Deutschland jubelt Özil erlöst die DFB-Elf

Mesut Özil (Foto)
Er schoss das Tor des Tages: Mesut Özil umringt von Jerome Boateng und Cacau. Bild: dpa

Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur
Die deutsche Mannschaft steht nach einem Sieg gegen Ghana im Achtelfinale. Im dritten WM-Spiel der DFB-Elf gab es keine skandalösen Schiri-Entscheidungen und keinen Torreigen - dafür einen herrlichen Treffer von Mesut Özil.

Am Ende konnten sich beide Teams freuen: Als das Ergebnis der Begegnung zwischen Australien und Serbien auf der Anzeigentafel aufleuchtete (2:1), war klar, dass Deutschland und Ghana im Achtelfinale der Weltmeisterschaft in Südafrika stehen. Sowohl die zahlreich vertretenen deutschen Fans als auch die Anhänger von Ghana schwenkten ihre Fähnchen im mit fast 90.000 Zuschauern besetzten Soccer-City-Stadion in Johannesburg. Die vor dem Spiel als Schicksalsmatch bezeichnete Partie war kein rauschendes Fußballfest, sondern ein normales, kampfbetontes Fußballspiel, das Deutschland mit 1:0 (0:0) gewann. In der Runde der letzten 16 muss das Team von Bundestrainer Jogi Löw am Sonntag nun gegen England antreten, während Ghana gegen die USA spielt.

DFB-Team
Die Einzelkritik
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«Wir haben viele Fehler gemacht, auch einfache Fehler. Da sieht man, dass wir noch eine junge Mannschaft haben», analysierte DFB-Kapitän Philipp Lahm. Ein wenig erinnerte der Beginn des Spiels an die Partie gegen Serbien. Deutschland begann weniger schwungvoll, als man es nach den Analysen des Spiels gegen Serbien hätte erwarten können. Die Anpannung und Nervosität war allen Spielern anzumerken. Der Druck, dass die Mannschaft von Jogi Löw das erste deutsche Team sein könnte, dass bei einer WM bereits nach der Vorrunde die Heimreise antreten muss, lähmte die Kreativität von Müller, Özil & Co. Die Ghanaer hingegen, die als Gruppen-Erster in die Partie gegangen waren, wirkten im Vergleich zu ihren  beiden vorherigen WM-Auftritten ballsicherer und kombinationsstärker.

Zwar war es Cacau, der nach drei Minuten den ersten Torschuss für die DFB-Elf abgab, doch genau wie die folgenden Offensivbemühungen war das zu wenig gefährlich und zwingend. Nach einer Viertelstunde hatten die Ghanaer den offenbar ohnehin nicht allzugroßen Respekt vor der deutschen Mannschaft abgelegt. Asamoah Gyan, der in den ersten beiden WM-Spielen bereits zweimal getroffen hatte, wurde im deutschen Strafraum einschussbereit von Schweinsteiger geblockt.

Özil patzt bei der Großchance

Bezeichnend für die erste Hälfte war die Reaktion des normalerweise stets freundlichen Cacau, der nach einem seiner harmlosen Schüsse schimpfte wie ein Rohrspatz. Gegen die robusten Afrikaner kam der Stuttgarter auf der Mittelstürmerposition überhaupt nicht zum Zuge, musste öfter auf die Flügel ausweichen, um sich dort Bälle zu holen und war darüber offensichtlich richtig sauer.

Als hätte Cacau sich und seine Kollegen mit dem emotionalen Ausbruch geweckt, schickte er nur eine Minute später Mesut Özil auf den Weg. Plötzlich stand der 21-jährige Bremer allein vor Ghanas Torhüter Richard Kingson. Er hätte lupfen können, den Keeper umdribbeln oder den Ball einfach ins Tor schießen. Doch die Situation war für den Fußballkünstler Özil scheinbar zu einfach - er blieb mit seinem Schuss an Torhüter Kingson hängen. Wie schon im Auftaktspiel gegen Australien vergab Özil eine hundertprozentige Torchance.

Doch auch die verpasste Möglichkeit trug nicht zu einer Temposteigerung im deutschen Spiel bei. Im Gegenteil: Ghana ließ die deutsche Mannschaft das Spiel machen und das Team des serbischen Trainers Milovan Rajevac nutzte die sich bietenden Räume clever. So ließ Ghanas Außenstürmer André Ayew DFB-Linksverteidiger Jerome Boateng zweimal stehen und zog gefährlich in Richtung Strafraum. Boateng hatte den Vorzug vor Holger Badstuber bekommen - rechtfertigen konnte er diesen Vertrauensbeweis nicht und wurde in der 71. Minute gegen Marcell Jansen ausgewechselt. Sowohl Jerome als auch sein Bruder Kevin-Prince Boateng, der bei Ghana schwächer agierte als in den beiden Spielen zuvor, verhielten sich die gesamte Partie über vorbildlich diszipliniert und ließen sich zu keinerlei Überreaktionen hinreißen.

Erlösung in der 60. Minute

«Wir müssen schneller spielen, mehr in die Tiefe gehen», sagte Co-Trainer Hansi Flick zu Beginn der zweiten Halbzeit. «Man merkt die Anspannung im Team.» Auf dem Platz jedoch änderte sich zunächst nicht viel. Ghana war weiter präsent, in der 51. Minute prüfte Ayew Deutschlands Keeper Manuel Neuer. Der Schalker parierte gegen den freistehenden Ghanaer glänzend und machte seine Sache in seinem dritten WM-Spiel auch sonst gut.

Kurze Zeit später war es der quirlige und stets anspielbereite Özil, der das angespannte deutsche Team erlöste. Nachdem sich Thomas Müller einmal gut auf der rechten Seite durchgesetzt und den Ball zentral in Richtung Strafraum gepasst hatte, zog Özil aus 18 Metern ab - und der Ball war im Tor. Dass er diese schwierige Chance im Gegensatz zu seiner Gelegenheit in der ersten Hälfte nutzte, ist typisch Özil.

Doch das Tor in der 60. Minute sorgte nicht dafür, dass sich das Spiel offener gestaltete. Deutschland verwaltete den Sieg und auch Ghana wollte kein Risiko mehr eingehen. Doch das war keinesfalls schlimm. Nach dem rauschhaften Auftaktsieg gegen Australien und der aus dramaturgischer Sicht erstklassigen Niederlage gegen Serbien war der Arbeitssieg gegen Ghana genau die richtige Vorbereitung auf das Achtelfinal-Duell gegen England.

Lesen Sie auf Seite 2, wie Serben und Australier auf das Ausscheiden reagierten.

Während in Johannesburg beide Teams feiern konnten, waren Sieger und Verlierer im Mbombela-Stadion in Nelspruit am Ende tieftraurig. Australiens bravouröse «Socceroos» und Serbiens «Weiße Adler» müssen nach einem dramatischen Fernduell in der deutschen Gruppe D die Heimreise antreten. Trotz des beinahe sensationellen 2:1 (0:0) in Nelspruit über den Deutschland-Bezwinger aus Serbien konnten die Australier ihren Achtelfinal-Coup von 2006 nicht wiederholen und schieden wie die entzauberten Serben bereits in der Vorrunde der Fußball-Weltmeisterschaft aus. Immerhin verabschiedeten sich die aufopferungsvoll kämpfenden Außenseiter von «Down Under» aber erhobenen Hauptes aus Südafrika.

Vor 37.000 Zuschauern machten Tim Cahill (69. Minute) und Joker Brett Holman (73.) per Doppelschlag den ersten Erfolg bei dieser WM für Australien perfekt. Die geschlagenen Serben, für die Marko Pantelic (84.) das Ehrentor erzielte, waren zwar lange überlegen. Sie verfehlten aber ihr großes Ziel, sich bei der ersten WM-Teilnahme als eigenständige Nation in die Annalen zu schießen.

«Wir haben ein großartiges Alles-oder-Nichts-Spiel geliefert, aber es war leider nicht gut genug. Letztlich hat uns die hohe Niederlage gegen Deutschland um alle Chancen gebracht», sagte der scheidende australische Coach Pim Verbeek. Torschütze Cahill war sogar ein wenig stolz: «Wir haben ein fantastisches Team, in dem jeder für jeden kämpft.» Dagegen war Pantelic total frustriert: «Ich finde keine Worte», gestand der Stürmer. «Unser Fehler war, dass wir in der ersten Halbzeit fahrlässig mit unseren Chancen umgegangen sind. Ich glaube, es waren vier Hundertprozentige, die wir ausgelassen haben.»

tno/ivb/news.de/dpa

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Heilman
  • Kommentar 1
  • 24.06.2010 07:58

Sieg aber trotzdem Armutszeugnis und der LÖW - nicht LÖWE - der sich vorkommt wie der grösste TRAINER ALLER ZEITEN, hat unpassend für eine WM das TEAM wohl zu stark verjüngt! Ob so ein Typ mit solch "Habichts-Augen" jemals bei sich einen Fehler entdecken wird, wage ich zu bezweifeln! Ok, die Engländer (älteste Fussball-Nation)werden aus den Schwächen des "grossen Löwen" gewiss ihren NUTZEN ziehen! Ich vermute mal (aber ich hoffe nicht) es wird so ein 2:1 für Great Britain bei 'rauskommen!

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