Bernd Heynemann «Beine hoch und am Pool liegen, ist nicht»

Heynemann (Foto)
Bernd Heynemann pfeift ein Spiel. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Michael Heinrich
Bernd Heynemann war 1998 als WM-Schiedsrichter im Einsatz. Zwei Partien leitete er in Frankreich, zückte neun Gelbe Karten. News.de spricht mit dem 56-Jährigen über Lagerkoller, Laktattests und weinseelige WM-Abende.

Heynemann: Die Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft war das Highlight meiner Karriere als Schiedsrichter. Es war eine Auszeichnung, dabei sein zu dürfen. Für Schiedsrichter gibt es ja noch viel weniger Plätze als für Spieler, nur einen pro Land.

Wie wird man ausgewählt?

Heynemann: Der Kreis ist schon einmal klein, da nicht jeder infrage kommt, sondern nur die Schiedsrichter, die Champions-League-Partien und andere Spitzenspiele pfeifen. Die einzelnen Kontinentalverbände haben bestimmte Kontingente. Dafür versucht man sich natürlich, über Leistung anzubieten.

Ist es nicht unfair, dass Länder mit großer Fußballtradition wie Deutschland oder Brasilien genau so viele Schiedsrichter stellen wie Länder, in denen Fußball nicht den Stellenwert hat?

Heynemann: Das sind die Regeln, die muss man so akzeptieren. Der Solidargedanke ist auch nicht falsch, sonst hätte Schiedsrichter aus schwachen Ligen nie die Möglichkeit an der WM teilzunehmen. Und von der Qualität der Liga kann man keine Rückschlüsse auf die Qualität des Schiedsrichters ziehen. Die skandinavischen Unparteiischen gehören immer zu den Besten, obwohl die nationalen Ligen im europäischen Vergleich zu den schwächeren zählen.

Wie bereitet sich ein Schiedsrichter auf die WM vor?

Heynemann: Sehr langfristig. Den ersten Lehrgänge gab es bereits im Herbst. Es ist seitdem ein permanenter Prozess mit psychologischen Schulungen, Fitnesstests, medizinischen Checks et cetera. Auch die Schiedsrichter müssen hundert Prozent Leistung bringen. Eine Woche vor Tunierbeginn treffen sich dann alle im Gastgeberland.

Was ist, wenn man bei Tests durchfällt?

Heynemann: Dann ist man nicht dabei. Das gilt aber nicht nur für den Schiedsrichter, sondern auch für seine zwei Assistenten. Sie bilden zusammen ein Team und wenn einer zum Beispiel beim medizinischen Check durchfällt, bedeutet das für alle das Aus.

Haben die Schiedsrichter wie die Mannschaften ein «Teamhotel»?

Heynemann: Ja, zu meiner Zeit in Frankreich war es in der Nähe von Paris. In Südafrika wird es Nahe Johannesburg sein. Und es ist auch sonst wie bei den Mannschaften. Der Tagesablauf folgt einem festen Zeitplan. Ein Stab von Betreuern und Trainern kümmert sich darum, dass die Schiedsrichter fit bleiben – mit Beine hoch und am Pool liegen, ist da nichts.

Wie vermeiden Schiedsrichter einen Lagerkoller?

Heynemann: Es sind nie alle im Camp, da sie zu den Spielen reisen. In der Regel ist man für ein Spiel, drei Tage unterwegs: Anreise am Vortag, Spieltag und Abreise am nächsten Tag. Jeden Abend werden die Spiele analysiert. Ab und an sitzt man natürlich auch mal mit seinen Kollegen bei einem Glas Wein zusammen. Die Kameradschaft kommt sicher nicht zu kurz.

Was bekommt man als Schiedsrichter von Land und Leuten mit?

Heynemann: In Frankreich wurden im Vorfeld und teilweise auch zwischendurch Ausflüge organisiert, nach Paris oder Disneyland. Aber wenn das Turnier läuft, hat man wenig Zeit für Sideseeing.

Als Schiedsrichter steht man oft in der Kritik. Wenn wie bei der WM Millionen Menschen zusehen, ist dann der Druck umso größer?

Heynemann: Den Druck habe ich nie gespürt. Vor dem Spiel sollte man sich darüber auch auf keinen Fall Gedanken machen, sonst passieren Fehlentscheidungen.

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