WM 2010 Darum ist Südamerika so stark

Südamerika (Foto)
Uruguay, Argentinien, Brasilien und Paraguay hatten bisher Grund zum Jubeln. Bild: news.de (Montage)

Von news.de-Redakteur Philip Seiler
2006 machte Europa das WM-Halbfinale noch unter sich aus. Vier Jahre später könnte Südamerika den Spieß umdrehen. Erstmals in der WM-Historie stehen vier Teams aus Lateinamerika im Viertelfinale. News.de zeigt, warum.

14 Siege, drei Remis, zwei Niederlagen und 30:10 Tore – so lautet die bisherige Bilanz der südamerikanischen Teams bei der WM in Südafrika. Die fünf Teilnehmer Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay und Chile erreichten allesamt das Achtelfinale – mit Ausnahme Chiles treten sie nun im Viertelfinale an. Erstmals in der WM-Historie steht Lateinamerika damit besser da als Europa, das nur drei von 13 Startern in die Runde der letzten Acht brachte. Dort heißt es nun drei Mal Südamerika gegen Europa und ein Mal Südamerika versus Afrika.

Dominiert hatten die Südamerikaner zuletzt vor 60 Jahren. Bei den WM-Turnieren 1930 und 1950 wurden zwar keine Viertelfinals ausgespielt, damals machten die Südamerikaner aber das Finale unter sich aus. Weltmeister wurde beide Male Uruguay, das zuerst Argentinien (4:2) und 20 Jahre später Brasilien (2:1) schlug. Nun steht «La Celeste» zum ersten Mal seit 40 Jahren wieder in einem WM-Viertelfinale. Paraguay schaffte dieses Kunststück gar erstmals in seiner Fußballgeschichte.

WM 2010
Sexy Fans

«Die Spieler kennen den Hauptgegner»

Der internationale Fußball steht also vor einem Machtwechsel. Doch warum ist Südamerika plötzlich so stark? Als beste Ligen der Welt gelten zwar weiterhin die englische Premier League, die spanische Primera Division, die italienische Serie A und die Bundesliga. Die meisten südamerikanischen Spieler sind aber seit Jahren nicht nur in den großen europäischen Ligen aktiv, sie gehören dort auch zu den Topstars.

Drei Brasilianer gewannen mit Inter Mailand die Champions League, der Torschützenkönig Lionel Messi führte den FC Barcelona zum spanischen Titel. Uruguays Diego Forlán schoss Atletico Madrid fast im Alleingang zum Gewinn der Europa League und Paraguays Lucas Barrios wurde im Vorjahr Welttorjäger und schoss in der abgelaufenen Saison 19 Tore für Borussia Dortmund. «Die Nationalspieler werden in Europa taktisch flexibler, und sie kennen den Hauptgegner», sagt Uruguays früherer Mittelfeld-Star Enzo Francescoli.

Großer Wert auf Defensivarbeit

Ein weiterer Grund für die starke Entwicklung ist die kontrollierte Spielweise und ein taktischer Reifeprozess. «Die südamerikanischen Mannschaften spielen inzwischen besser organisiert und sind auf europäischem Niveau», gab auch Spaniens Trainer Vicente Del Bosque zu.

So legen Uruguay und Paraguay vor allem großen Wert auf die Defensivarbeit. Die Folge: Beide Teams kassierten in ihren WM-Spielen erst einen Gegentreffer. «Man muss das Wort Abwehr nicht verteufeln. Zum Fußball gehört es auch, dass man die Stärken des Gegners in Schwächen verwandelt», sagt Uruguays Trainer Oscar Tabárez.

«Catenaccio» und «Joga effectivo»

WM 2010
Die Achtelfinalspiele

Der Stil von Paraguay erinnert dagegen sehr an die als «Catenaccio» bekannt gewordene Mauertaktik der Italienier. «Wir beherrschen es gut, den Spielfluss zu unterbinden», sagte Trainer Gerardo Martino über die Spielphilosophie seines Teams. Während es Uruguay auf sechs Tore brachte, mangelt es bei Paraguay allerdings noch in der Offensive. Das Team von Roque Santa Cruz erzielte erst drei Treffer und kam im Achtelfinale gegen Japan kaum zu Torchancen.

Selbst Brasilien ist mittlerweile vom reinen Zauberfußball abgekommen: «Joga effectivo» statt «Joga bonito» lautet die neue Vorgabe von Trainer Carlos Dunga. Mit Erfolg: Gegen die brasilianische Abwehr scheint derzeit kein Kraut gewachsen. Argentinien zeigt zwar als einziges der vier Teams einen offensiveren Fußball, schaltet aber auch schnell auf die Defensive um und wirkt nur durch individuelle Fehler verwundbar.

«Südamerika-Quali wie Krieg»

«Die südamerikanische Qualifikation ist die schwerste, das stärkt die Teams», sieht Francescoli eine weitere Ursache für den Aufschwung. Selbst die stark aufspielenden Argentinier konnten sich erst am letzten Spieltag durchsetzen. Brasiliens Star Kaká vergleicht die Quali gar mit «Krieg». Neben den starken Gegnern härten auch Höhenlagen von bis zu 3.600 Metern, zum Beispiel im bolivianischen La Paz, oder die teilweise unerträgliche Hitze die Spieler ab.

Egal, wie die WM am Ende ausgeht: Sie wird für Südamerika in guter Erinnerung bleiben. Die argentinische Sportzeitung Ole schreibt schon jetzt: «Das ist nicht mehr die Südafrika-, sondern die Südamerika-WM.»

kru/reu/news.de/dpa

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