Alexander Winokurow Die Schatten der Vergangenheit

Winokurow (Foto)
Alexander Winokurow sorgt wieder für Schlagzeilen. Bild: dpa

Alexander Winokurow gewinnt, die Fans pfeifen, die Medien zweifeln, die Fahrerkollegen nehmen es ergeben hin: Die Rückkehr des Kasachen auf die große Radsport-Bühne nach seiner Dopingsperre wirft Zweifel auf.

Alexander Winokurow will einen Schlussstrich. Aber so leicht, wie der Kasache zuletzt Lüttich-Bastogne-Lüttich und die Trentino-Rundfahrt gewann, wird die Resozialisierung nach zweijähriger Dopingsperre nicht verlaufen.

Die Zweifel, die sich an seinem hohen Leistungsniveau kurz nach der Zwangspause ergaben, konnte er mit der Standard-Antwort «Ich trainiere hart» aber nicht zerstreuen. Seinen Trainingsaufenthalt in Teneriffa - dort praktiziert der einstige Skandal-Doktor Eufemiano Fuentes - begründete er mit schönen Bergen, gutem Essen und exzellenten Massagen.

Der 36-Jährige mit Wohnsitz Monte Carlo ist «tief traurig» und fühlt sich weiter missverstanden. In einem offenen Brief auf der Webseite seines Astana-Teams beklagte er sich bitterlich: «Ich möchte nicht das einzige Ziel sein für alle Kritik an den Krankheiten des Radsports».

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Winokurow, schon zu T-Mobile-Zeiten liebevoll «Wino» genannt, hat die Affäre für sich abgehakt: «Ich habe mit zwei Jahren Sperre für die dunklen Jahre meiner Karriere gezahlt. Ich rede nicht mehr darüber.» Die Aussichten, dass Winokurow auch bei der Tour wohlgelitten sein wird, steigen merklich an. «Winokurow hat einen Fehler begangen und dafür bezahlt. Auch im normalen Leben wird jedem eine zweite Chance gegeben», meinte Tour- Direktor Christian Prudhomme.

Die «verfolgte Unschuld» aus Bischkul

Eine Aufklärung seines Dopingfalls von 2007, als er nach Fremdblutdoping aufflog und sein gesamtes Team danach bei der Tour de France die Rote Karte sah, verweigert der Freund von Jan Ullrich nach wie vor. Und nach der Tour-Affäre trickste Winokurow weiter mit einem fingierten Rücktritt. Er wollte so seine Sperre mindern, die sein Landesverband auf lediglich ein Jahr festgelegt hatte. Der Weltverband UCI setzte sich zwar mit der Verdoppelung der Sperrzeit bis Juli 2009 vor dem Sportgerichtshof Cas durch, nicht aber mit der Forderung nach einer Geldbuße.

«Die Geldstrafe - bis zu einem Jahresgehalt - ist bei nachgewiesenem Doping erst seit 2009 obligatorisch und durch unseren Artikel 226 gedeckt. Wie viele andere hat Winokurow aber vor 2009 eine Vereinbarung unterzeichnet, im Dopingfall zu zahlen. Deshalb klagen wir gegen ihn vor dem Cas», sagte UCI-Sprecher Enrico Carpani der Nachrichtenagentur dpa, verwies aber gleichzeitig auf die juristisch wenig belastbare «Absichtserklärung» des Profis.

Die «verfolgte Unschuld» aus Bischkul rüstet sich derweil ungerührt für weitere sportliche Großtaten. Für den am 8. Mai in Amsterdam beginnenden Giro d'Italia gilt er in seiner augenblicklichen Verfassung als Topfavorit. Auch seiner Tour-Rückkehr im Juli steht wohl kaum noch etwas im Weg - entsprechend äußerte sich bereits Tour-Direktor Christian Prudhomme, der Astana 2008 wegen der Doping-Vergangenheit des Teams ausgeladen hatte.

Die Unverfrorenheit, mit der «Wino» weiter hochtourig ganz vorne mitfährt, passt zur Nachrichtenlage der Problembranche, in der in schöner Regelmäßigkeit ein Dopingfall den nächsten jagt.

hem/ivb/news.de/dpa

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