Sensation knapp verpasst
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Sie spielen die beste WM seit Jahrzehnten. Auch wenn das deutsche Eishockeyteam im Halbfinale gegen Rekordweltmeister Russland knapp verloren hat, ist die Spannung noch nicht vorbei. Am Sonntag geht es gegen die schwedische Mannschaft im Spiel um Platz drei.
Aus der Eishockey-Traum vom WM-Endspiel: Titelverteidiger Russland hat den sensationellen Lauf der deutschen Auswahl im Halbfinale kurz vor Schluss gestoppt, doch die Chance auf die erste Medaille seit Olympia-Bronze 1976 lebt noch. Nach dem unglücklichen 1:2 (1:0, 0:1, 0:1) gegen den Rekordweltmeister spielt das trotz der Niederlage zurecht von den Fans gefeierte DEB-Team am Sonntag (16.15 Uhr/Sport 1) in Köln gegen Schweden um Platz drei. Danach (20.30 Uhr/Sport 1) wollen die Russen gegen Tschechien den Titel-Hattrick perfekt machen und zum 26. Mal Weltmeister werden.
Spannung bis zum Schluss
Erst Pawel Dazjuk rettete 1:50 Minuten vor dem Ende den turmhohen Favoriten per Konter. Kapitän Marcel Goc ließ die erneut über sich hinauswachsenden Gastgeber mit der Führung in der 16. Minute zuvor auf den ersten WM-Sieg über Russland im 37. Vergleich hoffen. Jewgeni Malkin (32.) glich mit seinem fünften Turniertor aus. Ausgerechnet ein Fehler von Philip Gogulla, im Viertelfinale Siegtorschütze gegen die Schweiz, leitete die bittere Entscheidung ein.
«Jetzt ist man erstmal enttäuscht. Wir waren nah dran, aber nah dran reicht leider nicht. Die haben unsere Fehler ausgenutzt», sagte Verteidiger Christian Ehrhoff und kündigte an: «Wir werden alles geben. Wir können das Turnier noch mit einer Medaille beenden, wer hätte das vor dem Turnier gedacht?» Doch auch Schweden will nach dem 2:3 (1:1, 1:0, 0:1) im Penaltyschießen gegen die Tschechen um Altstar Jaromir Jagr wie im Vorjahr zumindesten Dritter werden.
Bundestrainer Uwe Krupp meinte unabhängig vom Ausgang des kleinen Finales: «Wir sind schon historisch. Ich glaube, dass wir heute eines unserer besten Spiele gemacht haben. Wir hatten noch die Chancen, ein zweites oder drittes Tor zu schießen. Russland hatte eine Chance und hat das Tor gemacht. Das ist der Unterschied.»
Löws Team machte der jungen Mannschaft Mut
Die Fußball-Nationalmannschaft hatte vier Jahre nach ihrem deutschen Sommermärchen den Eishockey-Kollegen per Brief aus dem WM- Trainingslager in Südtirol Mut gemacht. «Wir fiebern mit Euch», versprachen die Schützlinge von Joachim Löw, die allerdings wie das DEB-Team schon in der zweiten Minute eine Schrecksekunde erlebten. Malkin traf nur den Pfosten des deutschen Tores, in dem Eisbär Rob Zepp stand. Der überragende Dennis Endras bekam wie von Krupp angedeutet eine Pause, zudem fällt Stürmer Patrick Hager wegen eines gegen die Schweiz erlittenen Mittelhandbruchs auch am Sonntag aus.
Verteidiger Korbinian Holzer wurde nach einem Bandencheck von Nikolai Kulemin benommen in die Kabine geführt und droht mit einer leichten Gehirnerschütterung ebenfalls am Schlusstag zu fehlen. Sünder Kulemin musste zur Strafe vorzeitig vom Eis und bescherte den mit sichtlich gestiegenem Selbstbewusstsein auftretenden Hausherren eine fünfminütige Überzahl.
Als auch noch Alexej Jemelin auf die Strafbank musste, gelang bei 5:3-Feldspielern durch eine NHL-Co-Produktion endlich der zweite deutsche Powerplay-Treffer bei der WM. Kapitän Marcel Goc staubte nach einem der vielen Schüsse von Ehrhoff ab und ließ die mit 18 734 Fans ausverkaufte Köln-Arena erbeben. «Endlich haben wir mal einen reingehauen», sagte der Torschütze. Bei deutscher Unterzahl hatte Felix Schütz sogar die Riesenchance zum 2:0. Der Nordamerika-Profi lief allein auf Torwart Wassili Koschetschkin zu, blieb aber hängen (23.). «Das war unglücklich, ich bin leider auf die Rückhand gegangen», sagte Schütz.
Die bis dahin erst neunmal überwundene deutsche Defensive verteidigte mit Leidenschaft, doch als Malkin den Puck per scharfem Direktschuss ins kurze Eck wuchtete, war Zepp machtlos. Die zwischenzeitlich schon frustriert wirkenden russischen Eishockey- Millionäre bejubelten genau wie viele russische Fans den Ausgleich erlöst und hatten Pech, als Dimitri Kulikow nur die Latte traf (36.).
Eine Woche nach dem knappen 2:3 in der Zwischenrunde schaffte es das DEB-Team aber erneut als bislang einzige Mannschaft im Turnier, die «rote Maschine» ins Stottern zu bringen und wehrte sich auch im letzten Drittel zäh - bis zum Scheibenverlust von Gogulla.
Halbfinalkrimi auch für Tschechien und Schweden
Am frühen Abend macht Tschechien im zweiten Halbfinale gegen Schweden seinen Finaleinzug klar. Der elfmalige Weltmeister Tschechien um Ex-NHL- Superstar Jaromir Jagr steht nach einer dramatischen Entscheidung im Penaltyschießen erstmals seit fünf Jahren im Finale der Eishockey-WM. Tschechien gewann in Köln gegen Schweden durch den entscheidenden Schuss von Jan Marek 3:2 und trifft im Endspiel am Sonntag (20.30 Uhr/Sport 1) auf Titelverteidiger Russland, der knapp mit 2:1 gegen Gastgeber Deutschland gewann. «Das ist ein großartiges Gefühl. Vor allem, wie wir es geschafft haben», sagte NHL-Keeper Tomas Vokoun von den Florida Panthers.
Nach der Verlängerung hatte es 2:2 (1:1, 1:0, 0:1) gestanden. Dem achtmaligen Weltmeister Schweden bleibt im Spiel um Platz drei am Sonntag (16.15 Uhr) wie im Vorjahr die Chance auf Bronze gegen Deutschland, Tschechien will gegen Russland den ersten Titel seit 2005. «Wenn wir 60 Minuten lang hart arbeiten, können wir jeden schlagen», sagte Stürmer Lukas Kaspar.
In einem spannenden Match vor 13 437 Zuschauern rettete Karel Rachunek die Tschechen erst acht Sekunden vor dem Ende in die Overtime. In der regulären Spielzeit war das Drei-Kronen-Team zweimal durch Johan Harju von Spartak Moskau (10. Minute) und Andreas Enqvist (32.) von Djurgarden Stockholm in Führung gegangen. Tschechiens Schweden-Legionär Tomas Mojzis von Modo Ömsköldsvik hatte zum zwischenzeitlichen 1:1 getroffen (18.). «Natürlich bin ich enttäuscht, aber wir haben eigentlich sehr gut gespielt», sagte Schwedens Coach Bengt-Ake Gustafsson, der nach der WM von Pär Mäts abgelöst wird.
Am Ende setzte sich Tschechien mit dem selben Halbfinal-Resultat wie bei der bislang letzten WM in Deutschland 2001 durch, wo am Ende der Titelgewinn gelang. Der 38 Jahre alte Jagr erhält nach zwei Stanley-Cup-Siegen (1991, 1992) und einer olympischen Goldmedaille (1998) damit die Chance auf seinen zweiten WM-Titel nach 2005.
Dabei kam der Weltranglisten-Vierte Schweden zunächst besser ins Spiel, weil Tschechien sich zu viele Strafzeiten leistete. So fiel die verdiente Führung durch das vierte WM-Tor Harjus auch in Überzahl. Erst gegen Ende des Drittels kämpften sich die Tschechen besser in die Partie. Verteidiger Mojzis traf per Schlagschuss zum Ausgleich. Schwedens Keeper Jonas Gustavsson war die Sicht versperrt.
Im zweiten Drittel war Schweden trotz einiger Unterzahl- Situationen deutlich überlegen. Dabei gelang dem 22 Jahre alten Engqvist die verdiente Führung. Der sonst starke tschechische NHL- Keeper Tomas Vokoun von den Florida Panthers war ohne Chance. Erst im Schlussdrittel machte Tschechien noch einmal richtig Druck, scheiterte aber immer wieder an Gustavsson, ehe Rachunek noch per Gewaltschuss traf.
cvd/news.de/dpa
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