DFB-Team im Halbfinale Alles richtig gemacht, Jogi!

Joachim Löw (Foto)
Danke, Trainer, dass du mich mitgenommen hast: Lukas Podolski und Jogi Löw in inniger Umarmung. Bild: ddp

Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur
Als der Bundestrainer seinen WM-Kader präsentierte, schüttelte ein ganzes Land kollektiv den Kopf. Jetzt steht die DFB-Elf im WM-Halbfinale - mit Lukas Podolski und Miroslav Klose. News.de beleuchtet fünf wegweisende Entscheidungen des Bundestrainers.

1. Umstrukturierung nach der EM: Keine Altstars mehr!

Es muss irgendwann nach der Europameisterschaft 2008 gewesen sein. In Österreich und der Schweiz war die deutsche Mannschaft zwar bis ins Finale gekommen, doch im Endspiel war Europameister Spanien der deutschen Elf in allen Belangen überlegen. Anstatt mit den alten Recken wie Jens Lehmann, Torsten Frings oder Thomas Hitzlsperger bis zur WM 2010 weiter zu machen, entwickelte der Bundestrainer ein Spielkonzept, das derzeit das erfrischendste der Welt ist und vor allem auf dem Engagement von jungen Spielern wie Thomas Müller und Mesut Özil fußt. Genau die richtige Entscheidung!

2. Vertragsverlängerung: Entscheidung erst nach der WM!

Argentinien - Deutschland
Die Spieler in der Einzelkritik
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Als im Januar und Februar die vorzeitige Vertragsverlängerung von Jogi Löw und seinem Team platzte, herrschte für eine Weile Funkstille zwischen der Spitze des Deutschen Fußballbundes (DFB) und der Führung der Nationalmannschaft. Weil beide Seiten Fehler gemacht hatten, entschieden Löw, Bierhoff & Co., das Thema auf die Zeit nach der WM zu verschieben. Das hätte für Unruhe in der Mannschaft sorgen können - es kam aber genau umgekehrt. Vielleicht geben die Spieler in Südafrika sogar noch ein paar Prozent mehr, um den erfolgreichen Weg auch nach der Weltmeisterschaft weiter mit Löw gehen zu können. Und auch für den Bundestrainer war es sicher eine Extramotivation, sich im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen mit einem hervorragenden Ergebnis aus dem Amt verabschieden zu können. Aktuell sind die Sympathiewerte für Löw in der Mannschaft und vor allem in der Bevölkerung so hoch, dass der DFB gar nicht anders kann, als Löws Forderungen zu erfüllen. Wieder genau die richtige Entscheidung!

3. Der WM-Kader: Poldi und Klose, kein Kevin Kuranyi!

Am 6. Mai präsentierte Löw in Stuttgart seinen vorläufigen WM-Kader - und ein ganzes Land schlug kollektiv die Hände über dem Kopf zusammen. Lukas Podolski und Miroslav Klose, die gemeinsam in einer ganzen Bundesligasaison magere fünf Törchen erzielt hatten, sollten Deutschland zur Weltmeisterschaft schießen. Kevin Kuranyi, der Schalke mit 18 Toren auf den zweiten Platz der Tabelle befördert hatte, wurde hingegen nicht berücksichtigt. Dann kann das DFB-Team gleich zu Hause bleiben, dachten viele. Doch Löw hatte genug Vertrauen in das Leistungspotenzial seiner beiden Stürmer - und noch viel mehr in seine eigenen Fähigkeiten. In intensiver Trainingsarbeit sowie durch taktisch kluge Ausrichtung und viele Gespräche ist es ihm gelungen, seine geknickten Topstars wieder aufzurichten. Richtig entschieden, ihre Leistungen auf dem Platz sprechen für sich!

4. Ballack, Träsch und Westermann verletzt: Keine Nachnominierung!

Nach den Ausfällen von René Adler und Simon Rolfes ging wieder ein kollektiver Aufschrei durch die Republik. Kevin-Prince Boateng hatte Michael Ballack ins Krankenhaus getreten und ein ganzes Land war sich erneut sicher, dass das deutsche Team in der Vorrunde ausscheiden würde. Ohne den «Capitano» machte das ganze WM-Vorhaben kaum noch Sinn. Doch Löw blieb cool. Insgeheim - und diese Entscheidung wurde ihm ausnahmsweise einmal abgenommen - war er wohl ganz froh, nun im defensiven Mittelfeld auf seine jüngeren und wendigeren Lieblingsschüler Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger setzen zu können. Als dann auch noch Christian Träsch und Heiko Westermann ausfielen, war es jedoch wieder am Bundestrainer, eine Entscheidung zu treffen. Viele Übungsleiter hätten sicher einen erfahrenen Sechser nachnominiert, vielleicht doch Hitzlsperger, Fabian Ernst oder Sebastian Kehl. Doch Löw blieb seiner Linie treu und mutete seiner homogenen Mannschaft keinen Fremdkörper zu. Heute kann man sagen: gut so!

5. Die Trainingsinhalte: Spielen statt Standards !

Es gab einmal eine Zeit, da war das deutsche Spiel eher statisch. Kampf, Wille und Disziplin - die sogenannten deutschen Tugenden - zeichneten das DFB-Team aus. Und wenn das über 90 Minuten hinweg nichts brachte, dann half zur Not eine Standardsituation. In Löws Spielauffassung spielen Standardsituationen allerdings eine eher untergeordnete Rolle. So untergeordnet, dass er in all den Wochen vor und während der Weltmeisterschaft keine einzige Trainingseinheit darauf verwendete. Stattdessen übte er das Verschieben im Raum und das Spiel ohne Ball, bis es seine Spieler verinnerlicht hatten. Gute Entscheidung, denn Tore durch Standardsituationen sind unnötig, wenn die deutsche Mannschaft den Ball auch spielerisch ins Tor befördern kann. Sieht auch viel schöner aus!

sgo/ivb/news.de

Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • Carlos
  • Kommentar 6
  • 05.07.2010 09:31
Antwort auf Kommentar 2

Stimmt aber Ich wolle nur bemerken, dass in dieser Weltmeisterschaft Spanien hat noch nicht begonnen zu spielen... Carlos. Madrid.

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  • dieschwe
  • Kommentar 5
  • 04.07.2010 20:20

Tolles Spiel, Respekt der deutschen Mannschaft und Trainer trotz anfänglicher geringer Hoffnung auf die WM. Aber wer Lahm im letzten Spiel bzw. in der gesamten WM nur 2,5 gibt hat wohl nicht richtig hingeschaut. ER sollte bitte künftig über Klatsch und Promis berichten und nicht mehr über Fussball!

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  • wm
  • Kommentar 4
  • 04.07.2010 16:30

Ich hätt´ da schon noch eine Empfehlung an den Schreiberling: Sie sollten doch gelegentlich Ihren optiker aufsuchen, damit Sie nicht nur die Hälfte des Bildschirms klar sehen. Vielleicht allerdings noch besser: sind Sie nicht uch der Ansicht, sich in einem anderen Beruf besser verwirklichen zu können?

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