Löw im Interview «Das wird wehtun»

Löw muss «weh tun» - WM-Gratwanderung ohne Zwei (Foto)
Joachim Löw (l.) mit seinem Trainerstab und Teammanager Oliver Bierhoff (r.) beim Spiel gegen Ungarn. Bild: dpa

Den WM-Test gegen Ungarn hat die deutsche Nationalelf bestanden. Im Interview spricht Bundestrainer Joachim Löw über wichtige Erkenntnisse aus der Partie und verrät seine größte Sorge.

Wie bewerten Sie das 3:0 gegen Ungarn?

Löw: Gerade im Spiel nach vorne haben wir gut kombiniert, hatten ein gutes Spiel ohne Ball. Aber mit der Chancenauswertung konnte man zur Halbzeit keinesfalls zufrieden sein. Wir haben drei, vier oder fünf Riesenchancen vergeben. In der zweiten Halbzeit haben mir 20 Minuten nicht gefallen. Danach lief es besser, mit dem zweiten Tor war das Spiel gelaufen. Wir haben intensiv trainiert, da können die Spieler diese Dynamik und das Tempo noch nicht über 90 Minuten gehen. Aber ich habe viel Positives gesehen.

Wie sehen Sie nach diesem Spiel die Chancen für die WM?

Löw: Darüber denke ich jetzt nicht nach. Wir sind mitten in der Vorbereitung. Selbstverständlich ist bei uns vieles auf das erste Spiel gegen Australien ausgerichtet. Wir müssen erst die Gruppenphase überstehen. Ich sehe trotz des Ausfalls von Michael Ballack Potenzial, auch bei den jungen Spielern.

Der WM-Kader
Auf diesen Jungs ruht die Hoffnung

Sie müssen spätestens am Dienstag noch zwei Spieler aus dem Kader streichen. Sind Sie der Entscheidung näher gekommen?

Löw: Nach dem Spiel ist nicht der Zeitpunkt, darüber zu spekulieren: Wer hat heute einen Einsatz gehabt, wer nicht? Wir werden im Trainerstab überlegen, wie die beste Zusammensetzung ist. Es können nur 23 Spieler mit, das wird wehtun für zwei.

Hat Marcell Jansen den Härtetest bestanden? Zweifeln Sie noch hinsichtlich einer endgültigen Nominierung von ihm?

Löw: Zweifel? Das kann ich jetzt schwer beantworten. Das war sein erstes Spiel, eine Wettkampfsituation nach langer Zeit. Das war ein guter Test für ihn über 30 Minuten. Eine WM ist ein hohes Level an Belastung. Da muss ich auch nochmal mit den Ärzten sprechen und mit ihm reden. Er konnte noch keine 90 Minuten spielen. Aber es war gut für ihn. Wenn Marcell Jansen das bringt, ist er wichtig.

Haben Sie bei Miroslav Klose nach diesem Spiel das Gefühl, dass es ein zähes Ringen wird, ihn in WM-Form zu bringen?

Löw: Dass es kein leichtes Unterfangen wird, ist klar. Der Miro hat eine ganze Weile nicht regelmäßig gespielt. Es wird harte Arbeit werden für ihn und uns alle. Dass er noch nicht die Form gezeigt hat, wie er spielen kann, ist klar. Wir haben noch Zeit. Miro hat viel Qualität, aber er muss im Training arbeiten, um Sicherheit zu gewinnen und das Selbstbewusstsein zu holen, das ein Stürmer braucht. Aber Miro ist ein Spieler, der Wettkampfsituationen kennt. Er ist steigerungsfähig und hat das immer dann bewiesen, wenn er abgeschrieben wurde, ob vor dem Finnland- oder Russland-Spiel. In diesen harten Kämpfen hat er eigentlich immer zugeschlagen.

Ab Montag können Sie endlich mit der gesamten Mannschaft richtig trainieren. Wie wichtig ist das?

Löw: Diesen Tag habe ich jetzt schon eine ganze Weile herbeigesehnt. Wir haben insgesamt noch zwei Wochen Zeit im Training und ein Spiel. Es ist wichtig, dass jetzt ab Montag auch Schweinsteiger, Müller und Lahm einsteigen. Jetzt geht es schon darum, gesamtheitlich einige Dinge einzustudieren.

Wie viel ist für Sie im Hinblick auf die WM Hoffnung? Und wie viel ist Wissen bei dieser jungen Mannschaft?

Löw: Wir haben eine Mannschaft, in der viele Spieler nicht allzu viel Erfahrung haben, aber Potenzial. Wie die jungen Spieler in Extremsituationen reagieren bei einer Weltmeisterschaft, das ist nur schwer vorhersehbar. Vertrauen in diese Spieler ist vorhanden. Toni Kroos, Sami Khedira, Mesut Özil, das sind ganz junge Spieler, aber die spielen hier einfach und klar. Und als Holger Badstuber reinkam, da war das Spiel zwar schon entschieden, aber der spielt ja so abgeklärt, so unaufgeregt. Das spricht dafür, dass sie etwas können.

mas/news.de/dpa

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