Schalke mal anders
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Der Countdown läuft: In neun Tagen beginnt die Eishockey-WM in Deutschland. Gleich zum Auftakt wird es in Gelsenkirchen einen Zuschauerrekord geben. Dem Eröffnungsspiel zwischen dem DEB-Team und der USA soll ein echtes Spektakel folgen.
Dem Weltrekord-Auftakt soll ein Eishockey-Spektakel folgen, bei dem der Gastgeber zumindest nicht gegen den Abstieg kämpfen will: Unter dem Motto «Deutschland auf Eis» spielen die Puckjäger vom 7. bis 23. Mai in Gelsenkirchen, Köln und Mannheim zum 74. Mal um die Weltmeisterschaft. Die Bundesrepublik ist bereits zum sechsten Mal Gastgeber. «Es muss uns gelingen, unseren Sport der breiten Öffentlichkeit wieder näher zu bringen. Die WM 2010 ist eine einmalige Chance dazu», sagte der zu Deutschlands «Eishockeyspieler des Jahrhunderts» gekürte einstige Torjäger Erich Kühnhackl.
Der damalige Bundesinnenminister Otto Schily hatte sich 2005 in Wien vor der Abstimmung persönlich für die deutsche Bewerbung stark gemacht - mit Erfolg. Schon 1955, 1975, 1983, 1993 und zuletzt 2001 fand die WM in Deutschland statt. Außerdem war Berlin 1930 neben Chamonix und Wien Schauplatz von WM-Spielen.
76.000 Fans auf Schalke
Mit dem Titelkampf 2010 aber will WM-Gastgeber Deutschland alles in den Schatten stellen: Beim Auftakt auf Schalke mit der Partie zwischen der deutschen Auswahl und dem Olympiazweiten USA sollen 76.152 Fans für einen Zuschauer-Weltrekord beim Eishockey sorgen und sofort WM-Stimmung verbreiten. Die Karten waren heiß begehrt und schnell verkauft.
Die Organisatoren, die ein Budget von 17 Millionen Euro zur Verfügung haben, hoffen bei den 56 Spielen auf bis zu eine halbe Million Zuschauer. 350.000 Tickets sind schon weg. Vor neun Jahren strömten gut 400.000 Besucher nach Köln, Hannover und Nürnberg. 18.500 Fans passen in die Arena in Köln, wo die deutsche Auswahl ihre weiteren Partien absolvieren wird und die letzten Vier um die Medaillen kämpfen. In Mannheim, wo bis zum Viertelfinale gespielt wird, finden 13.600 Zuschauer Platz.
Viele NHL-Stars fehlen
Drei Monate nach dem glanzvoll besetzten Olympia-Turnier von Vancouver, an dem fast alle Stars der Nordamerika-Liga NHL teilnahmen, muss die WM in Deutschland wegen der laufenden NHL-Playoffs allerdings ohne viele große Namen auskommen. Traditionell haben die Spiele um den Stanley Cup in Nordamerika eine viel größere Bedeutung als die WM. Zu den internationalen Titelkämpfen kommen lediglich jene Akteure, die mit ihren Klubs in den Playoffs in Übersee schon ausgeschieden sind.
Das Maß der Dinge waren in den vorigen beiden Jahren nach langer Durststrecke die Russen, die in der Rangliste mit 25 WM-Titeln nun wieder allein vor den Kanadiern führen. Auch Schweden, Tschechien und die deutschen Vorrundengegner USA und Finnland gehören immer zu den Favoriten. Die Slowakei komplettiert die großen Sieben des Welt-Eishockeys.
Deutschland krasser Außenseiter
In diese Phalanx wird die deutsche Mannschaft nicht einbrechen können. Gastgeber-Erfolge wie Platz drei bei der Fußball-WM 2006 oder gar der Titel wie bei der Handball-WM 2007 sind illusorisch. 2001 zog die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) daheim als WM-Aufsteiger überraschend ins Viertelfinale ein: Doch zuletzt gelang vor sieben Jahren der Sprung unter die besten Acht - jeweils unter Meistertrainer Hans Zach.
Schlimmer noch: Nach dem Abstieg 2005 wurde das Team von Bundestrainer Uwe Krupp voriges Jahr in der Schweiz nur Vorletzter, lediglich die jetzige Gastgeber-Rolle verhinderte damals den erneuten Sturz in die Zweitklassigkeit. Bei Olympia gab es im Februar nach vier Niederlagen mit Platz elf das schlechteste Abschneiden bei Winterspielen - allerdings gegen meist übermächtige Konkurrenz.
Für den einstigen Stanley-Cup-Sieger Krupp, dessen Zukunft sich nach dem Turnier entscheiden soll, und seine Mannschaft steigt das wichtigste Spiel voraussichtlich am 12. Mai in Köln gegen Dänemark. Ein Sieg könnte den Einzug in die Zwischenrunde bedeuten, in der die Viertelfinal-Plätze ausgespielt werden. Eine Niederlage hätte wohl den erneuten Abstiegskampf mit Spielen zur unattraktiven Mittagszeit zur Folge. Schlimmer ginge es nach dem Eishockey-Festtag auf Schalke nicht.
phs/mas/ivb/news.de/dpa
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