WM 2010 Jogi, der Entspannte

Nach den quälenden Monaten im Frühjahr ist Bundestrainer Joachim Löw kurz vor Beginn der WM selbstbewusst und ruhig. Unbeeindruckt vom Medienzirkus arbeitet Löw in Ruhe mit seiner Mannschaft. Jetzt macht sogar Sorgenkind Miroslav Klose Fortschritte.

Löw und Beckenbauer (Foto)
Der Bundestrainer und die graue Eminenz: Jogi Löw (l.) und Franz Beckenbauer. Bild: dpa

Das Quälendste im Vorfeld fußballerischer Großereignisse sind die Fragen und Statements zu den Erfolgsaussichten der deutschen Mannschaft. Besonders, wenn Franz Beckenbauer auf dem Podium sitzt und seine Sicht der Dinge unters Volk bringt. Dann wird spekuliert und gefloskelt, dass es eine wahre Freude ist. Im bayrischen Idiom sagt die Lichtgestalt des deutschen Fußballs dann Allgemeinplätze wie: «Wenn die deutsche Mannschaft a bissl a Glück hat, sehe ich sie im Halbfinale.» Und: «Wenn du einmal im Halbfinale bist, kannst du die Weltmeisterschaft auch gewinnen.» Aha. Der Medien-«Kaiser», Sky-Kommentator und Bild-Kolumnist hat gesprochen.

Jogi Löw, der an diesem Mittwoch neben Beckenbauer im südafrikanischen Erasmia auf dem Podium Platz nahm, darf als medialer Gegenentwurf zu seinem Amts-Vor-Vor-Vor-Vor-Vorgänger gelten. Etwas umständlich, aber wenigstens fundiert, doziert der badische Fußballlehrer etwa über modernes Fußballspiel, das Spiel ohne Ball oder Verschieben im Abwehrverbund.

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Löw: «Ich habe ein ruhiges Gewissen»

Wie um der versammelten Medienmeute nochmals zu beweisen, dass Löws ganze Konzentration seiner Mannschaft gilt, kam der Bundestrainer fast eine halbe Stunde zu spät zur allmittäglichen Pressekonferenz. Das ausgedehnte Videostudium mit der Mannschaft war ihm wichtiger als pünktliches Erscheinen. 

Im Gegensatz zu dem verkniffenen Löw der Frühjahrsmonate, als ihm der öffentliche Druck um Kadernominierung für die WM sowie seine geplatzte Vertragsverlängerung schwer zu schaffen machten, wirkte der Freiburger bei seinen ersten Statements aus dem WM-Quartier der deutschen Mannschaft fast gelöst. «Ich sehe der WM mit großer Freude und unglaublicher Gelassenheit entgegen und habe ein ruhiges Gewissen», sagte Löw.

Tiefenentspannung demonstrierte er auch bei den Fragen, die derzeit die Fußball-Interessierten und -Medienschaffenden umtreiben. Kommt Miroslav Klose langsam in Form? Kann diese junge Mannschaft dem Druck standhalten? Wie ist WM-Auftaktgegner Australien zu besiegen? Und wer wird eigentlich Weltmeister?

Löw wettet mit Flick

«Der Miro fühlt sich körperlich viel besser, das war gestern für uns das erste Mal auf dem Trainingsplatz zu sehen», war Löws wichtigste Antwort. «Beweglich» sei er im Training gewesen, «schnell in seinen Aktionen». Übersetzt heißt das: Klose hat gute Chancen, am Sonntag in der Startelf zu stehen. Dazu betonte Löw zum wiederholten Male die Stärke der australischen Mannschaft, das Potenzial der Özils, Marins und Müllers sowie die «begeisternde» Trainingsarbeit des DFB-Teams.

Zum Abschluss wollte noch einer wissen, ob Löw und sein Assistent Hansi Flick wie schon bei der WM 2006 eine Wette zum Abschneiden der deutschen Mannschaft abgeschlossen hätten und was der Einsatz sei. «Den Einsatz verrate ich erst, wenn es soweit ist», sagte Löw. Endlich einmal keine Prognose - wie wohltuend.

oro/ivb/news.de

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