Offensiv-Flaute Die WM ohne Tore

Offensive war gestern: Bei der WM in Südafrika fallen bisher so wenig Tore wie noch nie bei einem Weltturnier. Erst 1,64 Treffer pro Partie stehen zu Buche. Nur ein Team hat bisher wirklich etwas gegen die Langeweile im Strafraum getan: Deutschland.

Wayne Rooney (Foto)
Für die Stürmer wie Englands Wayne Rooney läuft die WM bisher nicht nach Wunsch. Bild: ap

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika ist bisher keine Spielwiese für Stürmer. In den ersten elf Partien wurden gerade einmal 18 Tore erzielt. Setzt sich die Flaute fort, wird das erste Turnier auf afrikanischem Boden zur mit Abstand torärmsten WM werden. 1,64 Tore standen nach elf Partien zu Buche. Schlechter war der Schnitt zu diesem Turnier-Zeitpunkt noch nie. Und das, obwohl einige der 18 Treffer nicht durch starke Offensiv-Aktionen fielen, sondern durch Torwartfehler.

«Das ist normal. Im ersten Spiel sind alle vorsichtiger. Das ändert sich, wenn mehr Partien gespielt sind», sagte Portugals Deco. Doch der Ballzauberer täuscht sich. Bei den vergangenen beiden Turnieren 2002 und 2006 sank der Tore-Schnitt bis zum Finale sogar noch. Auch die FifaDie Fifa (Fédération Internationale de Football Association) ist der Fußballweltverband. Die Organisation mit Sitz in Zürich ist beispielsweise für die Ausrichtung von Weltmeisterschaften und die grundlegenden Regeln im Fußball zuständig. Gegründet wurde die Fifa 1904 in Paris. Heute gehören ihr mehr als 200 nationale Fußballverbände an. möchte das noch dünne Datenmaterial nicht überbewerten. «Es ist zu früh. Man kann nach acht Spielen noch kein Urteil fällen», hieß es von Seiten des Weltverbandes nach dem Auftaktwochenende.

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Auch die Niederlande und Dänemark (2:0) sowie Titelverteidiger Italien und Paraguay (1:1) konnten gestern die Tendenz nicht stoppen. Japan und Kamerun (1:0) drückten die Quote sogar weiter nach unten. Ein Trend zeichnet sich auf jeden Fall ab: Wie schon bei der WM 2006 setzten die Teams auf eine möglichst kompakte Spielstruktur. Bedingungslose Offensive wird nicht als Erfolgsrezept angesehen.

Zudem gibt es keine «Kleinen» mehr. «Die Breite in der Spitze ist dichter geworden», stellte Berti Vogts schon vor Jahren mit etwas seltsamer Wortwahl fest. Aber Fakt ist: Die meisten WM-Spieler sind bei Topklubs in Europa unter Vertrag - taktische Naivität, die Tore begünstigt, gehört der Vergangenheit an. Seit 1994 in den USA sinkt der Schnitt bei jedem Turnier.

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Doch was ist mit den Stürmern los? Erst das neunte WM-Tor wurde von einem Angreifer erzielt. Ghanas Asamoah Gyan traf gegen Serbien - per Elfmeter. Danach verteidigten die deutschen Stürmer Miroslav Klose und Cacau ihren Berufsstand. Hollands Dirk Kuyt zeigte immerhin sein Abstaubertalent.

Ansonsten haben Abwehr- und Mittelfeldakteure bewiesen, dass im modernen Fußball Torgefahr kein Stürmerpatent mehr sein muss. Gabriel Heinze köpfte Argentinien zum Sieg. Der Mexikaner Rafael Marquez verdarb Südafrika mit seinem Tor den Premierensieg. Südkoreas Defensivmann Lee Jung-Soo ließ Griechenlands Angreifer Angelos Charisteas bei dessen Abwehrversuch alt aussehen.

Vor vier Jahren in Deutschland waren zum gleichen Zeitpunkt 2,5 Tore pro Spiel gefallen. 2002 in Südkorea/Japan waren es sogar 2,9 Treffer pro Spiel. Den Negativrekord hält bislang die WM 1990 in Italien mit 2,21 Toren zum Turnierende. Hoffen wir für die Fans und die Stürmer, dass es in Südafrika noch eine Trendwende gibt. Vielleicht macht ja Brasilien heute Abend gegen Nordkorea mit einem Torfestival schon den Anfang.

mik/bla/reu/news.de/dpa

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • SonyaFan
  • Kommentar 1
  • 15.06.2010 14:43

Deutschland hat es ja auch ziemlich einfach in der Gruppe.Lassen wir doch erst die schwierigeren Gegner kommen und schauen dann mal.Ich denke dass spätestens in der nächsten Runde Schluss ist mit dem Deutschlandmärchen.

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