Die Vuvuzela als Geheimwaffe
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Von news.de-Redakteur Michael Kraft, Leipzig
Artikel vom 06.05.2010
Man muss nicht ans Kap fahren, um zu erleben, wie sehr sich Südafrika auf die WM freut. Auch die afrikanischen Fußballfans in Deutschland fiebern dem Anpfiff entgegen. News.de hat einen von ihnen getroffen. Und der setzt auf die Kraft der lauten Tröten.
Es ist Freitag. Und Freitag ist WM-Tag. Schon seit Wochen. In Südafrika tragen alle, die sich auf die Fußball-WM freuen, an diesem Wochentag ihre Fankluft. Sogar Verkehrspolizisten stehen dann im Trikot statt in Uniform an der Kreuzung - und selbst Präsident Jacob Zuma trägt bei offiziellen Anlässen seine Fußball-Begeisterung zur Schau. Und natürlich kommt auch Mdu Khaba in voller Montur zum Interview: Trikot, Trainingsjacke, gleich zwei Nationalflaggen, den Original WM-Ball «Jabulani» im Mini-Format und natürlich die obligatorische Vuvuzela hat er dabei.
Mdu kommt aus Ermelo, einem Ort im Nordosten Südafrikas, zwischen Johannesburg und Swaziland. Seit acht Monaten lebt er in Leipzig, wo er seiner deutschen Frau zur Liebe hingezogen ist. Doch auch 10.000 Kilometer entfernt von der Heimat ist er Feuer und Flamme für die WM. «In Afrika ist die Weltmeisterschaft allgegenwärtig. Nicht nur in Südafrika. Wenn man in Mosambique ist oder in Simbabwe, selbst in Nigeria, dann könnte man den Eindruck haben, die WM findet dort statt. Die Menschen sind sehr stolz auf die WM», sagt er.
Dass in Deutschland mit Blick auf das Turnier vor allem von Kriminalität die Rede ist, bringt ihn auf die Palme. «Das Südafrika, über das ich hier in der Zeitung lese, ist nicht das Land, das ich kenne. Das Problem ist bei weitem nicht so groß, wie es gemacht wird», sagt er - und liefert gleich einen passenden Vergleich. «Bevor ich nach Deutschland kam, haben mir alle erzählt, dass es hier so viele Nazis gibt, dass man sich gar nicht auf die Straße trauen kann. Ich hatte wirklich Angst, hierher zu kommen. Jetzt bin ich hier und muss sagen: Es gibt Nazis. Aber bei weitem nicht so viele, wie man im Ausland denkt.»
«Wer Angst hat, soll zuhause bleiben»
Trotzdem sagt er: Wer Angst vor einer Reise nach Südafrika hat, der solle lieber zu Hause bleiben. Denn dann werde man den Aufenthalt am Kap nicht genießen können. «Was für eine WM ist das denn, wenn man sich den ganzen Tag im Hotelzimmer einschließt und nur zum Spiel ins Stadion fährt?», fragt er sich.
Die beste Einstellung für WM-Touristen sei: reingehen, offen sein und mitmachen. «Wer positiv hinfährt, der kann mit unvergesslichen Eindrücken nach Hause kommen und wird immer wieder nach Südafrika zurück wollen», prophezeit Mdu, der mit vollem Namen Mduduzi Goodwill Carl Khaba heißt («aber das klingt, als wäre ich ein marokkanischer Prinz»).
Natürlich hat er auch ein paar Tipps für Südafrika-Besucher parat. Man solle sich unbedingt auf die laute, aufgeschlossene Mentalität der Südafrikaner einlassen und «das machen, worauf man Lust hat, und dort hingehen, wo man sich wohl fühlt». Zum Beispiel in eine Kneipe, wo die Südafrikaner besonders gerne Fußball gucken und dazu das beliebte Castle-Beer trinken oder die Spezialität Bilton (getrocknetes Fleisch mit Salz) essen.
Ein toller Ort, um das echte Afrika zu erleben, sei auch eine «Shisa Myama», eine Art Grillplatz in den Townships, wo man sich vor dem Spiel trifft, Fleisch kauft und dann nett zusammen sitzt - Touristen ebenso wie Einheimische. Wichtig ist in jedem Fall: «Man muss unbedingt jeden grüßen. Das ist eine Frage des Respekts. Egal, wen man trifft, man sagt: ‹Sawubona›. Das bedeutet: Ich sehe dich.»
Die Tickets musste er verschenken
Dass die Stimmung nachlässt, falls Südafrikas Team schlecht abschneidet, glaubt Mdu nicht. Was die Chancen der Bafana Bafana angeht, ist er realistisch. «Bisher haben wir uns gefreut, wenn wir Unentschieden gegen die Nummer 82 der Weltrangliste gespielt haben. Jetzt sollen wir plötzlich gegen die ganz Großen gewinnen? Egal, gegen wen wir antreten: Das wird immer David gegen Goliath sein», meint er - hofft aber auf die Unterstützung der Fans und den ohrenbetäubenden Lärm der Vuvuzelas als Geheimwaffe.
Von den afrikanischen Teams traut er am ehesten Ghana eine starke Rolle zu. «Die können es bis ins Halbfinale schaffen. Am liebsten wäre mir, wenn ein Underdog Weltmeister wird, der noch nie eine WM gewonnen hat.»
Mdu wird auf jeden Fall die Daumen drücken - wenn auch in Leipzig statt in Südafrika. Eigentlich hatte er vier Tickets für das Eröffnungsspiel, doch die hat er jetzt an Freunde verteilt. Denn wenn am 11. Juni in Soccer City erstmals der Ball rollt, erwartet seine Frau das erste Kind. «Natürlich bin ich traurig, dass ich die WM nur im Fernsehen sehen kann. Das ist einfach nicht dasselbe Gefühl», sagt Mdu. Trotzdem sieht er es, typisch südafrikanisch, positiv: «Es ist zwar nicht jedes Jahr eine Weltmeisterschaft in Südafrika. Aber ich werde ja auch nicht jedes Jahr zum ersten Mal Vater.»
hem/ivb/news.de
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Gerade die Leute die am lautesten Lästern, waren noch nie live im Stadion dabei. Sie sitzen vor der Glotze und heulen nur rum, anstatt einfach leiser zu stellen. Würde man ihnen das Bier zum Fußball verbieten wären sie auch angepisst. Solchen Leuten müsste man den ganzen Tag lang in die Fresse tröten.
jetzt antwortenKommentar meldenWarum geht mir eigentlich die ganze WM, wie man so unschön sagt, am Arsch vorbei? Es nervt....auch ohne Tröte...
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