THW Kiel krönt schnellen Umbruch
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Ohne die Stützpfeiler Nikola Karabatic, Vid Kavticnik und Stefan Lövgren gewinnt der THW Kiel die Champions League. Der Umbruch auf und abseits des Spielfeldes ging nach den noch immer diskutierten Manipulationsvorwürfen schneller als gedacht.
Aron Palmasson hatte die Champions-League-Trophäe geschultert und umarmte jeden, der sich ihm in den Weg stellte: Als die Kieler Handball-Helden, angeführt vom Mann der Zukunft, weit nach ein Uhr nachts auf der Players Party aufschlugen, gab es nur strahlende Gesichter.
Mit dem 36:34-Final-Triumph gegen den FC Barcelona in Köln hatte der deutsche Meister THW Kiel beim ersten Final Four Geschichte geschrieben und erstaunlich schnell seinen Umbruch gekrönt. Und nicht zuletzt ist der Schatten über dem ersten Champions-League-Gewinn 2007 kleiner geworden, dem der Makel eines unlauteren Sieges anhaftete.
Die Manipulationsaffäre ist noch immer nicht ausgestanden
Beim ersten Endrunden-Turnier der Königsklasse ist nach Meinung von Trainer Alfred Gislason alles mit rechten Dingen zugegangen. «Wir wollten die bessere Mannschaft sein und ohne Hilfe gewinnen. Das haben wir geschafft. Darauf bin ich stolz», sagte der Isländer. Er hatte seine Mannschaft in den Spielen gegen Ciudad Real und Barcelona sogar von den Referees benachteiligt gesehen. «Bevorzugt wurden wir nicht. Das waren auf keinen Fall Heim-Schiedsrichter», erklärte er.
In der Stunde des Erfolges war aller Ärger verraucht. Vielmehr bestimmten Freude, Jubel, Genugtuung, Stolz auf das Vollbrachte und der Ausblick auf eine rosige Zukunft die Szenerie. Denn zwischen den beiden Champions-League-Siegen hat sich der THW Kiel auch wegen der noch immer nicht ausgeräumten Manipulationsaffäre runderneuert: Uli Derad kam als Manager für Uwe Schwenker, der das Erfolgsteam 2010 zu einem großen Teil noch zusammengestellt hat, Gislason folgte Zvonimir «Noka» Serdarusic nach, für die tragenden Spieler Stefan Lövgren, Nikola Karabatic und Vid Kavticnik mussten die Neuen Palmarsson, Momir Ilic, Daniel Narcisse und Christian Sprenger integriert werden.
«Wir haben alle Möglichkeiten, noch besser zu werden als in diesem Jahr», befand Alfred Gislason, «für uns sollte das eine Übergangssaison sein und wir sind schon weiter mit dem Umbruch als viele gedacht haben. Das ist für uns Bestätigung.» Schon mit dem 33:31-Erfolg in der Bundesliga beim HSV Hamburg, mit dem sich die Kieler wohl den Weg zum 16. Meister-Titel geebnet haben, sei Beweis dafür gewesen. «Wir hören die ganze Saison über, dass wir taktisch und technisch den schlechteren Handball spielen als der HSV. Und dann zeigen wir, dass es umgekehrt ist», frohlockte Gislason.
Am Mittwoch wartet Balingen
Perspektivisch setzt er auf seinen gerade 19 Jahre alten Landsmann Palmarsson, der künftig als Nachfolger des Schweden Lövgren das Spiel beim Rekordmeister lenken soll. «Er kann ein Großer werden», urteilte der Trainer über das Ausnahmetalent. Und auf der Position des abgewanderten ehemaligen Welthandballers Karabatic hat sich inzwischen Filip Jicha zum Rückraum-Star gemausert und unentbehrlich gemacht. Der Tscheche holte mit 119 Treffern zum zweiten Mal hintereinander die Torjäger-Krone der Champions League. «Jicha hat die Lücke von Karabatic komplett geschlossen - wenn auch auf andere Weise», lobte Gislason, dessen Team 495.000 Euro an Champions-League-Prämien eingespielt hat.
Als die müden Handballer nach langer Nacht via Hamburg die Heimreise antraten, waren alle Feierlichkeiten vorerst beendet. Denn am 2. Juni vor heimischer Kulisse gegen HBW Balingen-Weilstetten und am 5. Juni beim TV Großwallstadt stehen die beiden entscheidenden Partien um die deutsche Meisterschaft an. Nur mit zwei Siegen kann Kiel seinen Titel verteidigen. Nach den beiden Final-Four-Kraftakten im Halbfinale gegen Ciudad Real und im Endspiel gegen Barcelona alles andere als ein leichtes Unterfangen. «Das schwerste Spiel wird das in Großwallstadt», warnte Gislason, «wir sind noch lange nicht Meister.»
kru/oro/reu/news.de/dpa
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