Bernd Heynemann
«Beine hoch und am Pool liegen, ist nicht»

Bernd Heynemann war 1998 als WM-Schiedsrichter im Einsatz. Zwei Partien leitete er in Frankreich, z├╝ckte neun Gelbe Karten. News.de spricht mit dem 56-J├Ąhrigen ├╝ber Lagerkoller, Laktattests und weinseelige WM-Abende.

Bernd Heynemann pfeift ein Spiel. Bild: dpa

Heynemann: Die Teilnahme an der Fu├čball-Weltmeisterschaft war das Highlight meiner Karriere als Schiedsrichter. Es war eine Auszeichnung, dabei sein zu d├╝rfen. F├╝r Schiedsrichter gibt es ja noch viel weniger Pl├Ątze als f├╝r Spieler, nur einen pro Land.

Wie wird man ausgew├Ąhlt?

Heynemann: Der Kreis ist schon einmal klein, da nicht jeder infrage kommt, sondern nur die Schiedsrichter, die Champions-League-Partien und andere Spitzenspiele pfeifen. Die einzelnen Kontinentalverb├Ąnde haben bestimmte Kontingente. Daf├╝r versucht man sich nat├╝rlich, ├╝ber Leistung anzubieten.

Ist es nicht unfair, dass L├Ąnder mit gro├čer Fu├čballtradition wie Deutschland oder Brasilien genau so viele Schiedsrichter stellen wie L├Ąnder, in denen Fu├čball nicht den Stellenwert hat?

Heynemann: Das sind die Regeln, die muss man so akzeptieren. Der Solidargedanke ist auch nicht falsch, sonst h├Ątte Schiedsrichter aus schwachen Ligen nie die M├Âglichkeit an der WM teilzunehmen. Und von der Qualit├Ąt der Liga kann man keine R├╝ckschl├╝sse auf die Qualit├Ąt des Schiedsrichters ziehen. Die skandinavischen Unparteiischen geh├Âren immer zu den Besten, obwohl die nationalen Ligen im europ├Ąischen Vergleich zu den schw├Ącheren z├Ąhlen.

Wie bereitet sich ein Schiedsrichter auf die WM vor?

Heynemann: Sehr langfristig. Den ersten Lehrg├Ąnge gab es bereits im Herbst. Es ist seitdem ein permanenter Prozess mit psychologischen Schulungen, Fitnesstests, medizinischen Checks et cetera. Auch die Schiedsrichter m├╝ssen hundert Prozent Leistung bringen. Eine Woche vor Tunierbeginn treffen sich dann alle im Gastgeberland.

Was ist, wenn man bei Tests durchf├Ąllt?

Heynemann: Dann ist man nicht dabei. Das gilt aber nicht nur f├╝r den Schiedsrichter, sondern auch f├╝r seine zwei Assistenten. Sie bilden zusammen ein Team und wenn einer zum Beispiel beim medizinischen Check durchf├Ąllt, bedeutet das f├╝r alle das Aus.

Haben die Schiedsrichter wie die Mannschaften ein «Teamhotel»?

Heynemann: Ja, zu meiner Zeit in Frankreich war es in der N├Ąhe von Paris. In S├╝dafrika wird es Nahe Johannesburg sein. Und es ist auch sonst wie bei den Mannschaften. Der Tagesablauf folgt einem festen Zeitplan. Ein Stab von Betreuern und Trainern k├╝mmert sich darum, dass die Schiedsrichter fit bleiben – mit Beine hoch und am Pool liegen, ist da nichts.

Wie vermeiden Schiedsrichter einen Lagerkoller?

Heynemann: Es sind nie alle im Camp, da sie zu den Spielen reisen. In der Regel ist man f├╝r ein Spiel, drei Tage unterwegs: Anreise am Vortag, Spieltag und Abreise am n├Ąchsten Tag. Jeden Abend werden die Spiele analysiert. Ab und an sitzt man nat├╝rlich auch mal mit seinen Kollegen bei einem Glas Wein zusammen. Die Kameradschaft kommt sicher nicht zu kurz.

Was bekommt man als Schiedsrichter von Land und Leuten mit?

Heynemann: In Frankreich wurden im Vorfeld und teilweise auch zwischendurch Ausfl├╝ge organisiert, nach Paris oder Disneyland. Aber wenn das Turnier l├Ąuft, hat man wenig Zeit f├╝r Sideseeing.

Als Schiedsrichter steht man oft in der Kritik. Wenn wie bei der WM Millionen Menschen zusehen, ist dann der Druck umso gr├Â├čer?

Heynemann: Den Druck habe ich nie gesp├╝rt. Vor dem Spiel sollte man sich dar├╝ber auch auf keinen Fall Gedanken machen, sonst passieren Fehlentscheidungen.

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