw: «Das Handspiel war nicht gelb-würdig»

«Es ist Wahnsinn, was hier abgelaufen ist», erklärte Müller junior, der mit vier Treffern dem bisher besten Turnier-Torschützen David Villa auf der Spur ist. Villa hat mit seinem fünften Tor Spanien gegen Paraguay ins Halbfinale geschossen. «Ich habe gewusst, was los ist. Dass ich gesperrt bin, das war natürlich ein bitterer Moment. Ich habe mich eine Minute geärgert, aber dann musste ich es abschütteln», erzählte Müller im Rückblick auf die 35. Minute.

«Das ist wirklich tragisch. Die Karte hätte gar nicht sein müssen, zuvor hat der Schiedsrichter auch keine verteilt», sagte Teammanager Oliver Bierhoff, der wie alle Teamkollegen und Betreuer Müller nach Spielende begeistert abklatschte. «Da müssen sich die anderen eben noch mehr reinhauen, dass er dann wieder das Finale spielen kann», betonte Bierhoff. Auch Bundestrainer Joachim Löw sah Müllers Handspiel als «nicht gelb-würdig», der Ausfall des neuen WM-Helden wiege natürlich schwer.

«Thomas Müller hat gezeigt, mit welcher Torgefahr er bei diesem Turnier präsent ist», betonte Löw. Der Einstand des jungen Bayern-Stürmers auf der WM-Bühne ist überwältigend: Tor zum Auftakt gegen Australien (4:0), gleich zwei Treffer beim imponierenden 4:1 über England, nun der Super-Auftritt gegen den zweimaligen Champion Argentinien. Selbst die spanische Zeitung El Mundo schwelgt in höchsten Tönen, Deutschland weihe «eine neue Generation: Die eines wundervollen Fußballers namens Müller.»

Auch Maradona kennt jetzt Müller

Lamentieren aber wollte im deutschen Lager über den bitteren Ausschluss niemand: «Wir haben Spieler, die Thomas Müller auch ersetzen können - und das werden wir auch schaffen», unterstrich Löw kämpferisch. Trochowski, Kroos, Marin oder auch Cacau dürfen nun hoffen. «Das ist natürlich ein Ausfall, weil er ein super Turnier gespielt hat. Aber da muss jetzt halt ein anderer ran», sagte Kollege Lukas Podolski in bekannt direkter Art.

Müller bleibt trotz des Ärgers über das Halbfinal-Aus nach der zweiten Verwarnung das Hoffen auf das Endspiel - und das Glücksgefühl, dass ihn der große Diego Maradona nun garantiert kennt. Noch im März hatte Argentiniens Idol nach dem 1:0-Testspielsieg der Argentinier in München Müller eher für einen Balljungen gehalten. «Das ist eine kleine Nebengeschichte zum 4:0. Wichtig war es, dass wir gewinnen», kommentierte Müller mit einem Lächeln die Episode. Die argentinische Zeitung Ole konnte sich einen Seitenhieb gegen Maradona jedoch nicht verkneifen und titelte: «Diego, der Junge heißt Müller...»

kru/news.de/dpa

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