Eishockey-WM Die wunderbare Blechmedaille

Eishockey-WM 2010 (Foto)
Beim Spiel um Platz drei in Köln greift Deutschlands Constantin Braun (r.) Schwedens Johan Harju an. Bild: ddp

Eigentlich gibt es bei einer Weltmeisterschaft, nichts Schlimmeres als den vierten Platz. Doch das deutsche Eishockeyteam kann stolz sein auf seine WM-Leistung - sie war die Beste seit Jahrzehnten. Den Titel holten am Ende die Tschechen.

Das kleine Finale verloren, aber auch ohne Medaille die Herzen gewonnen: Das deutsche Eishockey-Team hat Platz drei bei der Heim-WM mit 1:3 (0:1, 1:0, 0:2) gegen Schweden verpasst, doch mit dem besten Turnier seit Olympia-Bronze 1976 mächtig beeindruckt. Nach dem stärksten WM-Abschneiden seit Platz zwei 1953 will der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) nun möglichst schnell versuchen, Bundestrainer Uwe Krupp zur Verlängerung seines Vertrages zu bewegen. Um den Titel spielten am Abend Deutschland-Bezwinger Russland und Tschechien.

Nur 20 Stunden nach dem grandiosen, am Ende aber erfolglosen Auftritt gegen Titelverteidiger und Rekordweltmeister Russland musste das deutsche Team früh einem Rückstand hinterherlaufen. Magnus Pääjärvi Svensson überwand nach drei Minuten den ins Tor zurückgekehrten Dennis Endras. Alexander Barta (37.) glich aus, doch Jonas Andersson (44.) traf aus spitzem Winkel gegen den unglücklichen Endras. Mit einem Schuss ins leere Tor (60.) verhalf erneut Andersson dem achtmaligen Weltmeister nach der Penalty-Pleite gegen Tschechien wie im Vorjahr zum dritten Platz. Schwedens Trainer Bengt-Ake Gustafsson verabschiedete sich so versöhnlich vom Drei-Kronen-Team.

Eishockey-WM 2010
Kufencracks und Raufbolde

«Es kommt darauf an, wer mehr Energie hat, wer seine Enttäuschung besser verdaut hat», sagte Bundestrainer Krupp vor der Partie. «Für uns ist es sicherlich bedeutungsvoller als für die Schweden, die haben zu Hause eine ganze Vitrine voller Pokale für dritte Plätze.» Krupp fehlte neben Patrick Hager, der im Viertelfinale einen Mittelhandbruch erlitten hatte, auch Korbinian Holzer. Der Verteidiger hatte sich während des 1:2 gegen Russland am Samstag bei einem Bandencheck eine leichte Gehirnerschütterung zugezogen. Krupp wollte auch mit Blick auf eine mögliche NHL-Karriere von Holzer nichts riskieren.

Frühen Rückstand gut weggesteckt

NHL-Profi Alexander Sulzer sah schlecht aus, als Torjäger Pääjärvi Svensson ihn stehen ließ und Endras überwinden konnte. Der Augsburger rettete danach noch mehrfach glänzend, seine Teamkollegen steckten den Schock des frühen Rückstandes gut weg. Michael Wolf (10.) und Felix Schütz (11.) tauchten jeweils allein vor Jonas Gustavsson auf, schossen aber den Schlussmann an.

Doch Barta fand schließlich eine Lücke zwischen dem Keeper und zwei Verteidigern: Erst scheiterte der Kapitän der Hamburg Freezers an Gustavsson, holte sich aber seinen Abpraller und verzögerte so lange, bis Platz für den Puck war. «Ich habe gesehen, dass der Torwart nicht weiß, wo die Scheibe ist. Ich habe gewartet, bis ich sicher war», sagte Barta und forderte vor dem Schlussdrittel: «Wir müssen weiter Gas geben, wir wollen uns Bronze holen.»

Doch die Schweden wollten die erste WM-Niederlage gegen die Deutschen seit 19 Jahren und die Revanche für das 0:2 des DEB-Teams bei Olympia unbedingt verhindern. Andersson hatte das nötige Glück, als Endras beim Flachschuss fast von der Bande die Sicht verdeckt war und der Puck durch seine Schoner den Weg ins Tor fand. Danach warfen die Hausherren vor 15.873 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften Arena alles nach vorn, doch der erhoffte Ausgleich gelang nicht mehr. Als Endras aus dem Tor gegangen war, fiel die Entscheidung.

Russland wird vom Thron gestürzt

Die WM-Krone hat sich letztlich Tschechien gesichert und damit den Erzrivalen Russland vom Eishockey-Thron gestoßen. Das Team um Altstar Jaromir Jagr siegte am Sonntag in Köln im Endspiel 2:1 (1:0, 1:0, 0:1) gegen den Rekordchampion und Weltmeister der vergangenen beiden Jahre. Während die Russen ihren 26. Erfolg verpassten, holten die zuletzt vor fünf Jahren erfolgreichen Tschechen ihren zwölften Titel.

Die Tschechen gingen bereits nach 20 Sekunden durch Jakub Klepis in Führung, Tomas Rolinek (39.) besiegelte mit einem regulären Schlittschuh-Tor die erste russische Niederlage nach 27 WM-Siegen in Folge. Der Anschluss von Pawel Dazjuk (60.) kam zu spät.

cvd/mas/news.de/dpa

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