Pierre Littbarski Ein Weltmeister unter «Wölfen»

«Litti» kehrt in die Bundesliga zurück. Als Co-Trainer will er mit Steve McClaren die «Wölfe» zurück in die Erfolgsspur bringen. Im news.de-Interview sagt er, welche Titelchancen das deutsche Team hat und verrät seinen Lieblingsspieler der WM.

Pierre Littbarski (Foto)
Pierre Littbarski ist neuer Co-Trainer beim VfL Wolfsburg. Bild: dpa

Kürzlich waren Sie als Nationaltrainer Australiens im Gespräch, nun die Rückkehr in die Bundesliga. Was gab den Ausschlag für den VfL Wolfsburg?

Littbarski: Es waren zwei Gespräche, die mich überzeugt haben. Zum einen mit Dieter Hoeneß, den ich schon als Spieler kenne und bei dem ich sofort gespürt habe, dass hier eine Vision vorhanden ist, die man auch verwirklichen will. Das zweite entscheidende Gespräch habe ich mit Steve McClaren geführt und ich war auch von ihm begeistert. Er hat ganz klare Anforderungen und Vorstellungen sowie eine klare Struktur. Die Chemie hat auf Anhieb gestimmt und ich bin sicher, dass ich mir von ihm noch viele Dinge abschauen kann.

Welchen Eindruck haben sie von Steve McClaren?

Littbarski: Einen sehr guten. Wir haben uns, wie gesagt, auf Anhieb verstanden. Er hat angekündigt, flexibel spielen zu wollen, verschiedene Systeme zu trainieren. Das ist eine Riesenaufgabe für den ganzen Trainerstab. Mit dem Titelgewinn in Enschede ist Steve McClaren ein außergewöhnlicher Erfolg gelungen. Das könnte auch hier etwas Gutes werden.

Der WM-Kader: Auf diesen Jungs ruht die Hoffnung

Welche sportlichen Ziele haben Sie mit dem VfL Wolfsburg in der nächsten Saison?

Littbarski: Wir wollen eine Mannschaft entwickeln, die taktisch auf einem guten Niveau ist. Es steckt ein Riesenpotenzial in der Mannschaft, aber sie war in der letzten Saison im Mittelfeld manchmal zu offen und nicht kompakt genug. Es ist ein guter Zeitpunkt, neu anzufangen. Wir brauchen einige gezielte Verstärkungen und wollen außerdem die vorhandenen Spieler wieder zu Topleistungen bringen.

Sie sind auch in Waldis WM-Club (ARD) zu Gast. Sehen wir Sie auch in Zukunft als TV-Experten?

Littbarski: Nein, das wird jetzt eher weniger werden. Ich möchte mich voll und ganz auf meine Aufgabe beim VfL Wolfsburg konzentrieren.

Als Kenner des australischen Fußballs (Meister 2006 mit dem Sydney FC, Anm. d. Red.): Wie stark schätzen Sie die australische Mannschaft ein?

Littbarski: Das ist eine sehr kompakte und abwehrstarke Mannschaft. Sie sind schwer zu knacken und vor allem topfit. Australien hat schon bei der WM 2006 seine Klasse bewiesen und ist nur unter dubiosen Umständen gegen Italien ausgeschieden. Meiner Meinung nach ist es das zweitstärkste Team in der Gruppe.

Was erwarten Sie von der deutschen Mannschaft gegen Australien?

Littbarski: Mit einem 1:0 wäre ich zufrieden. Es wird das schwierigste Gruppenspiel und sicherlich kein Zuckerschlecken. Sie sind für uns ein weitgehend unbeschriebenes Blatt und wir dürfen nicht den Fehler machen und die Mannschaft unterschätzen. Ich erwarte, dass die deutsche Elf in der Gruppenphase noch ihre Probleme haben wird, sich im Laufe des Turniers aber weiter steigern wird.

Wer kann denn der Star der WM werden?

Littbarski: Ich bin ein Fan von Cristiano Ronaldo. Er konnte in dieser Saison mit Real Madrid nicht so im Rampenlicht stehen und wird jetzt die Chance ergreifen, bei der WM zu glänzen.

Welcher deutsche Spieler hat das Potenzial, dem Turnier seinen Stempel aufzudrücken?

Littbarski: Im deutschen Team sehe ich Philipp Lahm im Fokus. Er hat zuletzt sehr viel Selbstvertrauen gesammelt und spielt auf einer Position, die sehr viel Ballbesitz erfordert. Wir werden auf der Außenposition viel von ihm sehen. Man wirft der Mannschaft oft vor, sie sei zu jung. Aber die einzelnen Spieler haben in der vergangenen Saison hervorragende Leistungen gezeigt.

Wer wird Weltmeister?

Littbarski: Deutschland.

Pierre Littbarski (geb. am 16. April 1960, West-Berlin) erreichte dreimal in Folge ein WM-Finale mit dem krönenden Abschluss des Weltmeister-Titels 1990. Seine aktive Karriere im Verein verbrachte er hauptsächlich beim 1. FC Köln, später spielte er in Japan. Als Trainer arbeitete er u.a. für Bayer Leverkusen (Co-Trainer), MSV Duisburg, Sydney FC und zuletzt FC Vaduz (Liechtenstein). Zurzeit ist er gern gesehener Gast der TV-Show Waldis WM-Club in der ARD.

cvd/ivb/news.de

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig